Ökologie Runzlig war gestern
Alle wollen Bio. Aber es gibt zu wenig Ökobauern. Der Bioland-Präsident Thomas Dosch will mehr Förderung und bessere Qualitätskontrolle, damit das Angebot die Nachfrage decken kann
DIE ZEIT: Das Geschäft mit Bio boomt. Eigene Supermärkte schießen aus dem Boden, Discounter wie Aldi und Lidl führen Ökomarken ein, die Zuwachsraten sind zweistellig. Für Sie ein Triumph?
Thomas Dosch: Gewiss. Aber bei dieser Sprache des Geldes denke ich manchmal, dass wir den Markterfolg schon als Alibi nutzen, um zu begründen, warum wir eine andere Landwirtschaft wollen. Die eigentlichen Motive sind vielschichtiger.
ZEIT: Wollen heilige Ökos etwa nichts verdienen?
Dosch: Die ersten Biobauern haben nicht auf den Kunden geschaut, sondern auf ihren Acker, ihre Pflanzen und Tiere. Ihr Ziel war ursprünglich nicht, eine Produktionsweise einzuführen, die das Betriebsergebnis verbessert; oft ist übrigens das Gegenteil der Fall. Sie waren von ethischen Überlegungen getrieben. Von der Glaubensfrage, was gut ist für die Natur.
ZEIT: Ökolandbau ist also Umweltschutz?
Dosch: Er ist eine »bestimmte Form der Agrarerzeugung«, wie der Gesetzgeber sagt, ein Prozess, und es gibt sehr viele Belege, dass dieser Prozess positiv auf die Umwelt einwirkt. Etwa auf den Boden. Systematisch wird reicher Humus aufgebaut. Oder aufs Klima, denn dieser Boden bindet mehr CO2. Außerdem fallen rund sechzig Prozent der Emissionen weg, vor allem, weil der immense Energieaufwand für die Herstellung von künstlichem Dünger oder Pestiziden nicht zu Buche schlägt.
ZEIT: Jetzt ist die Nachfrage jedenfalls hoch, kann aber nur schwer befriedigt werden. Denn immer weniger Bauern stellen auf Ökolandbau um.
Dosch: Richtig, viele zögern bei der Anfangsinvestition. Schuld ist vor allem die politische Verunsicherung. Es gab die EU-Erweiterung, aber auch die Nach-Künast-Ära, in der Hardliner wie Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen gesagt haben: Jetzt ist aber Schluss mit dem grünen Quatsch. Das haben die Landwirte und ihre Funktionäre sehr wohl gehört. Zudem fließen aus Brüssel wie aus den Bundesländern weniger Gelder für den Ökolandbau; doch ohne Förderung kommen auch Biobauern nicht über die Runden. Sogar wir raten manchen Produzenten von der Umstellung ab. Wer sich eine Solaranlage aufs Dach setzen will, wartet auch, bis er weiß, was ihm die Energieversorger für seinen Solarstrom bezahlen.
ZEIT: Aber der Konsument ist doch bereit, mehr für Ökoprodukte auszugeben.
Dosch: Nur in Grenzen. Dem Verbraucher wurden durch die hoch subventionierte Landwirtschaft niedrige Preise anerzogen, an denen sich auch Biopreise orientieren. Erst allmählich gelingt es uns, die Erzeugerpreise zu entkoppeln. Bei dem, was der Bauer kriegt, ist der Unterschied zwischen normal und Bio außerdem geringer als an der Ladenkasse. Das liegt an den hohen Logistikkosten für die Erfassung, Verteilung oder Verarbeitung. In manchen Regionen Bayerns liegen die Biohöfe zwar schon so dicht beieinander, dass die Kosten nahezu vergleichbar sind mit der konventionellen Produktion. Aber in einem fernen Zipfel Mecklenburg-Vorpommerns lohnt es sich erst gar nicht, die Biomilch abzuholen.
- Datum 18.01.2007 - 10:26 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 18.01.2007 Nr. 04
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Niemand will Sie zwingen pestizidfreie, natürliche Lebensmittel zu essen. Sie dürfen sich den ganzen Tag mit bestrahlten, geschmacksverstärkten Lebensmitteln verwöhnen.
Alternativ können Sie ja noch eine Kommune gründen, wo Sie dann neben einem Atomkraftwerk ein paar schöne Genrüben ziehen, mit Herrn Joffe evtl., das würde Ihm glaube ich auch gefallen! ;-)
PS: Wg.' Promotion' => Ich denke dass Fast Food und Zuckerplörre immer noch am heftigsten beworben und belobbyt werden.
PPS: If you like buddy, you can write in German, as you might know, this is a German paper!
Es ist ganz interessant, mal ein bißchen über Taverne und seine Auftritte/Behauptungen zu recherchieren.
Seine 'Argumente' sind fast wörtlich die gleichen, mit denen andere Gesinnungsgenossen auch für Atomkraft, oder gegen die Akzeptanz des menschengemachten Klimawandels agitieren.
Stets behaupten sie, die 'Vernunft' 'und den 'Fortschritt' für sich gepachtet zu haben, während Andersdenkende grundsätzlich 'unvernünftig' sind und nur den Fortschritt behindern wollen.
Solche totalitären Argumentationsmuster lassen sich leicht auch im Kommunismus ('Bürgerliche!'), Faschismus ('Untermenschen!') oder in diversen Sekten mit Welterklärungsanspruch wiederfinden.
Mündige Bürger sollten Taverne und seine Jünger mal fragen, warum wir Gentechnik in Deutschland/Europa brauchen, wo sie doch angeblich in Afrika den Hunger besiegen soll.
Oder warum viele afrikanische Staaten noch genügend Nahrungsmittel anbauen konnten, bevor Diktatoren und die Stellvertreter-Bürgerkriege der Großmächte Millionen Menschen dort zur Flucht gezwungen haben... alles unvernünftige Fragen, ich weiß schon ;-)
Organic farming is a billion-dollar industry. It is promoted by a stream of propaganda from green lobby groups. Supermarkets like it because premium prices increase profits. Organic food is synonymous with healthy living and every TV chef tells us that organic food tastes better. To question claims made by the organic lobby is not just akin to doubting the virtues of motherhood, but to reveal indifference to the poisoning of the nation and the fate of the planet. In a very pervasive book 'The March of Unreason', British MP Dick Taverne demolishes the myths and pseudo science of the organic movement and demonstrates that our society is threatened not by chemicals and GM crops but by the eco-fundamentalists and their crusade against conventional agriculture
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da war der Link zu lang, also ein erneuter Versuch:
http://tinyurl.com/2o88dp
... verschiedene Meinungen zu hören (auch in einer DEUTSCHEN Zeitung):
Trewavas, A. (2004): A critical assessment of organic farming-and-food assertions
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