Führer-Satiren haben Konjunktur. Auf Dani Levys Film Mein Führer folgte letztes Wochenende die Berliner Premiere von Rolf Hochhuths Komödie Heil Hitler!. Die beiden Werke haben mehr gemeinsam, als ihren Urhebern lieb sein dürfte. Hier wie dort beschränkt sich die Substanz auf einen kabarettistischen Einfall, der gerade eben für einen dreiminütigen Ärztesketch der Sonny Boys gereicht hätte. Bei Levy besteht die Pointe darin, dass ausgerechnet ein jüdischer Psychoanalytiker den Führer aus einer Krise retten muss; bei Hochhuth soll der Witz aus der manischen Übertreibung kommen, mit der ein junger Mann bei jeder Gelegenheit »Heil Hitler!« ruft, damit ihm die fanatische Gefolgschaft als Geisteskrankheit ausgelegt wird und den Wehrdienst erspart. – Es gibt Hitler-Scherze, über die schon herzhafter gelacht worden ist; falls ein solches Lachen überhaupt wünschenswert ist.

Der Hauptwunsch von Levy und Hochhuth ist das Amüsement gewiss nicht gewesen; sie haben den Grundeinfall beide bis in den bitteren Ernst getrieben, teils durch lähmende Ausführlichkeit, teils durch Anreicherung der Fiktion mit historischem Material, das nun einmal der Komik nicht günstig ist, sondern höchstens der Groteske. Grotesk erschien allerdings schon vielen Zeitgenossen das NS-Regime, vielleicht hat dieses Groteske sogar manchen den Blick auf das Grausame verstellt; jedenfalls bildet es nicht den Kern der beispiellosen Verbrechen, sondern nur ihre gelegentliche unfreiwillige Camouflage.

Welchen Sinn also sollte es heute haben, die Grausamkeit der Verbrechen, über die wir inzwischen sattsam Bescheid wissen, wieder ins Licht der Groteske zu rücken? Gibt es ein Zuviel an Ernst im Umgang mit der NS-Zeit, dem dringend abgeholfen werden müsste? Oder lauert im Publikum noch ein Führer-Respekt, der durch Hitler-Karikaturen pädagogisch wertvoll erschüttert werden müsste? Nichts spricht dafür; jedenfalls nicht bei den potenziellen Zuschauern von Dani Levy oder Rolf Hochhuth. Etwas anderes wären vielleicht die Neonazis in den sogenannten national befreiten Zonen des Ostens; aber deren verbohrter Nostalgie ist gewiss mit harten Fakten besser beizukommen als mit Witzen, die sie ohne Weiteres als Ressentiments der verachteten bürgerlichen Mitte abtun könnten.

Hier liegt auch der Grund für das vielfach artikulierte Unbehagen an den Satiren von Levy und Hochhuth: Sie haben ein Problem mit dem Adressaten, an den sie sich richten. Es gibt ihn in Wirklichkeit nicht. Er ist genauso fiktiv wie die humoristische Konstruktion ihrer Geschichten. Ein Lachen über Hitler zu organisieren, das niemandem im Halse stecken bleibt, ist aber kein Verdienst. Es ist bestenfalls gratis. Verdienstvoll und noch für die Gegenwart lehrreich wäre dagegen eine Satire auf die modische Inflation der Hitler-Satiren; da könnten Levy und Hochhuth ihren großen Auftritt haben.

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