VW Piëchs System

Porsche-Enkel Ferdinand Piëch hat seiner Familie ein Imperium geschaffen. Heute ist er so mächtig wie nie.

Und wieder muss einer dran glauben »Dr. Wolfgang Bernhard verlässt den Vorstand der Volkswagen AG«, verlautete am 11. Januar aus Wolfsburg. Er hat die Marke VW saniert. Jetzt kann er gehen. Bernhard sei nur ein weiteres »Opfer« des selbstherrlichen VW-Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch, lautet das einhellige Urteil in der Branche. Im Laufe seiner 35 Jahre bei VW und Audi hat Ferdinand Piëch so viele Topmanager verschlissen wie sonst niemand in der deutschen Wirtschaft.

Unmittelbar vorher traf es Bernd Pischetsrieder, den Chef des VW-Konzerns. Wie viele andere, die ihren Posten später räumen mussten, hatte Piëch den ehemaligen BMW-Chef selbst geholt. Sein Nachfolger müsse »besser sein als ich«, hatte Piëch gesagt, bevor er 2002 vom Vorstandsvorsitz in den Aufsichtsrat wechselte. Der aktuelle VW-Chef heißt Martin Winterkorn, ein langjähriger Piëch-Vertrauter. Erst einmal hat er freie Hand bei VW. Doch seine Macht ist geliehen, und auch sein Name könnte eines Tages die Opferliste zieren.

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Nach welcher Maxime »der Alte«, wie sie Piëch im Konzern nennen, in solchen Fällen handelt, hatte er schon mit Blick auf seine Zeit als Audi-Chef in seiner Auto.Biographie verraten: »Aus tiefster Überzeugung habe ich lieber einen für die betreffende Situation unpassenden Topmanager gefeuert, als eine Schwächung des Unternehmens zu riskieren.« Was eine Schwächung sein könnte, definiert freilich nur einer: er.

Ferdinand Piëch ist so mächtig wie noch nie. Die Porsche AG ist seit vergangenem Jahr größter VW-Aktionär. Ohne Porsche geht bei VW faktisch nichts mehr. Und die Sportwagenfirma wird zu 100 Prozent von ihm und seiner Verwandtschaft kontrolliert, den Piëchs und Porsches. Jetzt wächst für den autoverrückten Enkel des Käfer-Erfinders Ferdinand Porsche zusammen, was für die Familien eigentlich schon immer zusammengehörte: VW und Porsche, ein Imperium.

Piëchs größte Gegner bei VW sind entweder weg oder – wie der niedersächsische Ministerpräsident – erstaunlich machtlos. Und der ehemalige Personalchef von VW, Peter Hartz, lässt bisher im Verfahren über die Boni- und Hurenaffäre des Konzerns nichts auf Piëch kommen. Es sieht so aus, als käme der wieder ohne große Blessuren davon, wie er schon die »Lopez-Affäre« mitsamt ihren Vorwürfen der Industriespionage in den neunziger Jahren überstand.

»Der hat jetzt wieder richtig Spaß an dem Job«, sagt ein langjähriges Aufsichtsratsmitglied. Bester Dinge zeigte er sich Anfang vergangener Woche auf der Auto Show in Detroit an der Seite der derzeit wichtigsten Figuren seines Machtspiels. Neben Winterkorn waren da Bernd Osterloh, der neue Betriebsratschef, und Porsche-Chef Wendelin Wiedeking zu sehen. Im Verein mit diesen drei Männern kann Piëch in allen wichtigen Gremien den Kurs des VW-Konzerns bestimmen. Doch was treibt den hageren Österreicher, der im April 70 Jahre alt wird, nochmals das große Rad zu drehen?

Leser-Kommentare
    • Colon
    • 20.01.2007 um 1:15 Uhr

    Wer Vieles sagt, sagt manchmal was. So geht es mir sonst mit Artikeln im Wirtschaftsteil großer deutscher Zeitungen. Ihnen, Herr Lamparter, gilt meine Hochachtung, denn Sie schreiben nicht viel, aber wenn Sie schreiben, dann mit Kenntnis. Hoffentlich bleiben Ihnen die Quellen erhalten, nach diesem Artikel. Natürlich gilt das Lob auch Ihrem Kollegen Herrn Willeke.

    • Anonym
    • 20.01.2007 um 7:53 Uhr

    Es ist wahr: dieser Artikel ist wirklich absolut differenziert. Man merkt, dass der Autor mit Unvoreingenommenheit an die Sache rangegangen ist.

    Lamparter sollte man klonen und den Klonen Fremdsprachen, inbesondere französisch + japanisch, beibringen. Ich wäre zu gespannt auf Hintergründe aus den Häusern der Hersteller aus diesen Läändern.

    • Anonym
    • 20.01.2007 um 7:53 Uhr

    Es ist wahr: dieser Artikel ist wirklich absolut differenziert. Man merkt, dass der Autor mit Unvoreingenommenheit an die Sache rangegangen ist.

    Lamparter sollte man klonen und den Klonen Fremdsprachen, inbesondere französisch + japanisch, beibringen. Ich wäre zu gespannt auf Hintergründe aus den Häusern der Hersteller aus diesen Läändern.

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