VW Piëchs SystemSeite 6/6

Die sind in Wolfsburg traditionell besonders stark, weil sie im Aufsichtsrat gemeinsam mit dem Land Niedersachsen bei Standortfragen immer die Mehrheit haben. Und die Belegschaft der westdeutschen VW-Werke ist zu weit mehr als 90 Prozent in der IG Metall organisiert. Als Piëch VW-Chef wurde, regierte im Lande die SPD mit Gerhard Schröder an der Spitze und einem Sozialminister, der zuvor Betriebsratschef von VW gewesen war. Piëch wusste, dass er das Unternehmen nicht gegen, sondern nur mit diesem Machtblock umkrempeln konnte.

Die relativ hohen Wolfsburger Löhne blieben unangetastet, und der Aufsichtsrat erlaubte, Milliarden für die neuen Luxusautos zu investieren. Die Pflege der Kontakte mit dem mächtigen Betriebsrat delegierte der Vorstandschef an seinen Arbeitsdirektor Peter Hartz. Von Details habe er nichts gewusst, sagte Piëch Ende vergangenen Jahres den Staatsanwälten, die ihn im Rahmen ihrer Ermittlungen gegen Hartz, Volkert und Co befragten. Ministerpräsident Schröder lud er mit Gattin zum Opernballbesuch in Wien mit dem Firmenflieger ein – der zahlte nach heftigen öffentlichen Protesten später aus eigener Tasche nach.

»Mit meinem größten Shareholder bin ich glücklich«, sagte Piëch im Jahr 2000 über das Land. Das dürfte sich geändert haben, denn mit dem jetzigen CDU-Landeschef Christian Wulff kann er nicht. Der monierte laut, dass ehemalige VW-Mitarbeiter als Bundes- und Landtagsabgeordnete für die SPD weiter ihre Gehälter vom Unternehmen bezögen. Als Wulff später wiederholt den Rücktritt Piëchs vom Aufsichtsratsvorsitz forderte, etwa mit Hinweis auf dessen »Interessenkollision« als Porsche-Aktionär, förderte das eher noch den Kampfgeist des Enkels.

Wer sich mit ihm anlegt, verliert. Die Nachkommenschaft von Ferdinand Porsche ist mittlerweile auf rund 60 Köpfe angewachsen. Ihre Anteile am Autohersteller Porsche in Stuttgart und dem Autohandelshaus Porsche Holding in Salzburg haben die beiden Familienstämme gebündelt und vertraglich abgesichert, dass das Erbe zusammenbleibt. Seit Jahrzehnten gilt es als eherne Regel, dass jeweils zwei Porsches und zwei Piëchs in den Aufsichtsgremien der Familienunternehmen in Deutschland und Österreich sitzen. Zur Hauptversammlung der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG am 26. Januar scheiden zwei familienfremde Aufsichtsratsmitglieder aus. Zur Wahl als Nachfolger sind vorgeschlagen: ein familienfremder Manager und Hans-Peter Porsche, 63. Dann wären es drei Porsches und nur zwei Piëchs.

Für Eingeweihte ist die Logik klar. Im April muss sich Ferdinand Piëch zur Wiederwahl in den Volkswagen-Aufsichtsrat stellen. Bisher saß er dort als ehemaliger Vorstandschef, diesmal soll er als dritter Vertreter des Großaktionärs Porsche AG einziehen, neben den Porsche-Managern Wiedeking und Holger Härter. Der Aufsichtsratssitz für Hans-Peter in Stuttgart war der Preis dafür.

Und hier liegt eine gewisse, vielleicht auch beruhigende Ironie: Ferdinand Piëch wird nun wohl besser kontrolliert denn je. Niemand beobachtet den Autokraten argwöhnischer als die Verwandtschaft, und schließlich geht es in Zukunft bei VW mehr denn je um ihr Vermögen. Über vier Milliarden Euro hat die Porsche AG bislang in VW-Aktien investiert, notfalls will man noch nachschießen.

Kommt es zum Familienstreit, hat Wendelin Wiedeking eine Schlüsselrolle. Als angestellter Manager ist er von Ferdinand Piëch anhängig, aber genauso von den Porsches. »Wir mögen hin und wieder anderer Meinung sein, aber wir raufen uns immer wieder zusammen«, sagt er über sich und Piëch. Im Gegensatz zum Technikfreak Piëch gilt der Porsche-Chef als kühler Rechner. Autos, mit denen man kein Geld verdient, gelten für ihn als »Hobby«. Piëch-Eskapaden wie der Bugatti mit 1001 PS fielen ihm schwer. Mit ihm im VW-Aufsichtsrat stehe eines fest, sagt Wiedeking: »Hobbys gibt es nicht mehr.« Mal sehen, wie lange der Chefkonstrukteur der Porsche-VW-Verbindung sich zurückhält.

Mitarbeit: Stefan Willeke

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Leser-Kommentare
    • Colon
    • 20.01.2007 um 1:15 Uhr

    Wer Vieles sagt, sagt manchmal was. So geht es mir sonst mit Artikeln im Wirtschaftsteil großer deutscher Zeitungen. Ihnen, Herr Lamparter, gilt meine Hochachtung, denn Sie schreiben nicht viel, aber wenn Sie schreiben, dann mit Kenntnis. Hoffentlich bleiben Ihnen die Quellen erhalten, nach diesem Artikel. Natürlich gilt das Lob auch Ihrem Kollegen Herrn Willeke.

    • Anonym
    • 20.01.2007 um 7:53 Uhr

    Es ist wahr: dieser Artikel ist wirklich absolut differenziert. Man merkt, dass der Autor mit Unvoreingenommenheit an die Sache rangegangen ist.

    Lamparter sollte man klonen und den Klonen Fremdsprachen, inbesondere französisch + japanisch, beibringen. Ich wäre zu gespannt auf Hintergründe aus den Häusern der Hersteller aus diesen Läändern.

    • Anonym
    • 20.01.2007 um 7:53 Uhr

    Es ist wahr: dieser Artikel ist wirklich absolut differenziert. Man merkt, dass der Autor mit Unvoreingenommenheit an die Sache rangegangen ist.

    Lamparter sollte man klonen und den Klonen Fremdsprachen, inbesondere französisch + japanisch, beibringen. Ich wäre zu gespannt auf Hintergründe aus den Häusern der Hersteller aus diesen Läändern.

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