Autotest Hans-Dieter auf RädernSeite 2/2
Namen sind insofern eben mehr als Schall und Rauch und Auspuffabgase. Kindern, die Mandy oder Sandy heißen, Dennis oder Kevin, begegnet man anders als ihren Schulkameraden Penthesilea oder Laetitia, Hubertus oder Johann-Friedrich. Ein Name ist eine Entscheidungsheuristik.
Wenn Autos Menschen wären, gälte das auch: Was kann ein Subaru Legacy Kombi anderes sein als Klaus, der Anwalt am Amtsgericht? Was ein Citroën Xsara Picasso anderes als Renate, 53, die mit ihrem Aquarellkurs gerade in die Auvergne fährt? Und muss ein Kia Carens nicht Bernhard sein, der Geschäftsstellenleiter der AOK?
Ein Name kann ein Stigma sein. Das merke ich zum ersten Mal, als ich an einer Tankstelle halte. Ich tanke, zahle, und während der Tankwart mir das Wechselgeld gibt, fragt er mich: »Was’n das für’n Auto?« – »Ein Honda«, sage ich, »ein Honda Legend!« Der Mann grinst tief in sich hinein und fragt: »Honda Legend? Kannste dir keinen Benz leisten, oder was?«
Als ich kurz vor Speyer liegen zu bleiben drohe, bitte ich das Navigationssystem, mich zur nächsten Tankstelle zu bringen. Ich folge treudoof der Elektrostimme – und fahre immer tiefer in eine Großbaustelle. Als ich anhalte und einen Baggerfahrer frage, wo hier die Tankstelle ist, sagt er grinsend: »Die ist schon längst abgerissen. Auch dicke Autos haben schlechte Navis.«
Dann treffe ich C., einen alten Schulfreund. Der studiert Soziologie und träumt seit Jahren davon, sich ein Auto zu kaufen. Er hat viel dafür gearbeitet, in der Universität und in der Kneipe, bis er endlich, endlich das Geld beisammenhatte. Nun hat er sich eine Ente gekauft. Sie ist leicht angerostet, sie ist schmutzig, selbst wenn sie frisch gewaschen ist – und sie hat kein Super Handling-All Wheel Drive. Doch C. steht vor der Ente, streicht über eines ihrer Augen (ja, da ist das nicht bloß ein »Scheinwerfer«!) und sagt: »Dass ich das Auto noch bekommen habe! So eine Legende!« Das gibt mir einen Stich. Ich starre auf den Legend. Ich verabschiede mich von C., fahre los und gebe auf der Autobahn richtig Gas. Dann lege ich die Beatles in den Sechsfach-DVD-Wechsler des Bose-Soundsystems.
Baby, you can drive my car,
dröhnt es aus den zehn Lautsprechern, die im ganzen Auto verteilt sind,
yes, I’m gonna be a star.
Die Musik würde auch Hans-Dieter mögen. Und ich, ich darf – wenigstens einmal, ein einziges Mal! – mit dem Legend eine Legende erleben.
Unter der Haube
Motorbauart/Zylinderzahl:
6-Zylinder-V-Motor, 3471 ccm Hubraum
Leistung:
217 kW (295 PS)
5-Gang-Automatikgetriebe, Beschleunigung (0–100 km/h):
7,3 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit:
250 km/h
Durchschnittsverbrauch:
11,9 Liter auf 100 km (Benzin)
Kosten (pro Jahr):
Vollkaskoversicherung: Typklasse 29 (Haftpflicht: 21, Teilkasko: 27), Steuer: 236,25 Euro
Basispreis:
56.012,07 Euro
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www.zeit.de/auto
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- Datum 24.01.2007 - 06:20 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 25.01.2007 Nr. 05
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Oh du armer, marketingspruchverdummter Manuel. Wer sich so wenig vom 'bling factor' frei machen kann, ist als Journalist fehl am Platz - na, für eine PR- oder Werbekarriere hat's wohl nicht gereicht ;-))
was der bling factor ist, aber einem golf mehr lebensgefühl, als diesem honda zuzusprechen, kann ich nicht nachvollziehen. ich wuerde jedenfalls lieber 300 luxus-ps in
anspechender huelle fahren, als gölfe, enten, etc...
es ist doch nur ein auto - und das soll einem angenehme
fahrgefühle vermitteln - und die resultieren für mich aus dem
fahren - und nicht aus den vorurteilen anderer leute.
aber wahrscheinlich wuerden mir auch alle damen in der
großraumdisco einen korb geben...
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