Bayern Der getreue GüntherSeite 2/2

Die Seite des »Mister null Toleranz« ist schnell erzählt. Ja zur schnellen Abschiebung von verdächtigen Ausländern, zur Rasterfahndung und zu verdachtsunabhängigen Kontrollen. Ja zur Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen, zu einem strengeren Jugendstrafrecht und zum Einsatz der Bundeswehr im Innern. Ja zum Lauschangriff, zum NPD-Verbot und zur unnachgiebigen Verfolgung selbst kleiner Apfeldiebe. Nein zum individuellen Grundrecht auf Asyl, zum erweiterten Datenschutz und zum Kopftuch für muslimische Beamtinnen. Blind konnte man darauf vertrauen, dass Beckstein selbst auf die rabiatesten Forderungen Otto Schilys und später Wolfgang Schäubles noch einen draufsetzte.

Es gibt aber noch eine andere Seite des Günther Beckstein. Sie dürfte bei der Wahl des künftigen Ministerpräsidenten wohl den Ausschlag gegeben haben. Beckstein hält sich nicht für unfehlbar, schätzt Widerspruch und Widersprüche – ganz anders als Stoiber. Geduldig setzte er sich stundenlang der Kritik evangelischer Pfarrer an seiner harschen Asylpolitik aus. Daheim am Küchentisch fahren ihm seine Frau und seine drei Kinder dazwischen. Einer seiner Söhne hielt sein Vorhaben, Schulschwänzer mit Blaulicht zum Unterricht zurückzubefördern, für »völlig übertrieben«. Und gleich nach den Anschlägen vom 11. September überredete er den zögerlichen Stoiber, gemeinsam mit ihm eine Moschee in Nürnberg zu besuchen. »Edmund, wir brauchen ein Zeichen der Toleranz.«

Nach dem hochfahrenden, kühlen, nüchtern-technokratischen Edmund Stoiber sehnen sich viele Bayern nach einer Verschnaufpause. Der menschelnde Günther Beckstein könnte sie füllen. Für eine kurze Weile.

 
Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 10.10.2007 um 9:42 Uhr

    Ein kleiner Beitrag des freibayerischen Untergrunds zur Beckstein-Wahl. Gut, dass uns die Amis das Internet geschenkt haben, so kann gegen die jahrzehntelange Volksverdummung zumindest in Ansätzen gestunken werden. Die Beweihräucherung der CSU von ALLEN bayerischen Medien ist zum kotzen.

    http://dorfkramer.blogspo...

  1. 2. mit

    beckstein wird bayern wie nrw oder posemuckl.
    die zeiten von grandezza sind vorbei.
    fränkischer kirchtum und
    kirchlich(evangelisch) souffliertes
    männerproletariat werden
    einzug halten - hurra.
    soviel stoiber auch gestammelt haben mochte, er
    lebte die größenphantastica bavariae.
    jetzt kommt stampfgemüse mit bohnen.

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