Afrika Kalaschnikows und Edelsteine
Gold, Uran, Holz, Diamanten – der Hunger des Westens auf Rohstoffe heizt in Afrika blutige Konflikte an. Jetzt kommt das Thema ins Kino.
Der amerikanische Rap-Musiker Paul Wall, von seinen Fans »Pinky« genannt, ist im Nebenberuf Designer von Diamanten-Zahnkronen, ein beliebtes Accessoire der HipHop-Szene. Für einen Dokumentarfilm des Musiksenders VH1 sind Wall und andere prominente Rapper nun in Sierra Leone der Frage nachgegangen, ob ihre Vorliebe für Hochkarätiges womöglich einen verheerenden Bürgerkrieg mitangeheizt hat: Zwischen 1991 und 2002 starben in dem westafrikanischen Land mindestens 50000 Menschen, Tausende wurden verstümmelt in einem Konflikt, in dem es vor allem um die Kontrolle der Diamantenfelder in Sierra Leone ging. Anführer und Hintermänner der Rebellen füllten damals ihre Waffenlager und Auslandskonten mit dem Verkauf der Edelsteine, die irgendwann geschliffen und funkelnd in den Auslagen westlicher Juweliergeschäfte landeten. Und womöglich auch am Dekolleté oder Schneidezahn eines Show-Stars.
Zum Leidwesen der Diamantenindustrie hat nicht nur die amerikanische Rap-Szene Sierra Leone entdeckt. Hohe Wellen schlug in der Vorweihnachtszeit die Premiere des Warner-Brothers-Films Blood Diamond, der nun auch in deutschen Kinos anläuft. In der Hauptrolle Leonardo DiCaprio als Diamantenschmuggler mitten im Bürgerkrieg. Die Diamantenindustrie (Jahresumsatz 60 Milliarden Dollar) reagierte schnell: Um einen Einbruch im Weihnachtsgeschäft zu verhindern, betonte ihr Verband, der World Diamond Council, in ganzseitigen Zeitungsanzeigen, dass, erstens, dank internationaler Kontrollen fast keine »Konfliktdiamanten« mehr in den Handel kämen, zweitens, in Sierra Leone längst Frieden herrsche und, drittens, die Diamantenförderung in Staaten wie Botswana und Südafrika Quelle des wirtschaftlichen und sozialen Aufschwungs sei. Ins selbe Horn stieß Mitte Dezember kein Geringerer als Nelson Mandela, Ikone der internationalen Menschenrechtsbewegung. »Es wäre sehr bedauerlich«, schrieb Mandela an Warner-Brothers-Präsident Alan Horn und Filmregisseur Edward Zwick, sollte Blood Diamond zur »Destabilisierung afrikanischer Länder führen, die Diamanten fördern«.
»Folgen Sie der Spur des Geldes, und Sie finden den Verbrecher«
Mandelas Angst ist nachvollziehbar. Schließlich könnten fehlgeleitete Boykottaufrufe gegen afrikanische Diamanten Südafrika schweren Schaden zu fügen, das jährlich ganz und gar unblutige Rohdiamanten im Wert von 1,4 Milliarden Dollar exportiert. Doch die Sorge hat sich als unbegründet erwiesen. Niemand fordert einen Boykott, und die Diamantenbranche verzeichnete trotz Hollywood ein hervorragendes Weihnachtsgeschäft.
Also viel Aufregung um einen Fall verspäteter Political Correctness in der Filmindustrie? Sind »Blutdiamanten« tatsächlich ein Problem von gestern? Keineswegs. Denn die Situation ist doch etwas komplizierter, als es das mediale Duell zwischen Nelson Mandela und Leonardo DiCaprio vermuten lässt.
- Datum 25.01.2007 - 04:20 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 25.01.2007 Nr. 05
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Entwicklung klappt nicht wegen Korruption, die Staaten nicht wegen den vielen verschiedenen Ethnien, und Kriege gibt es wegen Rohstoffen.
Nein, Afrika ist ein Riesenkontinent, und die Ursachen der Konflikte sind komplex. In der Elfenbeinküste ging/geht es nicht ganz plakativ um die 'Kontrolle der Diamantenfelder', sondern um Verteilungskämpfe in einem ökonomischen Niedergang, der politischen Nachfolge eines über 30 Jahre herrschenden 'Vaters der Nation' und um die Frage der nationalen Identität.
Davon mal ganz abgesehen, hat die gnaze Geschichte einen Haken. Wer keine 'Blutdiamanten' kauft, ist nicht unbedingt neutral. Ohne die Einnahmen der Rebellen käme es ja nicht notwendigerweise zu einem Friedensabkommen, sondern zunächst einmal zu deren militärischen Niederlage. Aber mal ehrlich, in vielen Fällen würde man sich das doch auch die 'Regierung' als Sieger nicht wünschen. Was wäre z.B., wenn sich eine burmesische Rebellengruppe in den Jadeabbaugebieten festsetzt und für ein freies und demokratisches Burma/Myanmar kämpft?
In letzter Zeit macht doch vor allem China damit Schlagzeilen, dass es Geschaefte ohne Ruecksicht auf irgendwelche Menschenrechte macht (siehe Sudan, Tschad, Angola etc.). Man will sich schliesslich nicht in die inneren Angelegeheiten von Staaten einmischen. Ein Grossteil der chinesischen Oellieferungen kommt doch schon aus Afrika. Und einer der billigsten Wege, sich eine neue Kalaschnikow zu besorgen (mit der tatsaechlich die meisten Konflikte ausgetragen werden), ist immer noch sich eine chinesische Kopie Marke Norinco zu kaufen.
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