Afrika Kalaschnikows und EdelsteineSeite 4/4
Womit man wieder beim Thema »Blutdiamanten« wäre. Diese sind eben doch kein Problem der Vergangenheit. Im Oktober 2006 berichtete eine UN-Expertenkommission, dass Rebellen aus der Elfenbeinküste »Blutdiamanten« im Wert von 23 Millionen Dollar auf den Markt geschmuggelt haben. Verglichen mit dem weltweiten Handelsumfang, ist das minimal, aber für 23 Millionen Dollar kann man eine Menge Waffen kaufen. Der Fall offenbarte eine Schwachstelle im Kimberley-Prozess: Die Diamanten wurden über die Grenze nach Ghana, in ein »Kimberley-Land« geschmuggelt und dort mit dem Zertifikat »konfliktfrei« versehen. Ghana will nun bis Ende März mit der offensichtlichen Korruption in den eigenen Kontrollstellen aufräumen.
In Anbetracht von korruptionsgeplagten Mitgliedsländern wie dem Kongo, Angola, aber auch Indien, wo inzwischen über 80 Prozent aller Rohdiamanten geschliffen und poliert werden, ist der Kimberley-Prozess also ein work in progress. Zudem beschränkt er die Definition von »Konfliktdiamanten« auf Steine, die von »Rebellen und ihren Verbündeten zur Finanzierung des bewaffneten Kampfes gegen eine legitime Regierung« benutzt werden. Was aber, wenn eben diese Regierung gegen elementare Menschenrechte verstößt?
In Angola riskiert der Journalist Rafael Marques de Morais seit Jahren Kopf und Kragen, weil er immer wieder ein Geflecht aus Armeeoffizieren, privaten Sicherheitsfirmen und Diamantenfirmen bloßstellt, die mit Überfällen, Folter, Verstümmelungen und willkürlichen Verhaftungen gegen die Zivilbevölkerung und garimpeiros in ihren Konzessionsgebieten vorgehen. G arimpeiros sind meist bettelarme Diamantensucher, die auf eigene Faust arbeiten. Angolanische Diamanten aber kommen mit dem Gütesiegel »konfliktfrei« auf den Markt. Ebenso Rohsteine aus Sierra Leone, wo ausländische Firmen nun mit Zwangsräumungen Dorfbewohner von ihren Konzessionsgebieten vertreiben, Ackerland zerstören und die Minenarbeiter teils in »sklavenähnlichen Bedingungen halten«. So beschreibt es Abu Brima, Mitbegründer des »Netzwerks für Gerechtigkeit und Entwicklung«, das schon zu Bürgerkriegszeiten den Handel der RUF mit »Blutdiamanten« recherchierte. Brimas Organisation arbeitet an der Umsetzung des Kimberley-Prozesses mit, er weiß diesen Fortschritt zu schätzen, aber er geht ihm nicht weit genug. »Wohlstandsdiamanten« statt »Blutdiamanten« lautet ein Slogan der Mitgliedsländer, doch in den Statuten des Abkommens steht nichts über Ausbeutung von Arbeitern. Auch nichts über Sanktionen gegen Unternehmen und Regierungen, die fast den gesamten Gewinn an der Bevölkerung vorbeileiten. Steuern von drei bis fünf Prozent kassiert der sierra-leonische Staat von den Diamantenfirmen. Davon, so Brima, tröpfelten nur 0,75 Prozent in die vom Krieg völlig zerstörten Gemeinden der Diamantengebiete. »Es gibt nicht die geringste Transparenz – weder beim Staat noch bei den Unternehmen.« Friedensdividende? Fehlanzeige. In Sierra Leone leben Zehntausende von Kriegsverstümmelten, die bislang keinerlei Entschädigung erhalten haben. Die Lebenserwartung beträgt 40 Jahre, im Entwicklungsindex der UN rangiert das Land auf dem vorletzten Platz. Was Sierra Leone im Überfluss hat, sind junge Männer ohne Perspektive – und Diamanten. Das war schon einmal eine tödliche Kombination.
Blood Diamond
mit Leonardo DiCaprio hat Abu Brima übrigens noch nicht gesehen. Er hofft, dass irgendein Besucher aus den USA demnächst eine Videokopie mitbringt. Die Delegation der amerikanischen Rapper hat er wahrscheinlich getroffen. Genau kann er sich nicht erinnern. »Da kommen zurzeit alle paar Tage welche aus Amerika, um sich hier nach den Blutdiamanten zu erkundigen.« Pinky, der Rapper und Schmuckdesigner, will jetzt in den USA juwelenverzierte Radkappen verkaufen und den Erlös für den Wiederaufbau in Sierra Leone spenden. »Soll er machen«, sagt Abu Brima. »Aber das Geld nicht einfach bei der Regierung abgeben.«
Zum Thema
Steine aus der Hölle
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Edward Zwicks politischer Thriller »Blood Diamond« über Afrikas Diamantenkriege »
- Datum 25.01.2007 - 04:20 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 25.01.2007 Nr. 05
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Entwicklung klappt nicht wegen Korruption, die Staaten nicht wegen den vielen verschiedenen Ethnien, und Kriege gibt es wegen Rohstoffen.
Nein, Afrika ist ein Riesenkontinent, und die Ursachen der Konflikte sind komplex. In der Elfenbeinküste ging/geht es nicht ganz plakativ um die 'Kontrolle der Diamantenfelder', sondern um Verteilungskämpfe in einem ökonomischen Niedergang, der politischen Nachfolge eines über 30 Jahre herrschenden 'Vaters der Nation' und um die Frage der nationalen Identität.
Davon mal ganz abgesehen, hat die gnaze Geschichte einen Haken. Wer keine 'Blutdiamanten' kauft, ist nicht unbedingt neutral. Ohne die Einnahmen der Rebellen käme es ja nicht notwendigerweise zu einem Friedensabkommen, sondern zunächst einmal zu deren militärischen Niederlage. Aber mal ehrlich, in vielen Fällen würde man sich das doch auch die 'Regierung' als Sieger nicht wünschen. Was wäre z.B., wenn sich eine burmesische Rebellengruppe in den Jadeabbaugebieten festsetzt und für ein freies und demokratisches Burma/Myanmar kämpft?
In letzter Zeit macht doch vor allem China damit Schlagzeilen, dass es Geschaefte ohne Ruecksicht auf irgendwelche Menschenrechte macht (siehe Sudan, Tschad, Angola etc.). Man will sich schliesslich nicht in die inneren Angelegeheiten von Staaten einmischen. Ein Grossteil der chinesischen Oellieferungen kommt doch schon aus Afrika. Und einer der billigsten Wege, sich eine neue Kalaschnikow zu besorgen (mit der tatsaechlich die meisten Konflikte ausgetragen werden), ist immer noch sich eine chinesische Kopie Marke Norinco zu kaufen.
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