Zulassung »Das ist Notwehr!«

Die Hochschulen entdecken den lokalen Numerus clausus als Waffe gegen die Sparpolitik

Normalerweise ist Margret Wintermantel eine vorsichtige Rednerin. Wenn die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz eine politisch heikle Frage beantworten soll, zögert sie erst eine Weile und formt ihre Sätze dann mit Bedacht. Nicht so, wenn man sie auf die seit drei Jahren deutschlandweit fallenden Studienanfängerzahlen anspricht. »Das ist Notwehr«, sagt sie prompt. »Wenn der Staat uns nicht genug Geld zur Verfügung stellt, müssen die Hochschulen sich immer mehr abschotten.«

Deutschlands Hochschulrektoren haben genug von der Diplomatie vergangener Jahre. Lange haben sie allenfalls halblaut aufbegehrt, wenn die Politik von ihnen verlangte, immer mehr Studenten aufzunehmen, ohne dafür auch entsprechend mehr Geld zur Verfügung zu stellen. Jetzt aber greifen die Hochschulen zu einer Waffe, die es schon lange gibt, deren wahren Wert die Rektoren doch erst seit ein paar Semestern begriffen haben: dem lokalen Numerus clausus (NC).

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Allein in Nordrhein-Westfalen stieg der Anteil der von den Hochschulen in Eigenregie verhängten Zulassungsbeschränkungen im Vergleich zum Vorjahr von 38 auf 43 Prozent aller Studiengänge – mit der Folge, dass die Universitäten des größten Bundeslandes am Ende satte zehn Prozent weniger Studienanfänger als 2005 vermeldeten. Der besondere Reiz am lokalen NC: Die Hochschulen können ihre Betreuungsrelationen verbessern und setzen gleichzeitig die Länderregierungen unter Zugzwang. Wenn immer mehr Studierwillige bei der Bewerbung leer ausgehen, steigt der Frust – und der Druck auf die Politik wächst, mehr Geld für Studienplätze zur Verfügung zu stellen.

Denn anders als bei der Veröffentlichung der Immatrikulationszahlen zunächst von vielen angenommen, lässt sich deren Rückgang nicht vorrangig mit der Einführung von Studiengebühren erklären. Tatsächlich war die Studierneigung auch im vergangenen Wintersemester ungebrochen, die Bewerberströme wuchsen vielerorts sogar noch an. Dass dennoch deutschlandweit erneut 3,5 Prozent weniger Studienanfänger als im Vorjahr gezählt wurden, liegt an der neuen Strategie der Hochschulen, die auch mit der Umstellung aller Studienfächer auf die gestuften Studiengänge Bachelor und Master zusammenhängt.

Zwar müssen die Rektoren sich jeden NC vom zuständigen Wissenschaftsministerium genehmigen lassen, doch das hat häufig gar keine andere Wahl, als die Anträge abzunicken: Die zum Teil katastrophalen Zustände in deutschen Hörsälen mögen bei den traditionellen Studiengängen noch toleriert worden sein, in den neuen Studiengängen mit ihrem höheren Verschulungsgrad geht das nicht mehr. Inzwischen können die Rektoren sogar mit einem Urteil des Berliner Oberverwaltungsgerichts wedeln. Das entschied 2004, dass die Hochschulen für Bachelor und Master einen besseren Betreuungsschlüssel einfordern können.

In einzelnen Fächern sank die Zahl der Studienanfänger um die Hälfte

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