Seit mehr als 20 Jahren wird in zahlreichen Ländern an der Neuordnung der »leitungsgebundenen Energiewirtschaft« gearbeitet. Durch Regulierung des Zugangs zu den Netzen sollen diese für Dritte geöffnet werden – mit dem Ziel, bei der Produktion von und beim Handel mit Energie Wettbewerb entstehen zu lassen. Die Preise für die Kunden von Strom und Erdgas sollen auf diese Weise sinken. Seit dem Jahr 2005 hat in Deutschland die Bundesnetzagentur den gesetzlichen Auftrag für die Regulierung. Sie hat inzwischen mehrfach die Netzentgelte gesenkt und wird dies auch in Zukunft tun. Masten einer Überlandleitung für elektrischen Strom BILD

Der Vorschlag der EU-Kommission, dieses Ziel durch eigentumsrechtliche Entflechtung zu verfolgen, führt zu keinerlei Vorteilen. Eine eigentumsrechtliche Heraustrennung der Netze würde den Status der Netze als natürliche Monopole nämlich nicht ändern, deshalb bestünde die Notwendigkeit zur Regulierung unverändert fort.

Der Netzbetrieb im elektrischen Hoch- und Höchstspannungsnetz wird in Deutschland von vier Gesellschaften, nämlich den Netzgesellschaften von RWE, E.on, Vattenfall Europe und ENBW wahrgenommen. Deren Netzentgelte sind so gering, dass selbst eine Senkung um 15 bis 20 Prozent den Strompreis für die Endkunden fast unverändert ließe: Der Effekt läge in einer Größenordnung von knapp über 0,1 Cent pro Kilowattstunde.

Auf der regionalen und kommunalen Verteilerebene sind in Deutschland mehrere Hundert Unternehmen aktiv. Im Strommarkt wird dort auf deutlich niedrigeren Spannungen gearbeitet; im Gasmarkt bei niedrigeren Drücken und kleineren Leitungsquerschnitten. Die Verteilernetze stellen lokale natürliche Monopole dar und werden ebenfalls reguliert. Je nach Spannungsebene und Größe des Abnehmers streuen die Netzentgelte sehr stark und liegen im Mittel in einer Größenordnung von 3 bis 6 Cent pro Kilowattstunde. Die Gründe dafür könnten unterschiedliche örtliche Gegebenheiten sein; es ist aber nicht abwegig zu vermuten, dass mancher regionale oder kommunale Versorger über die Netzentgelte Konkurrenz fernhält und bei der Festlegung auch an die Stadtsäckel denkt, in die ein Teil der Gewinne der Stadtwerke fließt. Eine Senkung der Netzentgelte auf dieser Stufe um beispielsweise 20 Prozent ließe den Strompreis für die Endkunden merklich sinken. Die Bundesnetzagentur bemüht sich, diskriminierende Praktiken einzudämmen.

Gleichzeitig ist festzuhalten, dass in den nur ungenau bezeichneten »Netzentgelten der Endkunden« auch Umlagekosten für alle möglichen Extralasten enthalten sind: für die Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung ebenso wie für die der erneuerbaren Energien. Zusammen mit gestiegenen Brennstoffkosten und der erforderlichen Einpreisung der CO 2 -Zertifikate ist der beobachtete Strompreisanstieg damit zum größten Teil erklärbar.