Geisteswissenschaften Schluss mit nutzlos!Seite 3/3
Das heißt, das Zeitalter der kalten Kriege und Systemkonkurrenzen ist vorerst vorbei; worum es nunmehr in einer eigentümlichen Wendung der Geschichte geht, sind heiße Raum- und Ressourcenkonflikte, und die werden in den nächsten Jahrzehnten fundamentale Auswirkungen auf die Gestalt unserer Gesellschaft haben. Was wir gegenwärtig als »Klimawandel« bezeichnen, wird die größte soziale Herausforderung der Moderne sein – insbesondere deshalb, weil die Frage unausweichlich wird, wie mit den Massen von Flüchtlingen zu verfahren sein wird, die dort, wo sie herkommen, nicht mehr existieren können und an den Überlebenschancen in den privilegierten Ländern teilhaben möchten.
Aus der Völkermordforschung wissen wir, wie schnell die Lösung sozialer Fragen in radikale Definitionen und tödliche Handlungen übergehen kann, und so etwas abzuwenden wird eine Probe darauf sein, ob Gesellschaften aus der Geschichte lernen können oder nicht. In der Konsequenz würde eine praktische Einsicht in die Notwendigkeit der Abwehr der schlimmsten Folgen des ökologischen Wandels eine globale Kultur der Partizipation erfordern, die heute noch ganz undenkbar scheint, aber dringend gedacht werden muss.
Überhaupt wird man den Geistes- und Kulturwissenschaften zumuten müssen, ihren Gegenstand breiter zu definieren als bislang: Denn die Neurowissenschaft hat uns darüber belehrt, dass die menschliche Gehirnentwicklung erfahrungsabhängig, also kulturell spezifisch verläuft, weshalb sich im humanen Bereich die Seinsbereiche der Natur und der Kultur überhaupt nicht trennen lassen. Vor diesem Hintergrund müssen sich die Kulturwissenschaften vermehrt der Mühe unterziehen, sich jene Befunde der Naturwissenschaften zunutze zu machen, die ihnen helfen, Gesellschaften angemessener zu beschreiben: also zu verstehen, wieso Menschen besser als Teil von Netzwerken zu begreifen sind denn als Individuen, dass Bodenerosion alsbald soziale Erosion nach sich zieht, was Emotionen sind und wie sie unter kulturellen Einflüssen modernisiert werden oder was die biosozialen Bedingungen für das weitere Überleben des Homo sapiens sapiens sind. Dessen machtvollste Überlebenstechnik besteht einstweilen darin, dass sein Bewusstsein und sein Gedächtnis ihm jenen unendlichen Raum zwischen Anforderung und Bewältigung eröffnet haben, den wir Kultur nennen.
Auf diesen Raum kommt es also an,
und die Geistes- und Kulturwissenschaften werden ohne eine Öffnung ihres Gegenstandsbereiches nicht in der Lage sein, jene verantwortliche Rolle einzunehmen, die ihnen angesichts radikal neuer gesellschaftlicher Probleme zukommt: Sie produzieren von jeher keine Geräte, Gebäude, Fahrzeuge und Kraftwerke, sondern Kommentare, Analysen, Ideen und Geschichten. Solche Geschichten konnten, wie das 20. Jahrhundert gezeigt hat, von ungeheurer destruktiver Kraft sein, aber manchmal sind sie auch – was etwa die Geschichte der Menschenrechte angeht – von erheblicher zivilisatorischer Wirkung. Was uns durch den Erkenntnisschock von 1989 abhanden gekommen ist und was uns die Scheinpragmatiker in den ökonomischen und politischen Eliten zu erfolgreich ausgeredet haben, ist die alles entscheidende Frage: Wie wollen wir leben? Diese Frage stellt sich gerade unter den Bedingungen eines weltumspannenden ökologischen Wandels und einer globalisierten Klassengesellschaft, in der weder eine Umwelt- noch eine Sozialpolitik zukunftsfähig sein kann, die nationalstaatlich gedacht wird. Insofern wird das neue Rollenverständnis der Geistes- und Kulturwissenschaften auch vitalisieren müssen, was zu lange abgelebt schien: den Begriff des Politischen.
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- Datum 26.01.2007 - 10:43 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 25.01.2007 Nr. 05
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Hier können die Geisteswissenschaften anfangen:
- bei der Redefreiheit zum Thema Holocaust
Damit dürfte man die nächsten Jahre zubringen. Viel Spaß dabei, Geist in die Wissenschaft zu bringen!
Was der Artikel beschreibt, ist bislang vor allem eine Vision: Geisteswissenschaften, die sich mit den wirklichen Problemen der wirklichen Welt beschäftigen und ihrer Arbeit Tatsachen zugrundelegen.
Daran fehlt es in weiten Teilen. Zu den drängenden Fragen der Organisation einer funktionierenden Gesellschaft tragen die geisteswissenschaftlichen Fakultäten erschreckend wenig bei. Bestenfalls beschäftigen sie sich man in einer Doktorarbeit mit Einzelaspekten.
Wieviele Politik- oder Geschichtsprofessoren haben Vorschläge zur Föderalismusreform? Wieviele Sozialwissenschaftler melden sich lautstark zu Wort, wenn es um Fragen der Einwanderung geht? Warum wurde das offensichtliche Problem der demographischen Alterung nicht schon vor Jahrzehnten zu einem beherrschenden Thema? Warum ist es heute der Physikprofessor Adrian, der zu unseren verquerten Renten- und Sozialsystemen mehr zu sagen hat als sämtliche Sozialwissenschaftler?
Nun, vielleicht ist es sogar gut so. Der Autor schreibt, die Geisteswissenschaften sollten Ideen und Kommentare produzieren. Aber zwischen begründeten und unbegründeten Vermutungen zu unterscheiden, fundierte und unfundierte Meinungen auseinanderzuhalten, haben sie oft nicht gelernt. Sie beurteilen eine Theorie nach ihrer Schönheit, ihrer vermeintlichen Nützlichkeit oder ihrer Kompatibilätät mit dem eigenen Weltbild. Die ganze Neocon-Bewegung in den USA beruht auf so einer Basis und ist eigentlich Ausfluß vieler Zeitungskommentatoren - Leitartikel-Politik. Bush hat vorgeführt, wie man sich die Fakten zurechtbiegen kann, wie man die Indizien für die eigenen Meinung erfolgreich aufbauscht (Massenvernichtungswaffen im Irak) und es noch nicht einmal merkt. Auf genau derselben Basis beruht die hartnäckige Dominanz linkssozialistischen Gedankengutes unter den deutschen Intellektuellen - oder die Forschungen der Nazis über die 'rassisch minderwertige' Völker.
Nicht selten beschäftigen sich die Geisteswissenschaften hauptsächlich mit sich selbst. Warum haben hauptberufliche Germanisten (deren viel weitergehende Vorschläge ständig abgebügelt werden mußten) bei der Rechtschreibreform so erschreckend versagt und grundlegende Aspekte überhaupt nicht beachtet (vor allem den, daß Rechtschreibung für den Leser gedacht ist, nicht für den Schreiber)?
Von meiner Schwester, die Germanistik studiert hat, habe ich eine nette Anekdote. Sie hat mir mal ein Buch gezeigt, mit dem in ihrer Vorlesung gearbeitet wurde. Es war in weiten Teilen unverständlich und bestand aus seitenlangen Schachtelsätzen voller seltsamer Fremdwörder. Eine Fachsprache? Dann müßten diese Wortkonstruktionen dazu dienen, komplexe Sachverhalte auf den Punkt zu bringen - jeder Fachbegriff müßte beim Experten Assoziationen auslösen, die weit umfangreicher sind, als wenn er denselben Gedanken umgangssprachlich ausdrücken würde. Das Gegenteil war der Fall. Wir haben uns bemüht, eine Seite des Buches zu entziffern: die eigentliche Aussage ließ sich in einem einzigen (relativ kurzen) Satz zusammenfassen und war ausgesprochen banal. Sie war einfach aufgebläht worden, nach dem Muster 'das Hybris-Phänomen dezidiert konstitutiv den Kasus der Dekadenz-Katastrophe'. Klingt doch viel gelehrter als 'Hochmut kommt vor dem Fall'!
Der Auslöser des Ganzen war gewesen, daß eine Studentin im Seminar aufgestanden war und die Frage nach dem Sinn dieser Sprache gestellt hatte: 'Was soll das eigentlich bedeuten?' Die Antwort des Dozenten: 'Sie mit ihrem begrenzten Intellekt können das gar nicht erfassen.' In diesem Seminar hat kein Student irgendetwas gelernt; erfolgreich war, wer es schlußendlich schaffte, in einer sinnentleerten Kunstprache intellektuell klindende Worthülsen auszutauschen und sich so den ANSCHEIN geistiger Überlegenheit zu geben.
Natürlich kann man das nicht verallgemeinern. Es zeigt aber eine von mehreren Tendenzen der Geiseswissenschaft. Eine andere ist das konsequente Ignorieren mißliebiger Tatsachen. Noch heute arbeiten manche Zweige der Psychologie mit Denkmustern von Freud, obwohl dessen theoretische Ansätze (etwa der Ödipuskomplex) aus Vermutungen hergeleitet wurden, die sich längst als falsch erwiesen haben (daß etwa der Mensch von Natur aus in isolierten Kleinfamilien aufwachse). Weite Teile der Sozialwissenschaften haben politisch unkorrekte Ergebnisse der Naturwissenschaften - etwa der Hirnforschung, der Genealogie, der Evolutionsbiologie, der Medizin (zB. Wirkung von Hormonen), aber auch ihrer eigenen Disziplin wie z.B. in der Intelligenzforschung - konsequent ignoriert und tun es bis heute. Statt dessen sind viele Theoriegebäude (ganz ähnlich wie bei Freud) auf Mutmaßungen aufgebaut, auf logisch erscheinende Ableitungen, die in Wahrheit bloße Spekulationen und weitgehend unabhängig davon sind, ob auch nur die Ausgangsbasis empirisch längst widerlegt ist. Betrachtet man Studien aus diese Sektor, so fällt häufig auf, daß schon einfachste wissenschaftliche Grundbegriffe mißachtet werden (insb. Korrelationen mit Ursache-Wirkungs-.Beziehungen gleichgesetzt werden, wobei man sich immer die Korrelation heraussucht, die zur vorgegebenen Theorie am besten paßt).
PISA ist ein gutes Beispiel: die offiziellen Auswertungen der Daten in Deutschland sind alle von der Prämisse bestimmt, Unterschiede zu anderen Ländern wären am Schulsystem festzumachen. Niemand redet davon, daß man das Ganze auch als großen Intelligenztest auffassen kann. Es geht nicht darum, ob diese Interpretation richtig ist. Traurig ist, daß sie unter den Pädagogen gar nicht debattiert, nicht getestet, nicht offen angedacht wird, obgleich sie - angesichts der Fragenstruktur von PISA - sehr naheliegt.
Wohlgemerkt: es gibt natürlich viele gute und nützliche Ergebnisse der Geisteswissenschaften. Das Dumme ist nur, daß die Geisteswissenschaften häufig davon ausgehen, daß eine Theorie so wertvoll sei wie die andere. Gut gemachte Spekulationen darüber, wie die Welt funktionieren KÖNNTE oder gar SOLLTE, gelten praktisch als ebenso wertvoll wie Forschung darüber, wie sie IST. Man kann doch verschiedener Meinung sein, oder? In den Naturwissenschaften ist man gewohnt, Widersprüche aufzuheben - wenn sich zwei 'Schulen' widersprechen, dann muß eine Klärung her. In den Geisteswissenschaften können sie fröhlich nebeneinander existieren, weil sich Theorien meist nicht 'beweisen' lassen. Man kann nur Indizien sammeln (siehe Korrelationen!), und jeder ist frei, diese nach Belieben zu bewerten. So bilden sich oft Mainstream-Meinungen, die weniger der empirischen Basis als dem Zeitgeist ihrer Verfechter entsprechen.
Ein kleines Beispiel aus meinem eigenen Fach: die Naturrechtslehre, die behauptet, daß das Anerkennen bestimmter Rechtsgüter (etwa des Rechts auf Leben für alle Menschen) dem Menschen von Natur aus angeboren sei. Sie ist in weitgehend akzeptiert, obgleich es nicht den geringsten empirischen Beweis dafür gibt - im Gegenteil. Letztlich wird aus der Beobachtung, daß es in allen Kulturen als unfein gilt, seinen Vetter zu töten, extrapoliert, das Tötungsverbot sei nicht nur angeboren, sondern gelte auch automatisch für jeden Menschen, gleich welcher Herkunft er ist, wie er aussieht, welchem Stamm er angehört etc. Stütze dieser Argumentation: das sei doch vernünftig. So wird ausgeblendet, daß die Menschenrechte in Wahrheit ein rein weltanschauliches Konzept sind, das man eben nicht einfach voraussetzen kann, sondern von dem man andere Leute und Kulturen aktiv überzeugen muß. Versäumt man das, dann ergeht es einem wie den Amerikanern im Irak.
Sie schreiben: 'Sowie sich jeder für einen Psychologen hält, für einen Politiker oder Wirtschaftler hält, halten viele Ethik, Logik oder Kulturentwicklungen für banal...' Ich übersetze: was wir (die Geisteswissenschaftler) tun, ist so kompex und hochgeistig, daß Ihr anderen die Tiefe unserer Gedanken einfach nicht durchschaut.
Ich sehe das anders. Mir kommen diese Dinge keineswegs banal vor. Aber ich werde das Gefühl nicht los, daß Geisteswissenschaftler viel zu wenig Wert darauf legen, ihre Theoriegebäude auf das Fundament der Wirklichkeit zu stellen.
Zunächst einmal sollte man vielleicht definieren, was unter Geisteswissenschaften zu verstehen ist. Mir geht es hier weniger um Wissenschafttheorie und Logik - deren Berechtigung bestreite ich keineswegs. Es sind vielmehr gerade jene Geisteswissenschaften, die für sich in Anspruch nehmen, zu wissen, wie die Welt funktioniert und gestaltet werden sollte. Etwa Sozialwissenschaften, Pädagogen und Psychologen. Richtig, letztere erlebten eine Krise - jedenfalls, soweit sie sich der Heilung seelischer 'Defekte' verschrieben haben. Dennoch behandeln sie Menschen auf Krankenschein. Seltsam, nicht?
Auch Wirtschaftswissenschaft zähle ich zum erweiterten Kreis der Geisteswissenschaften. Sie sind eigentlich Sozialwissenschaftler eines bestimmten Teilgebiets. An sich wäre beider vornehmnste Aufgabe die Überprüfung ihrer Modelle anhand der Wirklichkeit. Lesen Sie 'freaconomics', und Sie wissen, was ich meine. Gerade daran aber, an der statistischen Ausbildung, an der Weitsicht und Befähigung, relevante Faktoren als solche zu erkennen und auf ihre Wirksamkeit zu untersuchen, fehlt es allzu häufig. Der Großteil aller Studenten quält sich durch die statistischen Fächer, haßt das eigentlice wissenschaftliche Handerkszeug seiner Disziplin.
Gewiß, es gibt auch unter den Geisteswissenschaftlern kompetente Denker. Aber die Ausbildung ist nicht gerade dazu angetan, diese herauszufiltern.
Natürlich gibt es Schnittpunkte zwischen Natur- und Geisteswissenschaften. Daß die moderne theoretische Pyhsik bisweilen esoterische Züge trägt, liegt daran, daß sie an genau so einem Schnittpunkt liegt. Aber es ist ja nun nicht jeder Physiker in diesem speziellen Bereich zu verorten.
Sie werfen in Ihrem Kommentar viele Dinge durcheinander. Auch ein Einstein oder Hawking gibt nicht nur Weisheiten von sich - so what? Dasselbe galt für Goethe. Es war schon immer so, daß auch durchschnittliche Äußerungen von jemand, der als Geistesgröße gerühmt wird, mehr Gehör finden.
Das liegt nicht zuletzt daran, daß sie - auch wenn sie irren - stringenter denken. Daß sie sich bewußt sind, wann sie reflektieren und wann sie spekulieren. Hofstaedters Buch 'Gödel, Escher, Bach' ist ein hervorragendes Beispiel dafür. Kein mir bekannter Geisteswissenschaftler hätte dieses Buch schreiben können - mangels Kenntnissen und wegen methodischer Defizite, wie ich behaupte. Sie schreiben, viele Journalisten seien Geisteswissenschaftler aus Literaturwissenschaft und Germanistik. Das mag erklären, warum die Presse so willfährig der sog. Rechtshreibreform den Weg ebnete. Aber wirkt sich das wirklich positiv auf den heutigen Journalismus aus? Wie groß ist die Fähigkeit dieser Journalisten, analytisch zu denken und den Mainstream zu hinterfragen? Merken wird die Worthülsenproduktion nicht allethalben?
Ihre Behauptung, der 'im Kommentar genannte' Prof. Adrian rede außerhalb seines Fachgebietes - also zur Demographie - 'leicht widerlegbar, allenfalls aufwieglerisch', zeigt mir die ganze typische Arroganz des vermeintlich Intellektuellen. Welche seiner zentralen Thesen können Sie 'leicht' widerlegen? Tun sie es hier, an dieser Stelle! Wenn es leicht ist, wird es ja schnell gehen, oder?
Was 'Fachwörter' anbelangt: den Nachweis, daß ihre Fachsprache wirklich der Kompexität der Materie geschuldet ist, bleiben gewissen Teile der Geisteswissenschaften gerade schuldig. Gewisse, nicht alle! Wenn ich einen Mediziner oder Juristen bitte, mir sein Fachchinesisch zu übersetzen, so ist er dazu imstande. Das ist der Lackmustest, an dem manche Fachrichtungen leider häufig scheitern.
Ein besonders krasses Beispiel ist der Kulturbetrieb - die Sprache, mit der Kunst beschrieben wird. Bis heute hat kein Kunstkritier auch nur versucht, Ephraim Kishon - immerhin diplomierter Kunsthistoriker - zu widerlegen, der in zwei Büchern ('Picasso war kein Scharlatan' und 'Picassos süße Rache') diese Sprache als reine Showveranstaltung geißelt. Statt dessen hagelte es Häme, die genau demselben Muster enspricht, wie ich es in der Anekdote (s. Vorkommentar) beschrieb: 'Mit eurem begrenzten Intellekt könnt Ihr das gar nicht erfassen.' Seltsam nur, daß der durchschnittliche IQ von Physik- und Mathematikstudenten deutlich höher ist als in sämtlichen Geisteswissenschaften.
_Alle_ Wissenschaften haben einen hoch elitaeren Anspruch. Im _Forschungsbetrieb_.
Was aber die Naturwissenschaften von den Geisteswissenschaften m. Mng. nach unterscheidet ist die Bereitschaft, die Ergebnisse des Forschungsbetriebes fuer Nicht-Forscher - oder Forscher aus anderen Bereichen - zu kommunizieren. Das beste Beispiel sind Einsteins Artikel zur Relativitaetstheorie - die fundamentalen Artikel kann ein Student im Vordiplom problemlos nachvollziehen, und das ohne zusaetzliche Erklaerungen. Er hat sie vielleicht nicht allein erfunden, aber er hat sie praktisch im Alleingang erklaert.
Die fundamentalen Artikel zur Quantentheorie waren nicht so sauber formuliert (auch weil den Physikern damals die mathematischen Hilfsmittel weitgehend unbekannt waren).
Da haben sich dann spaeter exzellente Leute (Feynman, Bohr, Sommerfeld, Einstein, usw.) hingesetzt und versucht, klarere und auch verstaendlichere Deutungen (nicht notwendigerweise dasselbe) zu finden. Obwohl sie alle selbst noch aktive Forscher waren.
Ein meiner Professoren hat mal zu mir gemeint 'Wir haben Luegen fuer Kinder, Luegen fuer Journalisten, Luegen fuer Studenten und Luegen fuer Fachfremde. Aber wir bemuehen uns darum, dass es _gute_ Luegen sind.'
Ein anderer drueckte es kuerzer aus:
'Karikaturen sind verstaendlicher als Oelgemaelde'.
So eine aehnliche Tradition bei den Geisteswissenschaften existiert, ist sie mir bisher noch nicht begegnet. Als ich mal z.B. eine Vorlesung ueber Hegels 'Phaenomenologie des Geistes' besuchte, gab ich recht schnell auf - warum muss man so etwas im Stil einer Exegese des (grauenhaft formulierten) Quelltextes betreiben? Sind Geisteswissenschaftler nicht in der Lage (oder willens), einfach die Ideen und Gedankengaenge darzustellen?
Noch der Vollstaendigkeit halber:
Den Determinismus haben wir Physiker nicht 'einfach angekreidet', wir haben sehr, sehr viele Experimente zu diesem Thema ersonnen und durchgefuehrt. Das Ergebnis gefaellt uns selbst nicht so ganz, aber die Welt ist eben so.
Die 'Chaostheorie' ist in keinster Weise gescheitert, sie hat nur ein paar Mal den Namen gewechselt. Untersuchungen an gekoppelten Systemen, Synchronisierung solcher Systeme, usw. usf. sind aktuelle Forschungsfelder.
Mit Ergebnissen, die allerdings meist nicht revolutionaer sind (und die Oeffentlichekit also nicht sonderlich interessieren), sondern eher 'nur' technische Anwendungen finden. Und interessante und recht unterhaltsame Mathematik nutzen. Aber das veraendert unser Weltbild auch nicht fundamental.
Was die Stringtheorie angeht haben sie allerdings weitgehend recht. Diese Fehlentwicklung wird sich aber - Vorsicht, Kristallkugel! - wahrscheinlich in den naechsten Jahren korrigieren.
Besonders für eine bildungsbürgerliche Zeitung ist jenes Thema erheblich, schon richtig. Die Kommentare finde ich allerdings trivial. Also will man sagen, die Geisteswiss. sind sinnlos und wirklichkeitsfern?
Ja, es stimmt, die Geisteswiss. haben einen hochelitären Anspruch, weil sich eine gewisse Distanz zur Gesellschaft oder hochaktuellen Thematik bewährt hat. Dass viele daraus eine Lebenseinstellung kultivieren, sie es nicht nur ihrer misantrophischen Vorbilder übernehmen, kann man ihnen nicht einmal an-kritisieren. Es ist auch keinefalls so, als ob Terrorismus, Demographie, Bioethik und wer-weiß-noch-alles, unberücksichtigt blieben. Im Gegenteil widmen sich ganze Scharen von phil. oder kult. Professoren Kommunikation und Terrorismus oder Physik oder Psychologie, also nicht mehr nur Wissenschaftstheorie oder Logik. Immerhin erheben alle Teilwiss. gewaltige Ansprüche, und die gilt es zu untersuchen.
Und wie bereits im Artikel angedeutet, wurden viele Fragen vor fünfzig Jahren erarbeitet. Dass sie, anders als 'Kommunikation' oder 'Moderne Logik', nicht in den allgemeinen Konsens übergegangen sind, hat jedoch - ganz wichtig - viele Gründe. Oder fällt nicht auf, wie zurückhaltend die Psychologie geworden ist? Sie erlebt seit den Sechzigern, allen voran Foucaults Arbeiten, eine Krise. Oder die Physik? Die modernen Alleskönner scheinen für viele Menschen Physiker geworden zu sein. Dabei ist vieles, was sie außerhalb ihrer Disziplin zum besten geben, zum Beispiel Hawking, Einstein oder der im Kommentar genannte, leicht widerlegbar, allenfalls aufwieglerisch. Oder was soll man von einer Super-Stringtheorie halten, die sich zunehmend mit sich selbst beschäftigt? Eine Quantentheorie, die empirisch dazu neigt den Determinismus 'bis auf weiteres' anzukreiden? Eine Neurowissenschaft, die glaubt, wie so viele Bio-Techniker (also auch Ärzte, Chirurgen), ein schaffendes Abstraktum (metaphys.) wie Liebe oder Staat existiere gar nicht? Von einer Mode-Chaostheorie, die eine genaue Untersuchung nicht standhielt ganz zu schweigen. Techniker kommen derweil sogar auf die Netzwerktheorie, womit sie alles Soziologische definieren wollen. Diese Theorien sind ja nicht nur methodisch anfällig, sie neigen zu Generalismen, mit einer Halbwertszeit von fünfzehn Jahren, und sind ihrer Verwandtschaft zu viel älteren Theorien gar nicht so revolutionär wie sie scheinen. Wenn man also marketing-gewohnt Generalisten suchte, fände man sie - ganz richtig - in den Populär- oder Quasiwissenschaften am leichtesten. Oder glaubt man, dass Wirtschaftswiss. neue Theorien entwickeln? Sind viele terroristische Themen nicht bereits beantwortet, nur nicht bloß unfassbar oder in den polit. Konsens übergegangen?
Natürlich existieren Phil. wie Kulturwiss. - Sloterdijk, Agamben, Zizek: um drei zu nennen -, die aus jener Wirkleichtsferne heraus sich der Gegenwart im besonderen widmen. Dass sie ihrer bis auf viele Anmaßungen und Wendungen unsinnigen Theorien, aber hübsche Kommentare zu Terrorismus, Demographie oder Bioethik belächelt werden, kostet sie ihre Bedeutung in hundert Jahren. Immerhin etwas, worauf viele spekulieren.
Die Unmissverständlichkeit der Arbeiten hat ebenso viele Gründe. Zum einem wird die Materie unterschätzt. Sowie sich jeder für einen Psychologen hält, für einen Politiker oder Wirtschaftler hält, halten viele Ethik, Logik oder Kulturentwicklungen für banal oder weniger Sätze entsprechend, also den ganzen wiss. Apparat für überflüssig. Warum soll man Fachwörter anwenden, wenn es so klar ist? Dabei sie sich vermutlich nie ernsthaft mit Geisteswiss. oder Kultur, außer durch Fernsehen, Zeitung, Zusammenfassungen oder Stammtische, auseinandersetzten. Oder glaubt man ernsthaft, dass man vor hunderfünfzig Jahren ein solches Sprach- wie Zeichen- wie Logikverständnis wie heute hatte, und dieses mit wenigen Sätzen gesagt sei? Oder dass Einstein den Super-Relativismus selbst erfunden hat?
Das ist angesichts eines gewissen Wissens oft gar nicht anders als durch Seufzen oder Nicken zu erwidern. Auch mich kostet es etwas Mühe auf diese immer gleichen Einwände einzugehen. Vermutlich herrscht ein zu wirtschaftliches und kurzlebiges wiss. Interesse an Wissenschaften, egal ob vielgepriesene Verheißungen nach zehn Jahren keine Bedeutung haben. Andererseits kann ich persönlich verstehen, wenn geisteswiss. Effizienz kritisiert wird. Viele Professoren verrotten augenscheinlich und bleiben Pädagogen. Leider sind nicht alle Entdeckungen bedeutend. Man kann also einwenden, ob und wie viel Geld nötig sei, um einen Geisteswissenschaftsbetrieb am Leben zu erhalten. Aber so gut geht es den Geisteswiss. wiederum nicht. Jeder, der halbwegs an etwas arbeitet, bangt um Geld, sofern er unbekannt ist.
Was Germanistiker betrifft, also deutsche Literaturwissenschaftler ggf. Sprachwissenschaftler, oder was aus ihnen wird, sei doch bitte auf die Zeitungs-, Magazinvielfalt, auf jene im Artikel genannte Kulturvielfalt hingewiesen. Viele Journalisten rekrutieren sich auf vor allem diese Weise. Erst dadurch haben sie, sind sie nicht autodidaktisch, ein wesentlich höheres Repertoire an Wissen und folglich Perspektiven, folglich - hoffentlich - Artikelvermögen. Was aus jenen vielgenannten Kommunikationswissenschaftlern allerdings inhaltlich wird, frage ich mich schon manchmal.
Was der Artikel beschreibt, ist bislang vor allem eine Vision: Geisteswissenschaften, die sich mit den wirklichen Problemen der wirklichen Welt beschäftigen und ihrer Arbeit Tatsachen zugrundelegen.
Daran fehlt es in weiten Teilen. Zu den drängenden Fragen der Organisation einer funktionierenden Gesellschaft tragen die geisteswissenschaftlichen Fakultäten erschreckend wenig bei. Bestenfalls beschäftigen sie sich man in einer Doktorarbeit mit Einzelaspekten.
Wieviele Politik- oder Geschichtsprofessoren haben Vorschläge zur Föderalismusreform? Wieviele Sozialwissenschaftler melden sich lautstark zu Wort, wenn es um Fragen der Einwanderung geht? Warum wurde das offensichtliche Problem der demographischen Alterung nicht schon vor Jahrzehnten zu einem beherrschenden Thema? Warum ist es heute der Physikprofessor Adrian, der zu unseren verquerten Renten- und Sozialsystemen mehr zu sagen hat als sämtliche Sozialwissenschaftler?
Nun, vielleicht ist es sogar gut so. Der Autor schreibt, die Geisteswissenschaften sollten Ideen und Kommentare produzieren. Aber zwischen begründeten und unbegründeten Vermutungen zu unterscheiden, fundierte und unfundierte Meinungen auseinanderzuhalten, haben sie oft nicht gelernt. Sie beurteilen eine Theorie nach ihrer Schönheit, ihrer vermeintlichen Nützlichkeit oder ihrer Kompatibilätät mit dem eigenen Weltbild. Die ganze Neocon-Bewegung in den USA beruht auf so einer Basis und ist eigentlich Ausfluß vieler Zeitungskommentatoren - Leitartikel-Politik. Bush hat vorgeführt, wie man sich die Fakten zurechtbiegen kann, wie man die Indizien für die eigenen Meinung erfolgreich aufbauscht (Massenvernichtungswaffen im Irak) und es noch nicht einmal merkt. Auf genau derselben Basis beruht die hartnäckige Dominanz linkssozialistischen Gedankengutes unter den deutschen Intellektuellen - oder die Forschungen der Nazis über die 'rassisch minderwertige' Völker.
Nicht selten beschäftigen sich die Geisteswissenschaften hauptsächlich mit sich selbst. Warum haben hauptberufliche Germanisten (deren viel weitergehende Vorschläge ständig abgebügelt werden mußten) bei der Rechtschreibreform so erschreckend versagt und grundlegende Aspekte überhaupt nicht beachtet (vor allem den, daß Rechtschreibung für den Leser gedacht ist, nicht für den Schreiber)?
Von meiner Schwester, die Germanistik studiert hat, habe ich eine nette Anekdote. Sie hat mir mal ein Buch gezeigt, mit dem in ihrer Vorlesung gearbeitet wurde. Es war in weiten Teilen unverständlich und bestand aus seitenlangen Schachtelsätzen voller seltsamer Fremdwörder. Eine Fachsprache? Dann müßten diese Wortkonstruktionen dazu dienen, komplexe Sachverhalte auf den Punkt zu bringen - jeder Fachbegriff müßte beim Experten Assoziationen auslösen, die weit umfangreicher sind, als wenn er denselben Gedanken umgangssprachlich ausdrücken würde. Das Gegenteil war der Fall. Wir haben uns bemüht, eine Seite des Buches zu entziffern: die eigentliche Aussage ließ sich in einem einzigen (relativ kurzen) Satz zusammenfassen und war ausgesprochen banal. Sie war einfach aufgebläht worden, nach dem Muster 'das Hybris-Phänomen dezidiert konstitutiv den Kasus der Dekadenz-Katastrophe'. Klingt doch viel gelehrter als 'Hochmut kommt vor dem Fall'!
Der Auslöser des Ganzen war gewesen, daß eine Studentin im Seminar aufgestanden war und die Frage nach dem Sinn dieser Sprache gestellt hatte: 'Was soll das eigentlich bedeuten?' Die Antwort des Dozenten: 'Sie mit ihrem begrenzten Intellekt können das gar nicht erfassen.' In diesem Seminar hat kein Student irgendetwas gelernt; erfolgreich war, wer es schlußendlich schaffte, in einer sinnentleerten Kunstprache intellektuell klindende Worthülsen auszutauschen und sich so den ANSCHEIN geistiger Überlegenheit zu geben.
Natürlich kann man das nicht verallgemeinern. Es zeigt aber eine von mehreren Tendenzen der Geiseswissenschaft. Eine andere ist das konsequente Ignorieren mißliebiger Tatsachen. Noch heute arbeiten manche Zweige der Psychologie mit Denkmustern von Freud, obwohl dessen theoretische Ansätze (etwa der Ödipuskomplex) aus Vermutungen hergeleitet wurden, die sich längst als falsch erwiesen haben (daß etwa der Mensch von Natur aus in isolierten Kleinfamilien aufwachse). Weite Teile der Sozialwissenschaften haben politisch unkorrekte Ergebnisse der Naturwissenschaften - etwa der Hirnforschung, der Genealogie, der Evolutionsbiologie, der Medizin (zB. Wirkung von Hormonen), aber auch ihrer eigenen Disziplin wie z.B. in der Intelligenzforschung - konsequent ignoriert und tun es bis heute. Statt dessen sind viele Theoriegebäude (ganz ähnlich wie bei Freud) auf Mutmaßungen aufgebaut, auf logisch erscheinende Ableitungen, die in Wahrheit bloße Spekulationen und weitgehend unabhängig davon sind, ob auch nur die Ausgangsbasis empirisch längst widerlegt ist. Betrachtet man Studien aus diese Sektor, so fällt häufig auf, daß schon einfachste wissenschaftliche Grundbegriffe mißachtet werden (insb. Korrelationen mit Ursache-Wirkungs-.Beziehungen gleichgesetzt werden, wobei man sich immer die Korrelation heraussucht, die zur vorgegebenen Theorie am besten paßt).
PISA ist ein gutes Beispiel: die offiziellen Auswertungen der Daten in Deutschland sind alle von der Prämisse bestimmt, Unterschiede zu anderen Ländern wären am Schulsystem festzumachen. Niemand redet davon, daß man das Ganze auch als großen Intelligenztest auffassen kann. Es geht nicht darum, ob diese Interpretation richtig ist. Traurig ist, daß sie unter den Pädagogen gar nicht debattiert, nicht getestet, nicht offen angedacht wird, obgleich sie - angesichts der Fragenstruktur von PISA - sehr naheliegt.
Wohlgemerkt: es gibt natürlich viele gute und nützliche Ergebnisse der Geisteswissenschaften. Das Dumme ist nur, daß die Geisteswissenschaften häufig davon ausgehen, daß eine Theorie so wertvoll sei wie die andere. Gut gemachte Spekulationen darüber, wie die Welt funktionieren KÖNNTE oder gar SOLLTE, gelten praktisch als ebenso wertvoll wie Forschung darüber, wie sie IST. Man kann doch verschiedener Meinung sein, oder? In den Naturwissenschaften ist man gewohnt, Widersprüche aufzuheben - wenn sich zwei 'Schulen' widersprechen, dann muß eine Klärung her. In den Geisteswissenschaften können sie fröhlich nebeneinander existieren, weil sich Theorien meist nicht 'beweisen' lassen. Man kann nur Indizien sammeln (siehe Korrelationen!), und jeder ist frei, diese nach Belieben zu bewerten. So bilden sich oft Mainstream-Meinungen, die weniger der empirischen Basis als dem Zeitgeist ihrer Verfechter entsprechen.
Ein kleines Beispiel aus meinem eigenen Fach: die Naturrechtslehre, die behauptet, daß das Anerkennen bestimmter Rechtsgüter (etwa des Rechts auf Leben für alle Menschen) dem Menschen von Natur aus angeboren sei. Sie ist in weitgehend akzeptiert, obgleich es nicht den geringsten empirischen Beweis dafür gibt - im Gegenteil. Letztlich wird aus der Beobachtung, daß es in allen Kulturen als unfein gilt, seinen Vetter zu töten, extrapoliert, das Tötungsverbot sei nicht nur angeboren, sondern gelte auch automatisch für jeden Menschen, gleich welcher Herkunft er ist, wie er aussieht, welchem Stamm er angehört etc. Stütze dieser Argumentation: das sei doch vernünftig. So wird ausgeblendet, daß die Menschenrechte in Wahrheit ein rein weltanschauliches Konzept sind, das man eben nicht einfach voraussetzen kann, sondern von dem man andere Leute und Kulturen aktiv überzeugen muß. Versäumt man das, dann ergeht es einem wie den Amerikanern im Irak.
Während an den geisteswissenschaftlichen Fakultäten der deutschen Universitäten Zehntausende Soziologen, Psychologen, Historiker usw. zu „Intellektuellen' ausgebildet werden, sinkt die Zahl der Studenten in den naturwissenschaftlichen, technischen und ingenieurwissenschaftlichen Fächern ständig.
Während in diesen volkswirtschaftlich wichtigen Fächern der prozentuale Anteil derjenigen, die in der Lage sind, ein derart anspruchsvolles Studium erfolgreich abzuschließen, geringer wird, erhöhen die geisteswissenschaftlichen Disziplinen ihre Studentenzahlen Jahr für Jahr.
Und sogar der Notendurchschnitt der Studenten wird ständig besser, da die geistigen Anforderungen für eine sehr gute Note ständig heruntergeschraubt werden, ihre Professoren sich aber dadurch einbilden können, auch jedes Jahr besser zu werden.
Was sie aber in Wirklichkeit lehren und ihre Studenten studieren, ist ihre Massenarbeitslosigkeit. Dafür hassen die Intellektuellen die kapitalistische Gesellschaft, die Unternehmer, die Ingenieure und Erfinder und mißtrauen ihnen, und erdenken sich ihrerseits immer neue Visionen einer idealen Gesellschaft, in der alle Menschen zwar gleich sind, die Denker, die selbst nicht produzieren und erfinden, jedoch die Macht haben. Daß diese Gesellschaften bisher immer totalitäre waren, stört die Intellektuellen dabei nicht. Um der aktuellen Arbeitslosigkeit zu entgehen, müssen die Intellektuellen - gemeinsam mit der ebenfalls wachsenden Zahl von Juristen - sich immer neue gesellschaftliche Aufgaben ausdenken, mit der sie dem produktiven Sektor knebeln und Mittel entziehen. Neben der Bewältigung der Vergangenheit, der Kontrolle der politischen Korrektheit, der totalen Gleichschaltung von Frauen und Männern (hat nicht gerade die ZEIT nachgewiesen, dass es nur das „soziale Geschlecht“ gibt?) der Erforschung des Friedens und aller psychischen Probleme sind es nicht nur die Gefahren der Gentechnik, sondern die Gefahren jedweder Technik und Veränderung, die nach der Gründung von Vereinen, Stiftungen, Kuratorien, Kommissionen und Lehrstühlen rufen, die sich gegenseitig in ihrer Wichtigkeit als Bedenkenträger bestätigen.
Besonders begehrt sind Dauerarbeitsplätze im Öffentlichen Dienst und Abgeordnetenmandante. Von dort aus läßt sich die bürokratische Hemmung jedweden unternehmerischen und wissenschaftlichen Fortschritts am besten betreiben.
Nur der Kapitalismus kann sich bisher leisten, ein akademisches Proletariat in wachsender Zahl auszubilden.. Aber wie lange noch, ohne dass die gesamtwirtschaftlichen Schäden dieser Entwicklung offensichtlich sind und kaum noch zu reparieren? Denn die Zahl der Studenten pro Professor wird immer größer, weil eben auch das nicht mehr wie bisher vom produktiven Sektor bezahlt werden kann. Und die Hälfte dieser Akademikerinnen bleibt kinderlos, und verläßt sich auch in diesem Punkte auf die anderen. Während früher der Adel die überzähligen Töchter ins Kloster schickte, wo sie kinderlos blieben, schickt man sie heute zu einem Studium.
Dort geht es zwar nicht wie in einem Kloster zu, der biologische Effekt für die Nachwelt ist aber der gleiche.
Kann man nachlesen hier:
[Bitte haben Sie Verständnis, dass wir nicht alle Links auf ihre Inhalte hin prüfen können]
Wenn selbst Geisteswissenschaftler beim Schoppen von 'wir' sprechen, den Menschen also klassifizieren und sich selbst abgrenzen von 'Anderen', dann haben 'die' ihre eigentliche Aufgabe nicht verstanden.
Ziel der Geisteswissenschaften sollte es nicht sein, sich 'unbefleckt' zu halten, also ethisch indifferent oder abstrakt objektiv zu sein, sondern ein Wertesystem zu entwerfen, dessen Struktur gleichermassen auf strenger Logik wie auf Humanität aufgebaut ist, und das in der Lage ist, selbst geborenen Skeptikern spirituellen Halt zu vermitteln.
Hätte man eine solche realistische Anschauung der Wirklichkeit bereits, dann würden viele menschliche Fehler und innere Konflikte gar nicht erst entstehen.
Jedes tradierte Wertesystem muss sich veränderten Bedingungen anpassen in dem Sinne, dass es aufgeschlossen ist gegenüber neu gewonnenen Erkenntnissen aus der Wissenschaft.
Mit monotheistischen Religionen ist das sehr schwierig, weil ihr Konzept den 'Glauben' zur Voraussetzung hat.
Aber es gibt eine jahrtausendealte Denktradition, die davon relativ unbelastet ist, und die sollte man nutzen.
Nur dadurch, dass man das tut, ist es möglich, dass die Geisteswissenschaft einen positiven Einfluss auf andere Gebiete ausübt (speziell der Pädagogik, der Psychologie, der Ökonomie und -logie).
Unser westliches 'Individualprinzip' hat wirklich viele Vorzüge, vor allem die Kultivierung des kritischen Denkens - aber das alleine genügt nicht mehr.
Geistig befinden wir uns noch in der Zeit der 'Aufklärung' - und das ist kein Kompliment.
Lebenssinn und eine tiefere Erkenntnis um das Sein des Menschen lässt sich nicht erschliessen durch eine exzessive Ausweitung der Handels- und Warenströme.
Das berufliche Sich-Spezialisieren ist sicher notwendig für eine arbeitsteilige Wirtschaft, aber es fehlt der geistige Überbau, ohne den eine Gesellschaft zunehmend verroht.
Deshalb empfiehlt sich für die heutige Zeit (und vielleicht für den Rest der Geschichte) eine Fusion aus westlicher und östlicher Tradition (eher die des Fernen Ostens, als des Nahen).
Der starr und leblos gewordene Begriff des 'Individuums' sollte aufgebrochen werden zugunsten einer umfassenderen Denke (eines Eins-Denkens), das eher den Bedürfnissen der Menschen, aber auch den Erkenntnissen aus der Wissenschaft entspricht.
Wenn wir die Entwicklung eines solchen Wertesystems weiter zurückweisen, dann werden andere die Lücke schliessen, die weniger Wert auf Toleranz legen.
Instinktiv wird diese Gefahr schon von vielen Menschen verspürt, und deshalb gibt es auch eine zunehmende Diskussion über den Mangel an Spiritualität, den Mangel an Gemeinsinn.
Die Folgen davon sind Überlegungen über Schuluniformen, bessere Erziehung, oder eine Rückbesinnung auf bekannte Glaubensmuster.
Aber das greift alles zu kurz, denn blosse äussere Veränderungen (oder schlichte religiöse Nostalgie) sind zu wenig 'glaubwürdig', weil zu wenig tiefgreifend und wissensbasiert.
Die Welt des Menschen beginnt im Kopf.
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