Springe Die monumentale Glühbirne, die sie zum Gedenken an die bahnbrechende Erfindung errichteten, strahlt weit ins Tal. Sie haben ihm ein Denkmal gesetzt, eine Realschule nach ihm benannt, dafür gesorgt, dass sein Name im Brockhaus auftauchte. Er war einer, zu dem sie aufblickten.

Ein Idol. Und jetzt soll der Mann plötzlich ein Hochstapler gewesen sein?

Die Bürger der niedersächsischen Stadt Springe stehen vor einem Scherbenhaufen. Heinrich Göbel, geboren 1818 in Springe am Deister, gestorben 1893 in New York, wird die Ehre streitig gemacht, als Erfinder der Glühbirne zu gelten. Ausgerechnet der in Springe ansässige zu Klampen Verlag bringt dieser Tage ein Buch heraus, das den Sohn der Stadt als Schwindler entzaubert: Die Göbel-Legende. Autor Hans-Christian Rohde, Gymnasiallehrer in Springe, kommt zu dem plausiblen und außerhalb Springes wenig überraschenden Ergebnis, dass ausschließlich Thomas A. Edison die Erfinderehre gebührt.

Nicht ohne Erfolg hatte der Tüftler Göbel einst vor amerikanischen Gerichten geltend gemacht, dass er bereits 1854 aus einer Kölnischwasser-Flasche die erste Glühbirne geschaffen habe, während Edison sein berühmtes Patent erst 1879 beantragte. Allen Zweifeln zum Trotz wurde Göbel seither in seinem Heimatland als Verkörperung deutscher Ingenieurskunst gefeiert besonders während der NS-Zeit.

2004 bachte die Post zum 150-jährigen Jubiläum seiner angeblichen Erfindung eine Göbel-Briefmarke heraus. Eine Internet-Präsentation der Bundesregierung zählt ihn noch heute zu den ganz Großen unter den Erfindern.

Jetzt muss neu nachgedacht werden. In Springe laufen die einen Sturm gegen das Buch, die andern gegen die Stadtvorderen. » Es gibt schon Stimmen, die sagen, wir müssen hier alles umkrempeln«, sagt Bürgermeister Jörg-Roger Hische. Ihm geht das zu weit. » Vielleicht können wir unsere große Glühbirne einfach umwidmen.« Immerhin habe Göbel Leuchtenfabrikanten wie Philips veranlasst, sich in Springe anzusiedeln. Legende hin oder her.