Heiligendamm Zaun im Gespräch

Bernd Fischer, 52, vom Tourismusverband Mecklenburg- Vorpommern, findet die Absperrungen in Heiligendamm attraktiv

Letztes Jahr warb Deutschland mit dem Slogan »Die Welt zu Gast bei Freunden«. Der zwölf Kilometer lange Zaun um das Hotel Kempinski in Heiligendamm, der gerade zum Schutz der Teilnehmer des G8-Gipfels im Juni aufgestellt wird, wirkt eher wie die Vorbereitung auf einen Bürgerkrieg.

Unser Zaun wird der bekannteste der Welt sein. Weltweit kommen Zäune in Mode. Ob an der Grenze der USA zu Mexiko oder zwischen Israel und dem Westjordanland – die Weltlage ist so, dass wir nicht mehr ohne Mauern auskommen. Der Zaun ist damit ein Zeichen unserer Zeit.

Setzen Sie auf Ostalgie in Erinnerung an die Zonengrenze, oder wollen Sie diesen Zaun ernsthaft als Touristenattraktion vermarkten?

Ich sehe das so: Es wird bei den Leuten ankommen, dass es bei uns in Mecklenburg-Vorpommern die Infrastruktur für einen solchen Gipfel gibt und dass wir mit einer Veranstaltung dieser Dimension fertig werden. Danach folgen vielleicht weitere Tagungen, etwa der Japan-EU-Gipfel. Wir nutzen das G8-Treffen als Chance, um uns für Großereignisse anzubieten. Wir wollen die Mitgliederversammlung des Verbandes der Internationalen Busreiseveranstalter im Jahr 2009 hierherholen und im gleichen Jahr den German Travel Mart der Deutschen Zentrale für Tourismus. Deshalb laden wir internationale Zeitungen zu Pressereisen ein – und die schreiben jetzt endlich, dass es uns überhaupt gibt. Zum Beispiel hat die auflagenstärkste Zeitung in Japan gerade eine Viertelseite über uns gebracht.

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Mit Baukosten von zwölf Millionen Euro ist der Zaun ein teures Vergnügen, das Mecklenburg-Vorpommern mit einem Nachtragshaushalt finanzieren muss.

Natürlich. Nur war Deutschland jetzt als Ausrichter einfach dran, und die Kollegen aus den anderen Bundesländern wollten nicht schon wieder zahlen. Der Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein hat ja kürzlich erst gesagt: »Dann kommt doch zu uns.« Da wurde er aber von seinen Leuten ganz schnell zurückgepfiffen. Die Staatschefs hätten sich sicher auch günstiger auf einem Flugzeugträger treffen können. Nur diese Diskussion hätte man vor drei Jahren führen müssen. Der Gipfel wird stattfinden, und wir reagieren pragmatisch darauf.

Sie erwarten also Zaun-Gäste?

Die haben wir jetzt schon. Da werden im Sommer sicher noch viel mehr kommen und vielleicht die Region für sich entdecken. Im Übrigen sind wir nicht einseitig. Gemeinsam mit den NGOs, also den nichtstaatlichen Organisationen, bringen wir eine Broschüre über die Region zwischen Wismar und Rostock heraus mit Stadtplänen, Hotelverzeichnissen, Taxi- und Notrufnummern.

Wollen Sie die auch den Demonstranten in die Hand geben?

Natürlich. Wir gehen davon aus, dass 98 Prozent der Demonstranten friedlich bleiben. Die sind selbstverständlich als Gäste gerne gesehen. Wir werden ihnen als Dienstleister alle uns mögliche Hilfestellung geben. Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist 1989/90 hart erkämpft worden. Das sollte man auch so akzeptieren.

Wenn der Zaun zum Wahrzeichen Mecklenburg-Vorpommerns wird, dann lassen Sie ihn doch sicher stehen?

So weit reicht die Liebe dann wohl doch nicht. Sobald der Gipfel vorbei ist, wird der Zaun wieder abgebaut – darüber besteht Konsens.

Interview: Martin Wein

 
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Das ist doch ein ganz großer Wahnsinn. Da wird ein umstrittenes, von der Mehrheit der Bevölkerung kritisiertes Treffen abgehalten, und ein Zaun aufgestellt, welcher Millionen Euro verschluckt. Und wer zahlt das schnell vergängliche Projekt ? Natürlich der einzelne Bürger, ob er will oder nicht. Wurde der einzelne Bürger danach überhaupt gefragt. Nein natürlich nicht, denn der einzelne Bürger wird beherrscht, Fremdbestimmt. Und der Politiker des Landes Mecklenburg-Vorpommerns denkt bei der ganzen Aktion auch nur an seinen Nutzen, den er aus dieser schmutzigen Angelegenheit ziehen kann. Die unstillbare Profitgier verschmutzt den Geist des Menschen. Und was lernen wir aus der ganzen Sache?
    Wir müssen den Teil hinter uns lassen, der stets in allem den Nutzen sucht!!!

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