Kurnaz Guantánamo-Gate
Ehemalige Mitarbeiter des Kanzleramtes versuchen, die Einreisesperre für Murat Kurnaz zu rechtfertigen. Doch der Skandal bleibt.
Dem Außenminister ist immerhin zugutezuhalten, dass er sich in der Affäre Murat Kurnaz konsequent verhält. Nach allem, was bisher bekannt ist, hat Frank-Walter Steinmeier (SPD) vier Jahre lang unbeirrt an der Fehlentscheidung festgehalten, den in Bremen aufgewachsenen Türken im Stich zu lassen, nachdem dieser Anfang 2002 ins US-Internierungslager Guantánamo verschleppt worden war. Aber vielleicht ist ja bisher nicht alles bekannt. Vielleicht gab es Gründe für den damaligen Kanzleramtschef Steinmeier, die Rückkehr von Kurnaz zu verhindern – Gründe, die sich bislang einfach niemand vorstellen kann. Entsprechend gespannt wartet nicht nur Murat Kurnaz auf eine Erklärung Steinmeiers, sondern mittlerweile das ganze Land. Doch Steinmeier sagt, der »Respekt« gebiete es, sich vorerst öffentlich nicht näher zu der Sache zu äußern. Erst vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss wolle er dies tun. Setzt Steinmeier wieder auf Zeit, also darauf, dass sich die Sache Kurnaz damit von selbst erledigt?
Viel spricht dafür, dass Steinmeier und seine damaligen Mitarbeiter im Kanzleramt genau dies von Anfang an gehofft haben. Von dem Moment an, als sie erfuhren, ein »Bremer Taliban« sei in das Gefangenenlager auf Kuba gebracht worden.
Die Affäre nimmt ihren Lauf am 9. Januar 2002. An diesem Tag unterrichtet der Bundesnachrichtendienst (BND) das Bundeskanzleramt, US-Soldaten hielten im afghanischen Kandahar den aus Bremen stammenden, 19 Jahre alten Murat Kurnaz gefangen. Pakistanische Sicherheitskräfte hatten den Teenager in Pakistan aufgegriffen und gegen ein Kopfgeld den Amerikanern übergeben. »M.K. solle noch im Verlauf der Woche nach Guantanamo überstellt werden«, hält ein geheimer Regierungsbericht fest. Zwei Wochen später kommt die Nachricht aus Afghanistan: »Verbringung nach Guantanamo werde vorbereitet. Es bestehe ein Angebot, M.K. zu befragen.« Für Ernst Uhrlau, den damaligen Geheimdienstkoordinator und heutigen BND-Präsidenten, ist das eine verlockende Vorstellung, denn deutsche Geheimdienstler verdächtigen Kurnaz, Mitglied einer islamistischen Gruppierung zu sein. Uhrlau plädiert dafür, BND-Mitarbeiter nach Kuba zu schicken, sobald sich die Gelegenheit ergebe.
In den kommenden Monaten bemühen sich deutsche Diplomaten und Geheimdienstler gegenüber der US-Regierung nach allen Regeln der Kunst darum, den türkischen Staatsbürger Kurnaz als Deutschen und damit als »ihren« Kunden zu etablieren. Gegenüber Kurnaz’ Mutter, die sich mittlerweile Hilfe suchend an den damaligen Außenminister Joschka Fischer gewandt hatte, teilt das Auswärtige Amt unterdessen mit, konsularische Hilfe für ihren Sohn sei nur »sehr eingeschränkt« möglich – schließlich besitze Murat einen türkischen Pass.
In aller Stille machen sich Ende September 2002 zwei BND-Mitarbeiter und ein Verfassungsschutzbeamter auf den Weg nach Guantánamo. Begleitet werden sie von einem Mitarbeiter der CIA. Zweieinhalb Tage lang befragen die Experten Murat Kurnaz, danach sind sie sich sicher: der »Bremer Taliban« (Bild- Zeitung) ist ein frommer Naivling, der »zur falschen Zeit am falschen Ort war«. Die Dschama‘at Tablighi, deren Koranschulen Kurnaz in Pakistan besuchen wollte, gilt in Gelehrtenkreisen als friedliche missionarische Gruppe. Kurnaz habe nichts mit »Terrorismus, geschweige denn mit al-Qaida« zu tun, teilen die deutschen Guantánamo-Besucher am 2. Oktober 2002 dem Kanzleramt mit. Zum selben Ergebnis kommt rund zwei Jahre später eine US-Richterin, die den Fall Kurnaz als exemplarisch für die Willkür der Terroristenhäscher beschreibt. Weiter berichtet der BND ans Kanzleramt: »Die Bitte des Leiters der Befrager an die US-Seite, Kurnaz möglichst bald freizulassen, wurde offensichtlich positiv aufgenommen.«
Nach zehn Monaten illegaler Haft steht Murat Kurnaz also im Herbst 2002 kurz davor, aus dem tropischen Käfiglager entlassen zu werden. Doch dann passiert etwas im Berliner Kanzleramt, was dazu führte, dass Kurnaz fast vier weitere Jahre in Guantánamo zubringen muss. In kleinem Zirkel, der sogenannten »Präsidentenrunde« im Kanzleramt, verschwört man sich nicht nur gegen Kurnaz’ Rückkehr, sondern beginnt auch, die Wiedereinreise des Häftlings systematisch zu hintertreiben.
- Datum 24.01.2007 - 08:27 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 25.01.2007 Nr. 05
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Meine Vermutung einer gesteuerten Kampagne durch bestimmte Presseorgane, vor allem der ZEIT, der Süddeutschen und der inzwischen latent antisemitischen und durch Ex-Stasikräfte gesteuerten Berliner Zeitung im Falle Kurnaz wird inzwischen auch von anderen Medien geteilt...
Das ZIEL DIESER KAMPAGNE IST KLAR: die derzeitige Außenpolitik, die bei aller Distanz sich doch nicht in Fundamentalopposition zum Antiterrorkampf der USA befindet, soll TORPEDIERT, DIE BUNDESREPUBLIK aus der anti-islamistischen Front herausgelöst werden. Die proto-faschistische, 'anti-zionistische'/antisemitische 'Neue Linke' (die in der ehemals links-liberalen Journaille ihr Sympatisantenumfeld und ihre Lautsprecher findet), findet hierin den Schulterschluß (die schon seit Jahren propagierte und herbeigewünschte Querfront zwischen links und rechts) mit dem Weltbild der Anhängerschaft der NPD - personell und ideologisch hergestellt werden diese 'kommunikativen Brücken' wesentlich durch alte Stasi-Kader und ihre Organe ('Junge Welt'). Die große Sympathie die Ahmadinedschad in 'linken' wie rechten Kreisen entgegenschlägt ist dabei ein deutlicher Indikator - die Relativierung der islamistischen Gefahr und Herausforderung an die westliche Werte- und Staatengemeinschaft soll die Relativierung der Fehler und Verbrechen deutscher Politik im 20. Jahrhundert ideologisch und politisch-rhethorisch durchsetzen helfen ('neue Diskurshoheit').
Hier der Beitrag der FAZ vom heutigen Tag:
Fall Kurnaz
Ein schlechtes Geschäft
Von Peter Carstens, Berlin
Kurnaz und sein Anwalt vor dem BND-Untersuchungsausschuss
26. Januar 2007
Erzählt wird in diesen Tagen die Geschichte vom braven Murat K., der auszog, um im Orient Erleuchtung zu finden. Dort geriet er in die Fänge dunkler Mächte, die ihn verschleppten. Die deutsche Regierung - unfähig oder böse - habe ihn dann nicht befreit, sondern alles unternommen, um ihn von seinem geliebten Bremen fernzuhalten.
So lautet in etwa eine Version über Kurnaz' Schicksal. Sie wird verbreitet von seinem Anwalt Bernhard Docke, von etlichen Oppositionspolitikern im Untersuchungsausschuss und in vielen Medien, von denen manche für Details aus Kurnaz' Leidensgeschichte Geld bezahlen.
Drehbuch für die bürokratische Kurnaz-Abwehr
Das Schicksal des jungen Islamisten hatte zwischen 2002 und 2005 nur mäßige Aufmerksamkeit gefunden. Nun will erstens der BND-Untersuchungsausschuss klären, welche Rolle deutsche Geheimdienste und Politik im Fall Kurnaz spielten. Zweitens untersucht der Verteidigungsausschuss, ob deutsche Soldaten Kurnaz in Afghanistan verprügelt haben.
Bei den politischen Ausschüssen kommt es auch darauf an, WELCHER SCHADEN DEM JEWEILIGEN PARTEIPOLITISCHEN GEGNER IM LAUFE DER UNTERSUCHUNG DURCH ÖFFENTLICHKEITSWIRKSAME INTERPRETATIONEN UND GEZIELTE AKTENPUPLIKATIONEN BEREITET WIRD. DURCH ABGESPROCHENE VERÖFFENTLICHUNGEN, VORBEREITETE ARTIKELSERIEN UND EINE NIMMERMÜDE EMPÖRUNGSMASCHINERIE IST DER EINDRUCK ENTSTANDEN, EINE KALTHERZIGE GRUPPIERUNG POLITISCHEN FÜHRUNGSPERSONALS, MIT AUßENMINISTER STEINMEIER AN DER SPITZE, HABE DAS LEID DES JUNGEN TÜRKEN MUTWILLIG VERLÄNGERT (Hervorhebung von mir). An dieser Version, sollte sie in den nächsten Wochen Bestand haben, hängen die Karrieren mehrerer Minister, Staatssekretäre und Geheimdienstpräsidenten. Entsprechend hoch ist der Einsatz, mit dem gespielt wird.
Zum Schlüsseldokument wurde vergangene Woche eine Referentenvorlage aus dem Innenministerium stilisiert, die mit Datum vom 30. Oktober 2002 eine Art Drehbuch für die bürokratische Kurnaz-Abwehr vorlegte. Es bestehe, heißt es dort, zwischen Bundeskanzleramt und Innenministerium „Einvernehmen“, dass eine „Wiedereinreise unerwünscht ist“. Diese Haltung ist aus heutiger Sicht schwer zu verstehen. Das allerdings liegt hauptsächlich daran, dass die meisten Akten zu Kurnaz unter Verschluss liegen.
Kurnaz, ein radikaler Islamist?
Murat Kurnaz, der in dem erwähnten Vermerk als „türkischer Staatsangehöriger aus terroristischem Umfeld“ geführt wird, stand nämlich im Verdacht, keineswegs bloß zum Beten nach Pakistan gefahren zu sein. Vielmehr brachten Ermittlungen deutscher Sicherheitsbehörden schon kurz nach seinem Verschwinden im Oktober 2001 Hinweise zutage, nach denen Kurnaz ein radikaler Islamist sei, dessen persönliche Veränderung hin zu einem kämpferischen Fanatiker sowohl seiner Familie als auch Bekannten und Lehrern in der Berufsschule aufgefallen sei.
Kurnaz und seine Freunde seien in den Heiligen Krieg nach Afghanistan gezogen, hieß es demnach in einer Bremer Moschee, wo für sie gebetet wurde. Kurnaz wäre nicht der einzige radikalisierte junge Türke gewesen, der nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 von Deutschland aus nach Afghanistan aufbrach, um dort mit den Taliban zu kämpfen. Kurnaz hatte allerlei Vorkehrungen getroffen, die zur Vorbereitung einer sechswöchigen Pilgerreise eher ungewöhnlich waren: Er verkaufte sein Funktelefon und meldete sich von seiner Berufschule ab. Als er im Dezember 2001 nicht weit von der afghanischen Grenze in Pakistan festgenommen wurde, war sein Rückflugticket (ein Flug für den 4. November) längst verfallen. Auch von Kampfanzug, Nachtsichtgerät und kämpferischen Abschiedsgrüßen ist in geheimen Unterlagen die Rede, die nunmehr als eine Art Gegenversion zur Erzählung vom braven Murat K. ihren Weg in die Öffentlichkeit finden.
So entstand 2001/2002 nicht ohne Faktengrundlage das Bild eines jungen Türken in Deutschland, der sich unter dem Einfluss radikaler Islamisten gemeinsam mit anderen kampfbereiten jungen Männern aufgemacht hatte, um möglicherweise in Afghanistan zu kämpfen. Allein die Bremer Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft füllen drei Bände. Das daraus entstehende Bild prägte die späteren Entscheidungen im Fall Kurnaz.
CIA bot BND Kurnaz als Spitzel an
Völlig unbekannt war den Sicherheitsbehörden in den Wochen und Monaten nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001, wie viele weitere stille Zellen irgendwo in der Welt auf einen Einsatzbefehl warteten. Gehörte Kurnaz zu einer bislang unbekannten Terrorzelle in Bremen? Deutsche und ausländische Dienste und Strafverfolgungsbehörden nahmen im Januar 2002 die Fährte auf. So leitete die amerikanische Militärstaatsanwaltschaft in Deutschland ein eigenes Verfahren gegen Kurnaz ein. Die Deutschen wurden eingeladen, Kurnaz noch in Kandahar zu vernehmen. Dazu kam es nicht. Der Häftling wurde am 2. Februar 2002 nach Kuba verlegt und geriet als einer der ersten Gefangenen in das Lager Guantanamo und damit unter die Kontrolle des amerikanischen Verteidigungsministeriums.
Während das deutsche Außenministerium sich vergeblich bemühte, Kurnaz konsularisch zu betreuen, knüpften die Dienste ihre eigenen Fäden: Vielleicht konnte Murat Kurnaz dabei helfen, weitere Terroristen und Terrorhelfer zu finden. Vielleicht konnte er dazu beitragen, eine vermutete Bremer Zelle zu zerstören, von der man erst Kurnaz und seinen in Frankfurt gestoppten Bekannten Selcuk kannte.
So entsteht eine neue Version der Geschichte eines „Angebots“: In Deutschland offiziell angemeldete CIA-Mitarbeiter traten an ihre Partner beim Bundesnachrichtendienst (BND) heran. Sie machten im Januar 2002 den Vorschlag, Kurnaz künftig gemeinsam als Informanten in der islamistischen Szene zu nutzen. Angeregt wurde das Projekt von der CIA-Dependance in Berlin-Dahlem. Die BND-Leute waren angetan von der Idee. Nicht alle Tage kamen die großen Brüder und schlugen ein gemeinsames Projekt vor. Andererseits hatte man mit gemeinsamen Operationen auch durchaus zwiespältige Erfahrungen. Die beiden Mitarbeiter, insbesondere einer, der im eigenen Haus als durchaus geltungsbedürftig beschrieben wird, trieben das Projekt dennoch zügig voran - zumal die CIA einen außerordentlich schnellen, direkten Zugang zu Kurnaz versprach. Der allerdings konnte nur auf Grundlage künftiger Kooperation gewährt werden. Schon die Reise nach Kuba bedeutete also ein gewisses Einverständnis mit dem CIA-Angebot, dessen Details in Berlin unbekannt blieben.
Amerikaner hielten ihn für gefährlich
Die Oberen in Pullach und Berlin zögerten. Schon am 29. Januar 2002 wurde das Angebot der Amerikaner im Bundeskanzleramt erörtert, Kurnaz in Guantanamo zu besuchen. Am 14. Mai leitete das Bundeskriminalamt Ermittlungserkenntnisse aus Bremen nach Amerika weiter. Die Entscheidung, ein Team von BND und Verfassungsschutz nach Kuba zu entsenden, fiel jedoch im Grundsatz erst Mitte des Jahres, die Reiseerlaubnis wurde den drei deutschen Geheimdienst-Mitarbeitern am 9. Juli erteilt. Die Mitarbeiter von BND und Verfassungsschutz reisten - begleitet vom dritten Mann der Berliner CIA-Niederlassung - im September 2002 nach Amerika. Den Weg von Washington nach Kuba legten sie in einem kleinen Jet der amerikanischen Kollegen zurück. Auch sonst war für eine konstruktive Stimmung gesorgt.
Entsprechend positiv waren die örtlichen Reaktionen auf die Kurnaz-Befragung vom 23. und 24. September. Der BND-Resident in Washington, ein Mann im Range eines Brigadegenerals, schrieb ebenfalls nur das Allerbeste über den Verlauf der Kurnaz-Vernehmung. Bemerkungen zur Kooperationsbereitschaft und zu einer keineswegs verinnerlichten islamistischen Ideologie nährten die Annahme, Kurnaz könne als Quelle gewonnen werden.
Die Amerikaner jedoch beurteilten Kurnaz anders. Sie hielten ihn für durchaus gefährlich. Sein Einsatz als gemeinsamer CIA/Verfassungsschutz-Spitzel würde die Risiken einer solchen Operation auf deutsche Schultern laden. Von eventuellen Erträgen würden jedoch die Amerikaner profitieren. Hinzu kam, dass auch die CIA nach den Terrorangriffen von New York und Washington unter innenpolitischem Druck stand. Unter anderem wurde ihr vorgeworfen, sie habe die Gewinnung „menschlicher Quellen“ zugunsten der elektronischen Aufklärung sträflich vernachlässigt. Welcher Ort war besser geeignet, das zu ändern, als Bremen, das auf der Landkarte praktisch als Vorort von Hamburg gelten konnte, einem Ausgangspunkt der Anschläge vom 11. September?
So verödete der exklusive Zugang
Die Chefs der deutschen Sicherheitsbehörden waren von diesen Planungen weit weniger begeistert als die BND-Agenten am Ort. Am 8., spätestens am 29. Oktober 2002 fiel in der sogenannten Präsidentenrunde im Kanzleramt die Entscheidung, Kurnaz „operativ nicht zu nutzen“. Sollte Kurnaz wirklich gefährlich sein und Zugang zu einer terroristisch-islamistischen Szene in Bremen haben, könnte man ihn unmöglich als inoffiziellen Mitarbeiter einer deutschen Behörde führen. Sollte er hingegen so ungefährlich und naiv sein, wie er tat, wäre er nutzlos und seine Verpflichtung eine Gefahr für sich selbst und seine geheimen Auftraggeber. Zudem hätten die Deutschen Behörden von ihren amerikanischen Partnern ausgebootet werden können.
Das hatte man schon oft erlebt. Selbst gewöhnliche deutsch-amerikanische Kontakte unter den Geheimdienstlern wurden nach Berichten aus Pullach häufig von den Amerikanern genutzt, die deutschen Kollegen zu „kultivieren“, das heißt, sie mit allerlei Vergünstigungen zu Auskünften zu bewegen. Ein solches Risiko mochte Berlin im Falle Kurnaz nicht tragen. So verödete der exklusive Zugang. Es folgten noch ein paar Beschwerden, etwa ein Schreiben vom 9. November 2002 eines betroffenen BND-Mitarbeiters an die Hausleitung, in dem er über das „Unverständnis“ der Amerikaner spricht. Kurnaz blieb in Haft.
Seine Wiedereinreise verhindern
In Deutschland machte man sich nach der Rückkehr der BND-Mitarbeiter darüber Gedanken, was passieren würde, falls die Amerikaner ihn alsbald, wie angedeutet, freiließen. In die Türkei, das Land dessen Staatsbürgerschaft und Pass er besaß, wollte Kurnaz offenbar nicht. Also nach Deutschland? Daran aber hatten Innenministerium und Kanzleramt in Berlin nach Lage der Dinge und nach Auskunft der Akten kein Interesse. Es wurden Möglichkeiten erwogen, seine Rückkehr gegebenenfalls zu verhindern. Grundlage dieser Überlegungen war und blieb bis zum Ende der langen Kurnaz-Gefangenschaft der Verdacht, es mit einem „Gefährder“, einem potentiellen Terroristen türkischer Staatsbürgerschaft zu tun zu haben.
Seine Wiedereinreise zu verhindern diente, jedenfalls nach dieser Version, der Gefahrenabwehr in Zeiten terroristischer Bedrohung. Ein Jahr nach Ende der BND/Verfassungsschutz-Operation in Sachen Kurnaz informierten die Dienste nach eigener Darstellung am 10. Dezember 2003 das Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestages. Einwände, Beschwerden, Fragen oder Aufträge an die Bundesregierung habe es von Seiten der Parlamentarier nicht gegeben.
Wohl eher für die Presse. Ein wenig sollte an dieser Stelle schon thematisiert werden, wer dieser Kurnaz eigentlich ist, statt ihn zum bedauernswerten Opfer eiskalter Politiker hochzustilisieren.
daß man hier quasi anonym seine Minung sagen darf. Denn da ich für Rechtsstaatlichkeit (im genuinen Sinn des Wortes) eintrete, hätte ich echt Angst von ihm umgelegt zu werden. Mit Worten versucht er es in der Zeit ja dauernd. Mehr Wörter sinnlos zusammengeballert, kann man aus keinem Maschinengewehr rauspressen.
@JdotSdot den Grünen Verlogenheit
entgegen zu schleudern ist der Sache nicht auch dienlich. Und @17, Ihre 0/8/15-Verschwörungskeule denen entgegen zu schleudern, die versuchen, ernsthaft hinter die Kulissen der causa Kurnaz zu blicken, ist genauso unangemessen.
Früher haben die Konservativen mit der Antiamerikanismus-Keule, später mit der Nazi-Keule und dann mit der Verschwörungskeule alle kritische Einwände vs. Anti-Terror-Krieg á la Bush mundtot zu schlagen versucht. Wir leben aber in der Gegenwart! Diese ollen emotionalen Pseudo-Argumente bringen Null und Nichts!
Wenn jemand ein echtes Guantanamo-Gate aus der causa Kurnaz machen will, dann muss er nach dem Weißen Haus/Pentagon schielen. Dort sitzen die, die Guantanamo zu verantworten haben und die heute noch leugnen, dass Guantanamo eine Folterhölle ist. Sie bemühen sich, Begriffe wie „Folter“ umzudefinieren, um damit die gegen die US-Admin. angestrebten Prozesse ehemaliger Guantanamo-Häftlinge nichtig machen zu können.
Das neue Gesetz der Bush-Admin., das erlaubt, dass Ex-Guantanamo-Häftlinge wie Kurnaz einen Prozess gegen den US-Staat führen dürfen, wurde erst nach der Niederlage der Republikaner bei den Senatswahlen verabschiedet – und es hat unendlich viele gegeben aus den Reihen der Republikaner, die dieses Gesetz zu verhindern versuchten.
Wenn also Ganzales (US-Justizmin.) Richter ermahnt, sich dem Meinungsbild des Präsidenten unterzuordnen, dann ist dieses zwar im Sinne das o.g. Gesetzes richtig, aber auch nur, wenn damit den EX-Guantanamo-Häftlingen auch Wiedergutmachung widerfahren wird.
Stattdessen aber wird der Begriff „Folter“ bis ins Abstruseste ausgedehnt, damit Vorwürfe wie „an den Haaren gezogen“, „mit dem Kopf auf den Boden geschlagen“, „Schlafentzug“, „stundelanges Stehen unter der kalte Dusche“, „stundenlanges Niederknien“ als „erweiterte Verhörmethoden nach den Menschenrechtkonventionen“ noch juristisch vertretbar werden – damit eben keine Widergutmachung an jene Häftlinge gezahlt zu werden braucht.
Und genau dieses ist das eigentliche Guantanamo-Gate! Allein diesen Begriff in die Debatte zu werfen, zeigt die Naivität eines Bittners und anderen, wenn sie damit eine Diffamierungskampagne gegen Deutsche Politiker fahren, die dem Anti-Terror-Krieg á la Bush entgegentreten.
Der Krieg gegen den Terror muss geführt werden, sicher! Aber wie, das muss neu auf allen Ebenen der Weltpolitik durchdacht und konzipiert werden. Die Buchs, die Cheneys und Gonzalese haben Großes geleistet, sicher! Aber diesen Anti-Terrorkrieg können sie mit ihrem Verständnis von rechtsstaat und Demokratie nicht und niemals gewinnen!
Die Bittners der ZEIT und SZ, die ein Guantanamo-gate aufdecken wollen, gehen völlig falsch an dieses brisante und äußerst umfangreiche Thema heran. Denn ihre Vorbilder, Woodword und Ellsberg u.a., haben zuallererst recherchiert und echtes (! und nicht lancierte E-Mails oder sonstwelche Papiere, deren Authentizität und Echtheit nicht erwiesen und klar ist!!), also sie haben echtes (!) Dokumentenmaterial ausfindig gemacht, haben es dann zunächst einmal analysiert und sind erst danach, nach eindeutiger und sauberer Analyse echter und authentifizierbarer Materialien (!!), an die Öffentlichkeit gegangen. Dann wurden sie als Verschwörungstheoretiker seitens der Nixon-Admin. gebranntmarkt, verfolgt und in die Psychiatire (Ellsberg) gesteckt. Lange dauerte es, bis Nixon ging - aber aus Altersgründen!
Wer also wirklich ein Guantanamo-Gate aufklären will, der muss mit den amerikanischen Freunden in den Redaktionen der großen amerikanischen Papers und TV-Stations, die mittlerweile die Bush-Linie nicht mehr mitmachen, zusammenarbeiten. Und dann wird vielleicht ein Guantanamo-Schuh daraus, wenn sich die klugen amerikanischen und deutschen und europäischen Journalisten zusammentäten. Denn Leidende wie Kurnaz gibt es überall!
Es geht letztlich um den Anti-Terror-Krieg, der auch von der amerikanischen Mehrheit der Bevölkerung so nicht mehr unterstützt wird. Es geht nicht um einen Herrn Kurnaz und auch nicht um irgendeinen Staatsdiener eines europäischen Ministeriums und schon gar nicht um einen Herrn Steinmeier. Es geht darum, die Weltöffentlichkeit für den Antiterror-Krieg á la Bush zu gewinnen und alle, die sich ihm in die Quere stellen, zu eliminieren, platt zu machen.
Die meisten Amerikaner und ernst zu nehmenden amerikanischen Journalisten sehen das auch so. Ihre Verschwörungsthesen-Keule, @17, Mr. Seventeen, können Sie also dann auch gegen die Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung schleudern. – Viel Spaß dabei!
Oh Mann! Was saufen Sie denn für nen Schnaps?
und ihre abstrus-bizarren gedankengänge sind doch das amüsanteste, was eine kommentrafunktion hevorbringt.
:-)
der 3 Erklärungen, die Sie Steinmeier und dessen Kollegen entnehmen, stimmt so nicht. Die Bedingung, Kurnaz frei zu lassen, koppelte der CIA doch an dessen Einschleusung in die islam(ist)ische Szene in D.! Und diese war doch dann wiederum eng gekoppelt an die Bedingung, dass der CIA dieses eigenmächtig und selbstständig - und! unabhängig von der dt. Justiz oder dt. Regierung tun wollte! Bitte, differenzieren auch Sie, Herr Bittner. Folglich sind Ihre Schlussfolgerungen falsch, folglich sind auch Ihre Diffamierungen vs. Steinmeier/SPD/Rot/Grün falsch.
Ich darf anmerken:
Guantanamo galt damals und gilt auch heute noch in den Augen Bushs, Cherneys oder Gonzales' als folterfrei und als ein im Sinne der Menschenrechtskonventionen geführtes Gefängnis. Auf dieser Grundlage musste die Dt. Regierung arbeiten und musste auch den Vorwurf, evtl. Schläfer einreisen zu lassen, abwägen. Sie musste auch abwägen, was es bedeuten würde, die Öffentlichkeit in diesem Sonderfalle Kurnaz als Agent des CIA führen zu lassen, aufzuklären und welche Widerstände seitens der Opposition ihr entgegengebracht worden wären (und hätte sie geschwiegen, und also den CIA-Vorschlag angenommen, wäre, wenn das rausgekommen wäre, der Skandal noch riesiger - und das dann wohl auch zu Recht!). Damit verbunden wäre auch die Behauptung gewesen, Kurnaz sei gefoltert worden von Amerikanern (und evtl. auch vom BND, das ist ja unklar). Die rot/grüne Regierung hatte sich aber schon zu Genüge antiamerikanistisches Handeln und Denken vorwerfen lassen müssen (kritisiert wurde von entsprechender Seite nicht nur Fischers „Sorry, Mr. Rumsfeld, I am not convinced“!), als dass sie es hätte wagen können, nun noch die Bush-Regierung der Folter zu bezichtigen. – Das mag heute als Ausrede sich anhören. Aber bitte dieses doch mal realistisch durchdenken – ohne irgendwelche Denk-Schubladen-Schemata. Das Thema ist zu umfassend, als dass kleinekarierte voruteilsbehaftete Journalisten hier aufklären könnten.
Heute, wo sich offenbar alle einig sind, dass Guantanamo eine Folterhölle unter der Leitung des Präsidenten der Vereinigten Staaten ist, scheint jeder Herrn Steinmeier verantwortlich machen zu wollen für alle durch den Anti-Terrorkrieg unschuldig Verfolgte und Leidende. Aber die Relationen stimmen dabei nicht und Ursache und Wirkung werden auch nicht unterschieden.
Im Übrigen geht es in der Klage Kurnaz gegen den Rest der Welt um sehr viel Geld. Sein amerikanischer Anwalt, Herr Baher Azmy, spricht von mehreren Millionen Dollaries. Ein Kanadier, der vom CIA verschleppt wurde, hat eine Entschädigung von 8 Millionen Kan-Dollars erhalten, wie man lesen kann. Ich wünsche sehr, dass Herrn Kurnaz und den vielen anderen EX-Guant.-Häftlingen Gerechtigkeit und Entschädigung widerfährt! Aber die Medien sollen die Kirche im Dorf lassen und lancierte, nicht identifizierete und unauthentifizierte Dokumente erst einmal aufarbeiten und auf ihre Authentizität hin untersuchen und analysieren, bevor sie darauf eine Anklage konstruieren. Dieses Hauruck-Denken, wie auch Bittner dies zeigt, schadet mehr, als es nützt. Und es ist absolut unprofessioneller Journalismus!
und ihre abstrus-bizarren gedankengänge sind doch das amüsanteste, was eine kommentrafunktion hevorbringt.
:-)
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