Kafka-Edition Der wahre Kafka
Germanisten in aller Welt sind erbost über die Politik der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
Vor sechs Jahren rief die Bundesregierung die Kurt-Wolff-Stiftung ins Leben. Sie soll die selbstlose Arbeit jener kleinen Verlage unterstützen, die wie einst ihr Namensgeber, der ursprüngliche Verleger Franz Kafkas, die Vielfalt der Literatur im Land möglich machen. Auch Suhrkamp, Fischer oder Rowohlt waren einmal »Kleinverlage« – und werden es vielleicht irgendwann wieder sein. Jährlich vergibt die Stiftung ein Preisgeld in Höhe von 26000 Euro und einen Förderpreis (5000 Euro) für Einzelprojekte.
Der Zufall und die Stiftungsjuroren wollten es, dass auf der Leipziger Buchmesse in diesem März ein anderer Wolff mit dem Kurt-Wolff-Preis ausgezeichnet wird. Er ist der Leiter des Frankfurter Verlags Stroemfeld, einer editorischen Manufaktur, deren penible Arbeit mit und an den Urtexten ausgewählter deutschsprachiger Dichter die akademische Germanistik erst ärgerte, inzwischen jedoch überzeugt hat. Stroemfelds historisch-kritische Klassikerausgaben haben einen Standard gesetzt, der in aller Welt seinesgleichen sucht.
Seit seinen politisch, nun, lebhaften SDS-Tagen der späten sechziger Jahre haftet Wolff das Vornamenskürzel KD an, wie »Kampf dem…«. Seine verlegerische Reise aus den antibürgerlichen, wenn nicht geist-, so doch toleranzfreien Zonen des Marxismus-Maoismus ins Zentrum großbürgerlichen Bildungsguts, in die Welt von Kleist, Hölderlin, der Günderrode oder Keller, gehört zu den schönsten Anstrengungen eines inzwischen heiter gewordenen, immer noch antiautoritären Geistes. Ihn interessieren weiterhin »die Produktionsbedingungen« – nun allerdings die traditionellen des Verlagsgeschäfts. Sie versperren bisweilen aus kalkulatorischen Gründen den Zugang zum wahren Kern mancher Werke. Gesamtausgaben, die sich als lauter letzte Worte eines Dichters ausgeben, können es nicht immer sein; das fertige Buch ist nicht immer das wahre; denn Verlegerei ist ein finanziell heikles Geschäft, und nur selten ist es identisch mit den Wünschen der Autoren. Mancher Dichter kennt die Bitte seines seufzenden Verlegers: »Wären Sie so nett und streichen die Hälfte?« Thomas Mann ging es so mit den Buddenbrooks; er weigerte sich. Doch was, wenn die Hälfte eines Manuskripts vom Schriftsteller selbst gestrichen worden ist, weil er seinen eigenen Worten nicht traute??
Dichtung ist ein geistiger Prozess vor weißem Papier, ist Suchen, Finden, Ausprobieren und Verwerfen von Worten und Sätzen. Abzubilden, was der Dichter wirklich sagte, was er dachte im Augenblick der Niederschrift – das ist das verlegerische Leitmotiv Wolffs. Es betrifft, wie anders, den richtigen Umgang mit Nachlässen jener großen Autoren, die noch – wie Kafka – mit Bleistift oder Feder schrieben.
KD Wolff ist ein Verleger Franz Kafkas – wenn auch erst seit Januar 1995, dem Monat, in dem die Urheberrechte des jüdischen Dichters deutscher Sprache frei wurden. Um Kafkas Werk hatte sich seit den sechziger Jahren eine veritable Dissertations-Industrie entwickelt: Es gab so viel zu interpretieren, weil so vieles um seine Texte im Dunkeln lag. Der akademische Kafka-Betrieb drohte schließlich das Gesamtwerk zuzudecken mit geradezu erschöpfender, andächtiger Bewunderung.
- Datum 29.01.2007 - 03:34 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 25.01.2007 Nr. 05
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Ahc: Wie heißt es bei Kafka?
'Was ist das für Volk! Denken sie auch oder schlurfen sie nur sinnlos über die Erde?'
Ich laube, solche Arikelschreiber und Leitspruch-Jäger wie die von Naumann genannen haben Kafka nicht verstanden.
Ws Hölderlin schrieb 'Das Geschäftige der Menschen hat das Beständige überwachsen' - das zeigt Kafka in der Parabel 'Der Nachbar' - eigentlich 'Der Kaufmann'-, der das Schild seines Konkurrenten 'Harras. Bureau' nutzt, um ihn als Tier darzustellen: 'Wie der Schwanz einer Ratte ist er hineingeglitten...'
HARTZ-Degradierte rutschen als 'Kübelreiter' zu den Energie-Konzernen oder mittels Anwalt in die Amts- und Sozialgerichte - und die kulturelle Arrivierten geben sich aus als die Kafka-Repräsentanten für den zehnten Nachdruck, da F.K. lange genug tot ist..
Und in fünf Jahren wid die nächste Kafka-Edition als bibliophile, illustrierte Buch-S(ch)au durch die Frankfurter Messe-Show-Straßen getrieben. (Von 'Random-House')
Und kein Kafka-Leser, Journalist oder Gemanist (und kein Naumann) kennt und entlarvt den 'Philosoph(en)', der 'sich immer dort herum' (trieb), 'wo Kinder spielten...' ('Der Kreisel')
[Rudolf Steiner war es nicht; und unsere Kinder-Philosophie-Schreiber, deren Veröffentlichungen schon im Ramsch liegen, waren es auch nicht. - Von denen hat keiner Kafkas Franzl gemocht...]
Nachts. Ich schaue
Versunken in das Buch mit den Reproduktionen. So wie man manchmal den Kopf senkt, um nachzudenken, so ganz versunken sein in die Nacht dieser Buchstaben, Schleifen und Pünktchen und Strich.
Ringsum schlafen die Leser. Die Kulturschaffenden, die Grafen. Eine kleine Schauspielerei, eine unschuldige Selbsttäuschung, daß sie in Häusern schlafen, in festen Betten, unter festem Dach, ausgestreckt oder geduckt auf Matratzen, in Tüchern, unter Decken, in Wirklichkeit haben sie sich zusammengefunden wie damals einmal und wie später in wüster Gegend, ein Lager im Freien, eine unübersehbare Zahl Menschen, ein Heer, ein Volk, unter kaltem Himmel auf kalter Erde, hingeworfen wo man früher stand, die Stirn auf den Arm gedrückt, das Gesicht gegen den Boden hin, ruhig atmend. Und du wachst, bist einer der Wächter, findest den nächsten durch Schwenken des brennenden Holzes aus dem Reisighaufen neben dir. Warum wachst du? Einer muß wachen, heißt es. Einer muß da sein. Franz Kafka
...auch ohne Unterstützung...
Es tut sich eine neue Welt für die Kafka-Forschung auf. Wo endet Kafka, wo beginnt z.B. Brod im 'Prozess', im 'Schloss'? Was lernen wir von Kafka pur? Es gereicht den Autoren sehr zur Ehre, wenn sie es schaffen, auch Unterstützung der DFG die Faksimilien zu veröffentlichen.
Das sind so Kafka-Schleifchen, die ausgebügelt werden von denen, die alle hochdotiert im Kulturbetrieb mitschreibseln und das 'gemachte' Eigen-Geld selber verbruzzeln und versaufen und verkoksen und ver-neu-ehelichen wollen..
So kriegt man mit zehn Sätzen per Post mit freier Rückantwort alle weltweisen Hochdotierten zusammen zu einer P-r-o-t-e-s-t-Aktion zusammen (wie beim DENK-Anruf zur Rechtschreibung bei 34 Dichtern und den Nachmachern):
- wobei Fau Jelinek alleine das Unternehmen, wenn es ihr denn existenziell wichtig wäre, 'tragen' könnte; das wäre den Nobelpreis wert; nicht ihr neurotisches Werkchen.
- und derweil unsere Kafkas (weibl. oder männl.) sich - ob an Kehlkopftuberkulose oder sonstiger psychosomatischer Inbrunst - eliminieren: als Amokläufer oder Ver-Schreiber.
Oder:
Wie beim Tansrapid: ca. 100 hochwiss. Technikernasen und Politiker wollen daran verdienen - aber die Allgemeinheit, der ständig die Steuermittel entzogen werden von diesen Spezialisten, soll das finanzieren, was privat von wenigen verschnuppert wird,
*
Also: Kafka lesen und die Vorläufer.: Wo liest sich das:
'... [hier steht ein weiblicher Vorname], ... eigentlich hättest du doch wohl Kunstreiterin werden müssen.'
- Wer sprach es als Figur - wer schrieb das - und wer erschrieb sich daraus eine Parabel?
, z.B.:
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