Man stelle sich nur einmal vor, im nächsten Bundesligaspiel von Borussia Dortmund gegen die Bayern aus München pfeift ein von Münchner Seite benannter und bezahlter Schiedsrichter. Auf welcher Seite fällt dann wohl eher ein Elfmeter? Masten einer Überlandleitung für elektrischen Strom BILD

Auf die Elektrizitätswirtschaft übertragen, bedeutet dies: Echter Wettbewerb zwischen Elektrizitätserzeugern (den »Fußballmannschaften«) kann nur entstehen, wenn die Netzgesellschaft (der »Schiedsrichter«) neutral und unabhängig ist. Die Mitteilung der Europäischen Kommission vom 10. Januar 2007 lässt denn auch hinsichtlich der Rolle des Netzbetreibers an Klarheit nichts zu wünschen übrig: Zur Stärkung des seit mehr als zehn Jahren geforderten, aber nach wie vor nur schleppend umgesetzten europäischen Binnenmarktes für Elektrizität sollen die Mitgliedsländer die Kraftwerke von den Netzen trennen. Mit diesem »vertikalen unbundling« wird der Wettbewerb auf der Erzeugerseite gestärkt – und die Preise können sinken. Weil das Netz ein natürliches Monopol bleibt, bedarf es selbstverständlich auch weiterhin der Regulierung; hierzulande durch die Bundesnetzagentur.

Sowohl theoretische Überlegungen als auch praktische Erfahrungen legen nahe, dass die vertikale Trennung eine Voraussetzung für echten Wettbewerb auf der Erzeugerseite ist. Warum? Weil ein vertikal integriertes Unternehmen vielseitige Möglichkeiten hat, neue Anbieter zu diskriminieren.

Ein unabhängiger Netzbetreiber hat daran nicht das geringste Interesse. Im Gegenteil, er hat Interesse an der Beseitigung von Engpässen im Netz, einschließlich des Ausbaus der Verbindungen zu Nachbarländern; schließlich ist er an einem möglichst hohen Transportvolumen und den damit verbundenen Einnahmen interessiert. Unabhängige Betreiber sind auch für Fusionen mit benachbarten Netzbetreibern offen; das kann die Kosten weiter sinken lassen. Nachteile einer vertikalen Trennung, die neuerdings aus der außen- und sicherheitspolitischen Ecke im Verlust von Verhandlungsmacht gegenüber »großen« Energielieferanten gesehen werden, sind weder theoretisch begründbar noch empirisch belegt.

Nach der Mitteilung aus Brüssel steht ohnehin nicht mehr die Frage des »ob«, sondern nur noch des »wie« der vertikalen Trennung zur Debatte. Hier bietet die Kommission zwei Varianten an: den unabhängigen Systembetreiber oder die vollständige eigentumsrechtliche Trennung.