Stimmt's Rund, spitz - egal?

Meine Frau ist zurzeit schwanger, und wir haben uns gewehrt, schon während der Schwangerschaft zu erfahren, ob es ein Junge oder Mädchen wird. Bekannte behaupten nun, sie könnten das aufgrund der Bauchform vorhersagen: Ist der Bauch spitz, wird es ein Junge, ist der Bauch breit, wird es ein Mädchen. Stimmt’s? Jörg Petersen, Kamen

Auch in Zeiten von Ultraschall und Fruchtwasseruntersuchung möchten viele werdende Elternpaare sich die Überraschung bis zum Schluss bewahren und müssen dafür die Spekulationen von Freunden und Verwandten über sich ergehen lassen, die dann allerlei Volksweisheiten in petto haben. Aber das mit der Bauchform ist nicht nur offensichtlicher Humbug – es ist sogar wissenschaftlich untersucht und als Humbug enttarnt worden.

1999 befragten Deborah Perry und ihr Team von der amerikanischen Johns-Hopkins-Universität 104 schwangere Frauen, die noch nichts über das Geschlecht ihres Kindes wussten, nach ihren Vorahnungen und veröffentlichten das Ergebnis in der Zeitschrift Birth. Die Forscher untersuchten dabei auch die Legende von der Bauchform (nach einer anderen Version bergen hoch sitzende Schwangerschaftsbäuche ein Mädchen, tief sitzende einen Jungen). Das Ergebnis: Es bestand nicht der geringste statistische Zusammenhang.

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Interessant waren aber einige andere Ergebnisse der Studie: 71 Prozent der besser gebildeten werdenden Mütter (mindestens zwölf Jahre Schulausbildung) konnten das Geschlecht ihres Babys korrekt vorhersagen, bei den weniger gebildeten waren es nur 43 Prozent. Und sogar bei Prognosen aufgrund von Träumen und unbestimmten Ahnungen war die Trefferquote höher, als wenn sich die Schwangeren auf Mythen wie den von der Bauchform verließen. Christoph Drösser

Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de . Das »Stimmt’s?«-Archiv: www.zeit.de/stimmts

 
Leser-Kommentare
    • fbm
    • 02.02.2007 um 22:50 Uhr

    Wenn die Vorhersagewahrscheinlichkeit 50% beträgt, warum erreichen gebildete Frauen dann 71%? Natürlich kann das ein zufälliges Ergebnis durch die Stichprobe sein, aber ein entsprechender Test (chi²?) ein signifikantes Ergebnis erbringt, dann stehts nun mal so da. Ist dann nur die Frage, wie man es interpretiert und der Autor hat es wohl auch eher mit einem Augenzwinkern bedacht.

  1. Ihre Kolumne 'stimmt's'? entlarvt regelmäßig sogenannten Humbug, der sich hartnäckig hält. Wenn Sie dann aber selbst mit Statistiken umgehen, die sinnlos sind, führen Sie Ihre Argumentation selbst ad absurdum. Die angeblich unterschiedliche Trefferquote der 'besser gebildeten' und der weniger gebildeten Mütter zur Vorhersage des Geschlechts ihres Ungeborenen suggeriert einen Zusammenhang zwischen Bildung und mystischen Fähigkeiten. Da die Vorhersagewahrscheinlichkeit bei zwei Geschlechtern immer 50 % beträgt, ist es wenig sinnvoll, diese überhaupt zu überprüfen, da eben ca. je zur Hälfte Mädchen und Jungen geboren werden.

  2. aber hier kam es zu dem bekannten Phänomen, dass man nur genügend Gruppen bilden muss (blond vs. brünett, weiß vs. schwarz, adipös vs. schlank, usw.), um irgendwann auch mal - rein zufällig - auf ein statistisch signifikantes Ergebnis zu stoßen. Es war halt nicht geplant, herauszufinden, ob Gebildete besser vorhersagen können als Ungebildete - wäre ja auch verrückt. Eigentlich ein schönes Beispiel dafür, wie man's nicht machen soll.

    • fbm
    • 02.02.2007 um 22:45 Uhr

    Der Einwand ist an sich berechtigt, aber ohne die Studie genau gelesen zu haben (hab ich nicht ;)) kann man nicht an der statistischen Methoden mäkeln. Es gibt ausreichend viele Verfahren, die einer Vermeidung des Fehlers 2. Art (signifikanter Effekt, der in der Gesamtpopulation nicht vorliegt) entgegen wirken. Die einfachste Form, dies zu erreichen, ist bei mehreren Vergleichen die Bonferoniadjustierung.

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