Ich habe einen Traum Norah Jones

Norah Jones, 27, ist Sängerin, Pianistin und Komponistin. Ihr Debütalbum »Come Away With Me« erschien beim Jazzlabel Blue Note und wurde mit acht Grammys ausgezeichnet. Ihr Vater ist der indische Sitarvirtuose Ravi Shankar, bei ihrer Mutter in Texas ist sie aufgewachsen. Mit sechs Jahren bekam sie erstmals Klavierunterricht, mit 19 zog sie nach New York und spielte dort in den Clubs der Lower East Side, drei Jahre später war sie ein Weltstar. Nächste Woche erscheint ihr drittes Album, »Not Too Late«. Norah Jones träumt vom Wasser

Als ich vier oder fünf Jahre alt war, lernte ich schwimmen. Der Unterricht war traumatisch für mich. Wir hatten eine strenge Lehrerin, die uns verbot, uns am Beckenrand festzuhalten. Es kam häufig vor, dass ich keine Puste mehr hatte und Angst bekam. Ich weinte und schrie. Aber sie bestand darauf, dass ich weiterschwamm. Später hatte ich Unterricht im Turmspringen. Einmal stand ich ganz oben auf dem Sprungbrett und sollte einen Salto rückwärts springen. Ich versuchte es und klatschte mit dem Rücken auf die Wasseroberfläche. Es tat so weh, dass ich dachte, ich sterbe.

Man könnte meinen, dass ich Wasser nicht besonders mögen würde. Doch es zog mich immer wieder an. Das ist vielleicht merkwürdig, wenn man wie ich in Texas aufwuchs. Ich wollte immer Wale sehen. Ich kenne sie nur aus dem Fernsehen. Im Museum of Natural History in New York sah ich das riesige Modell eines Blauwals, das dort von der Decke hängt, etwa 30 Meter lang, mit klitzekleinen Augen. Es entfesselte meine Fantasie.

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Das Meer sah ich als Kind nur einmal. Das war an einem schäbigen Touristenstrand in Florida. Später, als Teenager, bin ich manchmal gern in Seen geschwommen. Erst als ich mit meiner Band auf Tournee ging und die Ozeane in Brasilien oder Thailand sah, habe ich mich ins Meer verliebt. Seitdem nutze ich jede Gelegenheit, schwimmen oder schnorcheln zu gehen. Vielleicht war ich in einem früheren Leben ein Fisch. Jedenfalls habe ich mir schon oft gewünscht, einer zu sein. Wäre ich einer, würde ich tief unten leben. Ich mag es eigentlich gar nicht, an der Oberfläche zu schwimmen. Ich gleite viel lieber unter Wasser.

Das Wasser kann dein Freund sein, und es kann dich töten. Du musst nur einmal in eine Welle geraten, die dich komplett durcheinanderwirbelt. Dann bist du froh, wenn du es noch schaffst, dich mit aufgeschürften Armen an Land zu schleppen. Ich glaube, das Meer fasziniert mich so sehr, weil es auch dieses Element der Angst gibt, das ich sehr aufregend finde. Ich habe Respekt, ich glaube, deshalb liebe ich es so sehr.

Ich bin ein Einzelkind, aber ich habe mich nie einsam gefühlt. Meine Mutter ist sehr fürsorglich, und sie sagt mir heute noch gern, was zu tun ist; das ist normal. Unsere Ferien waren oft lange Autoreisen. Wir fuhren in die Wüste von Nevada, zum Grand Canyon, in die Nationalparks oder in die Berge, zum Skifahren. Ich wurde groß auf dem Beifahrersitz von Mamas Honda.

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