Sie kreischt nicht, und sie ruckelt nicht. Sie ist elegant und bequem.

Sie wird bestaunt und gefeiert. In Paris fährt erstmals nach 70 Jahren wieder eine Straßenbahn. Wenige Tage vor Weihnachten erregte die Einweihung der Linie T3 ein Aufsehen, als ob es in Frankreichs Metropole ein völlig neues Verkehrsmittel zu entdecken gäbe.

Paris ist kein Einzelfall. Weltweit feiert die Straßenbahn ein spektakuläres Comeback. Zuerst in Nordamerika, dann auf allen Kontinenten: von Los Angeles und Houston über Tunis, Istanbul und Sydney bis Buenos Aires. Und jetzt mit Nachdruck in Europa. Bilbao hat eine neue Tram, Barcelona entwickelt ein nagelneues Netz zur Anbindung der Vororte an das Zentrum. Zürich und Wien modernisieren ihren Fuhrpark. Acht französische Städte haben sich seit 1985 für die Straßenbahn entschieden.

In Deutschland wurden nach der Zerstörung der Kriegsjahre die Straßenbahnen nur teilweise wieder aufgebaut. Den Modernisierern passten sie nicht in den Kram. Was hatte die sperrige, langsame Straßenbahn in der autogerechten Stadt von morgen zu suchen?

Großstädte, die es sich leisten konnten, bauten ihr U-Bahn-Netz aus, Busse dominierten den Nahverkehr. » Insbesondere in den sechziger Jahren wurde das Verkehrsmittel Straßenbahn totgesagt«, erklärt Markus Hecht, Professor für Schienenfahrzeuge an der TU Berlin.

Aber auch hierzulande investieren Städte seit ein paar Jahren erneut in die Schiene. In Saarbrücken, wo 1965 die letzte Tram ins Depot geschickt wurde, verkehrt sie seit zehn Jahren wieder mit wachsendem Erfolg. Braunschweig weihte im Oktober eine neue Strecke ein. Im thüringischen Gera, Schauplatz der diesjährigen Bundesgartenschau, wurde eigens eine sechs Kilometer lange Verbindung gebaut. Wiesbaden, das vor 50 Jahren seine Straßenbahnen stillgelegt hatte, plant jetzt in einem zweiten Anlauf eine neue Linie. Berlin baut an einer Verbindung vom Nordbahnhof zum neuen Hauptbahnhof.

Der Vorreiter jedoch ist Frankreich. In den vergangenen zwanzig Jahren wurde le Tramway populär wie nie zuvor. Nantes machte den Anfang. Ende der fünfziger Jahre hatte man die Tram verschrottet, Anfang 1985 war sie wieder da. Und sie wurde zum Symbol für die Wiederbelebung einer bis dahin verschnarchten Provinzstadt. Wirtschaft und Kultur blühten auf vor allem aber das Selbstbewusstsein der Bürger. Die heruntergekommene Altstadt wurde zum jungen, lebendigen Zentrum. Außer ein paar Einzelhändlern bereute niemand den Abschied von der autogerechten Stadt. Inzwischen ist das Gleisnetz mit über 40 Kilometern das längste im Lande.