Hedgefonds: Eigentlich bedeutet das englische Verbum »to hedge«, einen Besitz mit einer Hecke zu umgeben und zu sichern. Dagegen meint das international gebräuchliche Wort »Hedgefonds« ein international agierendes privates Finanzinstitut, welches das Kapital seiner Anteilseigner unter Inkaufnahme von Risiken spekulativ und kurzfristig zu mehren sucht. Dabei werden – im Unterschied zu herkömmlichen Investmentfonds und dergleichen – vornehmlich neuartige derivative Finanzinstrumente (»Financial Derivatives«, siehe unten) eingesetzt. Hedgefonds vervielfachen das von ihnen eingesetzte Kapital durch Kreditaufnahmen. Hedgefonds haben noch in den neunziger Jahren nur eine unerhebliche Rolle gespielt; einer der Gründe für ihre Entstehung war das Motiv, sich der Bankaufsicht zu entziehen. Das von Hedgefonds verwaltete Vermögen hat sich seit dem Jahre 2000 weltweit auf insgesamt mindestens 1300 Milliarden Dollar verdreifacht; dazu kommt eine mehrfache Summe aufgenommener Kredite. Die allermeisten Hedgefonds unterliegen keinerlei gesetzlichen Vorschriften. Frankfurter Bankenskyline BILD

Financial Derivatives: Dies sind handelbare »Finanzprodukte« wie Optionen, Futures oder Swaps, deren Preis vom dem Preis traditioneller Wertpapiere wie Aktien und Anleihen oder Güter, zum Beispiel Rohöl, Erdgas, abgeleitet wird. Financial Derivatives sind im Kern verkäufliche Vertragsbeziehungen; beispielsweise erwirbt man mit dem Kauf einer Option von einem Vertragspartner das Recht, zu einem jetzt vereinbarten Preis ein Wertpapier in der Zukunft zu kaufen oder zu verkaufen. Durch Derivatgeschäfte können – unter Inkaufnahme erheblicher Kosten – Zins-, Währungs-, Bonitäts- und Ausfallrisiken abgesichert werden; in der Regel kommt der Gewinn der Derivatgeschäfte weitgehend den Hedgefonds zugute, also deren Anteilseignern und deren Managern. Der Umfang der schwebenden Derivatgeschäfte beträgt ein Vielfaches des Welthandels mit Waren und Gütern.

Private Equity Companies: Ihre Geschäftstätigkeit besteht überwiegend darin, Beteiligungen an anderen Unternehmen zu erstreben und wieder zu verkaufen. Die Beteiligung wird zu einem großen Teil durch Fremdkapital finanziert. Private-Equity-Firmen engagieren sich in der Regel nur auf Zeit, eine mittelfristige Veräußerung der Beteiligung ist von Beginn an beabsichtigt. Zunehmende Bedeutung haben die von Private Equity Companies gebildeten Beteiligungsfonds. Sie zielen auf die Reduzierung der Steuerlast ihrer Anleger, etwa durch Schiffsbeteiligungen, Medienfonds oder Immobilienfonds und durch den steuerfreien Verkauf von Beteiligungen. Private Equity Companies können Einfluss auf das Management der ganz oder teilweise gekauften Unternehmung ausüben. Der Zielsetzung der Gewinnoptimierung bei Beteiligungen steht oft die Erhaltung des Unternehmens und seiner Arbeitsplätze entgegen. Andererseits kann die Beteiligung für neu gegründete Firmen und auch bei Auflösung einer Erbengemeinschaft sehr hilfreich sein.

Real Estate Investment Trusts (Reits): Wie der neu in Umlauf kommende Name schon andeutet, handelt es sich um private Fonds, die sich auf den Erwerb und die lukrative Verwaltung von Grundstücken und Wohn- und Geschäftsgebäuden konzentrieren. Ähnlich wie Private Equity Companies treten sie oft – auch transnational – als »Investoren« auf; tatsächlich sind aber die Eigentümer der Fondsanteile die eigentlichen Investoren.

Basel II: Mit dieser Kurzbezeichnung ist die Gesamtheit der Eigenkapitalvorschriften für Kreditinstitute und Wertpapierhäuser gemeint, die vom internationalen Basler Ausschuss für Bankenaufsicht vorgeschlagen worden sind und gemäß EU-Richtlinie seit dem 1. Januar 2007 in den Mitgliedsstaaten angewendet werden. Durch Basel II werden die Kapitalanforderungen an Banken stärker vom eingegangenen Risiko abhängig gemacht und neuere Entwicklungen an den Finanzmärkten und im Risikomanagement der Institute berücksichtigt.

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Beaufsichtigt die neuen Großspekulanten! - Die wild wuchernden und global agierenden Fonds müssen genauso überwacht werden wie die Banken und der Wertpapierhandel. Das ist ein Gebot der Vernunft und der Moral. Von Helmut Schmidt »