Globale Finanzmärkte Beaufsichtigt die neuen Großspekulanten!Seite 5/5
Diese Feststellung soll keine neuen Ängste auslösen. Wohl aber muss sie zu dem Appell an die Regierenden führen, für mehr Durchsichtigkeit zu sorgen und ihren staatlichen Finanzaufsichtsbehörden die Möglichkeit zu geben, gegen Missbräuche einzuschreiten und das Eingehen unvernünftiger Risiken zu unterbinden. Es grenzt an groben Unfug, wenn jede kleine Sparkasse unter alltäglicher Aufsicht durch die Behörde steht, andererseits aber hundertmal finanzkräftigere private Finanzinstitute vollkommen frei agieren können.
Zwar wäre es dringend zu wünschen, die praktisch steuer- und aufsichtsfreien Inseln abzuschaffen, jedoch besteht dafür einstweilen wenig Aussicht auf Erfolg – handle es sich um souveräne oder quasisouveräne Staaten in der Karibik, in Europa oder sonstwo. Wohl aber könnten die Regierungen der großen OECD-Staaten den Banken und Versicherungen im eigenen Lande verbieten, privaten Finanzinstituten Kredite zu geben, die sich durch einen rechtlichen Sitz auf jenen Inseln der Aufsicht der eigenen Regierung entziehen. Unsere Regierungen können darüber hinaus im eigenen Land ganz allgemein die Kreditaufnahme von Hedgefonds, Private Equity Fonds und dergleichen beschränken. Sie könnten jeden, der im Inland einen Fondsanteil, ein Zertifikat oder Ähnliches zum Kauf anbietet, unter den gesetzlichen Zwang stellen, das damit verbundene Risikopotenzial zu veröffentlichen. Mit einem Wort zusammengefasst: Die Regierungen der großen Staaten der Welt könnten Rahmenbedingungen fixieren und ihre Befolgung beaufsichtigen lassen. Bisher gibt es allerdings keinen ernsthaften Willen, in dieser Richtung gemeinsam vorzugehen. Dass Deutschland innerhalb der eigenen Grenzen einige Beschränkungen vorgeschrieben hat, ist zwar lobenswert; es kann uns aber nicht vor internationalen Finanzkrisen bewahren, die aus der gefährlichen Ballung von Risiken der neuartigen Finanzinstitute in New York und London entstehen können.
Transnational sich auswirkende Finanzkrisen können in den Euro-Raum und nach Deutschland durchschlagen. Deshalb haben wir ein vitales Interesse daran, dass die wild wuchernden und global agierenden Fonds in ähnlicher Weise unter Aufsicht kommen wie Banken und Versicherungen oder der Wertpapierhandel. Gegenwärtig kann niemand ausschließen, dass ein einzelner Kollaps, ein einzelnes dramatisches Ereignis, eine katastrophale politische Entwicklung im Raume zwischen dem Gaza-Streifen und Afghanistan oder eine neue Ölpreisexplosion eine Finanzkrise auslöst.
Dass wegen der neuartigen Finanzinstitute ernste Besorgnisse realistisch sind, haben einige der Finanzmanager indirekt eingeräumt; das zeigen seit 2005 zum Beispiel die Wohlverhaltensregeln (»sound practices«) der privaten Managed Funds Association in Washington und der Corrigan-Report (benannt nach einem Vorstand von Goldman Sachs in New York). Beide Initiativen empfehlen lediglich, dass die Fondsbranche sich selbst reguliert. Die US-amerikanische Regierung hat eine »Presidents Working Group on Financial Markets« eingerichtet; die britische Finanzaufsichtsbehörde hat ein Diskussionspapier über Hedgefonds vorgelegt. Auf deutsche Initiative gibt es seit 1999 unter den Finanzministern und Notenbank-Gouverneuren der G8-Staaten ein Forum für Finanzstabilität. Tatsächlich ist aber bisher keinerlei durchschlagender Erfolg erzielt worden. Deshalb haben die Bundeskanzlerin und der Finanzminister recht, wenn sie das Problem auf die internationale Tagesordnung setzen.
Man wird jedoch erleben, dass die Regierungen in Washington und London sich dagegen sträuben, weil sie die Gewinne der Investmentbanker und Fondsmanager als in ihrem nationalen ökonomischen Interesse liegend ansehen. Wahrscheinlich würden sie erst dann handeln, wenn das Kind bereits im Brunnen liegt. Umso mehr bedarf es der Beharrlichkeit der Bundesregierung. Genauso wie der globale See- oder Luftverkehr strikten Sicherheits- und Verkehrsregeln unterliegt, bedarf der globale Kapitalverkehr der Regulierung, damit Katastrophen vermieden werden. Das ist ein Gebot der vorsorgenden Vernunft – von Anstand und Moral ganz zu schweigen.
ZUM THEMA
Die spekulativen Methoden der Geldvermehrung
- Glossar
»
- Datum 09.12.2008 - 11:12 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 01.02.2007 Nr. 06
- Kommentare 52
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Stimmt genau. Aber mit dem 12 Billionen USD in den Pensionsfonds wedeln sie mit den Auslandsbörsen wie der Hund mit dem Schwanz. Oder nicht?
richtig ist, dass unser Rentensystem eher einem Kettenbrief als einem Derivat ähnelt. Derivat wäre hier ja noch ein Glücksfall für die Nächsten.
Zu Soros: Eine durchgedrückte Abwertung - wenn die Politiker mogeln wollen - wäre noch eher ok, wenn es auch beim Dollar funktionieren würde. Aber da traut sich die Truppe nicht ran...
@Devin:
Auch Sie müssen offenbar ein veraltetes Symbolsystem anwenden. (Und auch das wird missverstanden).
@Devin:
Auch Sie müssen offenbar ein veraltetes Symbolsystem anwenden. (Und auch das wird missverstanden).
Trotzdem um wider zu versuchen, Sie nicht zu verfuehren:
1. Obwohl wir keiner Kirche oder Religion angehoeren (Sie warfen uns vor Protestanten zu sein), tut es uns weder leid noch haben wir uns bemueht, zu verhindern dass unsere Tochter in eine katholische Familie geheirat hat.
2. Lieber, guter Ire, Devin, die bayrische Landschaft ist viel, viel schoener als die Landschaft in Irland. Trotzdem ist Irland ein besseres Land. Es muss wohl and den Einwohnern liegen.
3. Nein, Sie haben keinen 'wunden Punkt', was immer das ist, getroffen. Da koennen Sie es sicher sein.
Mit besten Wuenschen, moege es Ihnen und all den ZEIT-Lesern und ihren Redakteuren wie Ulrich und Thomas, die meisten meine Feinde sind wie Sie, immer gut gehen! Hoffentlich getrennt von und ohne uns!
war hat ein 'h'. Es schreibt sich 'wahr'. Meine Finger stolpern immer mal. Ohne Absicht.
Wolken ziehen!
Franz Josel Strauss wich diesem Thema leider immer wieder aus!
Aber: die USA haben ueberbordend Geraet und deswegen ist die Handelsbilanz ja auch nicht in Ordnung!
Hysterikerin Hillary Clinton will umkrempeln, gegen den Willen des Senats!
Eine Trennung sollte und muss daher kommen!
Wenn das nicht geschieht, werde ich mich selber melden!
Seit dem Absolutismus standen sich Geldpolitik und Kriegspolitik nicht mehr so nahe, allerdings mit gewissermaßen umgekehrten Vorzeichen. Und ich glaube, es wird einem Greenspan – in seiner Eigenschaft als ehemaliger US-Finanzminister eine Geld -, resp. Zinspolitik zugeschrieben, die ausschließlich das Ziel hat, eben jene Spekulationsblase nicht platzen zu lassen. Denn sollte diese platzen, dann wäre das schlimmer als ein 3. Weltkrieg, wenn dies nicht ehe der Auslöser eines solchen dann wäre. Und in diesem Zusammenhang sollte nicht übersehen werden, dass auch die Euro-Einführung eine Maßnahme zur Geldentwertung war, was wohl durch offizielle Statistiken abgestritten werden soll, aber umso mehr dem gewöhnlichen Verbraucher längst klar geworden ist. Und eben dies war vorerst der letzte europäische Beitrag um einem weltweit schlechtem Geld gutes Geld hinter her zu schmeißen, denn letztendlich geht es um die Spargroschen der Europäer- insbesondere der Deutschen – die da noch zu holen wären. Und genau in diesem Sinne muss man (auch) die Rentenreformen 1-X sehen; denn das meiste Geld sollen die Rentner noch haben, allerdings nicht in Form von Wertpapieren, sondern als schnöder Spargroschen, und damit für das heutige Geldkapital (in dem die Kreditfinanzierung kaum noch Bedeutung hat) unfruchtbar. Einfache Logik: Zwingen wir diese Sparer doch einfach solange in die Knie, bis sie ihr gutes Geld-Geld in wertloses Papier-Geld umschichten (Stichwort: Riesterrente und andere Unsinnigkeiten), dann könnte so ein Enron-Skandal II in Deutschland vielleicht das bewirken, was Enron I für Amerika schon mal geschafft hat, nämlich die im großen Stile Enteignung solcher als Rentiers Abgeschriebene (Und vielleicht versteht auch mancher jetzt jenen besser, der da vom „Löffel abgeben“ schwafelte). Und im Übrigen sind auch die diversen Kriege dazu geeignet das Platzen der Börsen- wie auch der Grundstücksspekulationsblase entgegen zu wirken. Ein Krieg schafft da ständig neuen Bedarf am Bauen (Gebäude, Pipelines usw.). Positives Nebenergebnis: Wo auf Konsum spekuliert wird, werden Kredite getätigt und diese wiederum beleben einen sekundären Konsum – soweit die produktive Seite. Aber der Haupteffekt ist das Weiterspekulieren auf hohem Niveau, damit den Herrschaften nicht das Spielgeld ausgeht, das ja nur in seiner typischen, also zum Beispiel Optionsform was wert ist. Und das Beispiel des ins Gerede gekommen Immobilienfonds der Deutschen Bank, der so einigen „Gläubigen“ viel Geld gekostet haben wird, macht deutlich, dass da immer wieder einzelne Ventile gelüftet werden. Wer auf solchem Parkett also spekuliert, kann nur ein Verlierer sein oder er gehört zu den Insidern des Geschäfts, oder zu den ganz wenigen Glücksrittern a la Soros; denn es geht letztlich nicht um Realinvestitionen, die sich dann irgendwann mal vielleicht in einer Produktion erfolgreich niederschlagen, sondern um ein rein spekulatives Geschäft mit dem Geld der andern. Die Welt ein einziges Spielkasino – und auch hier gilt: Es gewinnt eigentlich nur die Bank!
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren