Wer wissen will, wie das Weltklima wird, schlägt bei den Vereinten Nationen nach: Die großen Berichte des UN-Klimarats IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) gelten als das definitive Wort zum Stand der Forschung – zumindest für einige Jahre, bis der nächste Bericht erscheint. Am 2. Februar ist es wieder so weit: Der vierte Sachstandsbericht (Assessment Report, AR4) des IPCC wird in Paris der Öffentlichkeit vorgestellt. Zeugen des Klimawandels: Klägliche Schneereste am Hochjochferner im Südtiroler Schnalstal BILD

Der 3000 Seiten starke Wälzer bündelt den Wissensstand der Klimaforschung. Doch seine Verfertigung ist keineswegs eine rein akademische Übung. Gerade jetzt, wo der Klimawandel in der öffentlichen Wahrnehmung zum Menschheitsproblem Nummer eins aufrückt, liefert der AR4 die wissenschaftliche Basis für unzählige politische Weichenstellungen, national und international – unter anderem für die anstehende Nachfolge des Kyoto-Protokolls. Es sind längst nicht mehr nur Umweltbewegte, die sich um das Klimaproblem kümmern. Beim World Economic Forum in Davos diskutierte die Prominenz der globalen Wirtschaft über Kohlendioxid und Zehntelgrad Celsius statt wie früher über Deregulierung und Bruttoinlandsprodukte. Sogar US-Präsident Bush hat den menschengemachten Klimawandel neuerdings als »ernste Herausforderung« erkannt.

Der nun fertiggestellte erste Teil des IPCC-Reports behandelt die wissenschaftlichen Grundlagen. Band zwei und drei, zu den Auswirkungen der Erderwärmung und zu den möglichen Gegenstrategien, folgen in Abständen von einigen Monaten. Politisch besonders heikel sind die je 30 Seiten kurzen Zusammenfassungen (Summaries for Policymakers) der drei Teile. Über Zusammenfassung Nummer eins verhandelten in Paris eine Woche lang rund 500 Politiker und Wissenschaftler. Juristen wachten über jedes geschriebene und gesprochene Wort. Bei den Debatten wird bis in die Nacht um Formulierungen gerungen. Dabei lernten die Klimaforscher, dass ihre Ergebnisse nicht nur zutreffend, sondern auch konsensfähig sein müssen.

Deutschland wird dabei unter anderem von Abgeordneten des Umwelt- und des Forschungsministeriums vertreten. Durch das starke Engagement der nationalen Regierungen sehen Kritiker die Kompetenz des IPCC zur Politikberatung gefährdet. Ihr Verdacht: Die Berater sind letztlich mit den Beratenen identisch.

Konfliktstoff steckt jedoch nicht nur in den Resümees, sondern auch im IPCC-Bericht selbst. Bevor die Forscher zum Zug kommen, schachern die Politiker: Die Auswahl der Autoren obliegt IPCC-Funktionären, also Vertretern der Nationalstaaten. Wie fragwürdig es ist, wenn Politiker ihre Berater selbst berufen, wissen Soziologen aus früheren Untersuchungen. »Politiker beauftragen meist Forscher, die ihre eigene Überzeugung teilen«, sagt Peter Weingart von der Universität Bielefeld.