Kaleidoskop Ein Damm ist gebrochenSeite 2/2


          Angestellte der Wochenzeitung Agos trauern um den Gründer, Herausgeber und Kollegen
          Hrant Dink
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Angestellte der Wochenzeitung Agos trauern um den Gründer, Herausgeber und Kollegen Hrant Dink .

Der Mörder Hrant Dinks, Ogün Samast, ist erst 17 Jahre alt. Er wuchs in diesem Klima auf, das heute selbst Leute erschreckt, die sich politisch zur Rechten zählen. Avni Özgürel hat früher für die rechtsextreme MHP und ihr Umfeld geschrieben, die ideologische Ecke, aus welcher der Mörder kommt. Heute beklagt Özgürel, dass »nationale und religiöse Werte« für Jugendliche wie Ogün Samast nur Beiwerk der Gewaltanwendung seien und macht die Politik dafür verantwortlich. Ali Bulaç, einst Vordenker türkischer Islamisten, sagt nun, die Türkei sitze der eigenen Propaganda auf und halte sich für tolerant. Dabei reiße »die Kette politischer Morde nicht ab, und selbst Priester werden Opfer von Attentaten«.

Niemals zuvor hat die Türkei die eigene politische Kultur so schonungslos analysiert. Niemals zuvor wurden sakrosankte Wörter wie »Türkentum« und »Türke« so offen hinterfragt. Taner Akçam, ein türkischer Historiker, der in den USA über das Schicksal der Armenier forscht, schreibt, die Türken seien aufgefordert, sich endlich zu entscheiden, wie sie ihr Türkentum verstehen wollten: »Für die, welche Hrant ermordet haben, bedeutet Türkentum Verbrechen. Für sie heißt Türkentum, die Gruppe, die sie als Feind bestimmen, zu vernichten.…Wir wissen, dass wir auf unser Türkentum nur in dem Ausmaß stolz sein können, in dem wir uns von diesen Mördern distanzieren.«

Wie die Türken sich selbst begreifen, ist für Angehörige der Minderheiten lebenswichtig. Etyen Mahçupyan, wie Dink Journalist und Armenier in Istanbul, soll dessen Amt als Chef der Wochenzeitung Agos übernehmen. Wenn Hrant Dink und er mit den Vertretern der armenischen Diaspora zusammengekommen seien, schreibt er, habe sich das Gespräch oft an der Frage festgebissen, ob »die Türken« andere eines Tages als gleichberechtigt anerkennen könnten. »Wie kann ich davon absehen«, fragt Mahçupyan, »dass jene, die mir am nächsten stehen, Türken sind, mit denen ich meine Gedanken und Gefühle teile? Natürlich können sich die Türken ändern, doch ob sie jene ›anderen Türken‹ ändern können, weiß ich nicht.« – »Die Frage ›Völkermord, ja oder nein?‹ ist ab heute für mich Nebensache«, schreibt Mahçupyan. »Für uns Armenier ist es jetzt wichtig, welche Türken in Zukunft unsere Geschicke in diesem Land bestimmen.«

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Leser-Kommentare
  1. Was mich zunaechst erstaunt, dann aber eben auch erbittert, ist, dass all jene, die Kritiker der Tuerkei als Rassisten abstempeln, versuchen zu diffamieren, sich jetzt garnicht mehr melden!

    Ich wuerde mich freuen, wenn die Tuerkei der EU beitritt:

    dann, wenn die Tuerkei soweit ist!

  2. Istanbul (RPO). Türkische Polizisten haben mit dem mutmaßlichen Mörder des armenisch-türkischen Journalisten Hrant Dink für Videoaufnahmen posiert. Die Bilder zeigen die Männer, wie sie eine türkische Flagge halten und nationalistische Äußerungen tätigen.

    [ Wir können leider nicht alle Verweise auf andere Internetseiten prüfen. Bitte haben Sie Verständnis, dass Links gelöscht werden. gez. Die Redaktion ]

    Der EU-Zug ist sowas von abgefahren, da kann auch die Zeit nicht mehr helfen

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