Majestät wünschen Emanzipation
Hier ist Rabat, ein Saal im Basarviertel der alten Königsstadt, und hier beginnt eine Revolution, auch wenn die Revolutionäre nicht gerade nach Umsturz aussehen. Zinab Hidra zum Beispiel: Ihr Körper versinkt in einem beigeweißen Gewand, ihr Kopf ist in keusches Tuch gewickelt, nur die kräftigen Brauen und die vollen Lippen liegen frei. Zinab Hidra greift nach dem Mikrofon und sagt mit milder Stimme: »Ich möchte lehren, dass der Islam eine friedliche Religion ist.«
Ein harmloser Satz? Aus dem Mund einer Frau wird er zu Sprengstoff für das Establishment der islamischen Gelehrten. Denn Schauplatz dieses Anschlags auf die Tradition ist kein geringerer Ort als das Ministerium für islamische Angelegenheiten, mitten im Basar gelegen. Über den Gästen wölbt sich eine achteckige Kuppel, auf dem Podium hängen ein Porträt des Königs und die Nationalflagge. Vor der politisch korrekten Kulisse gratuliert jetzt der Religionsminister 150 Studenten, die nach erfolgreichem Studium gerade zu Lehrern des Islams, zu Predigern geworden sind.
Alles hat seine Ordnung: die gottgefälligen Ansprachen, die Anrufung des Propheten, die Aushändigung der Zeugnisse, der wohlgesetzte Beifall. Doch die Umstürzler sitzen mitten im Saal. Sie freuen sich über die Glückwünsche des Ministers. Sie halten Dankesreden vor Honoratioren, Imamen und Koranschülern. Sie besitzen die gleichen Zeugnisse wie die männlichen Studenten. Es sind Umstürzlerinnen, es sind die Frauen.
So nicht!, grollt der strengkonservative Fernsehscheich Jussuf al-Qaradawi aus dem fernen Qatar herüber. Sakrileg!, ruft der Leiter der ehrwürdigen Al-Azhar-Institution zu Kairo, Mohammed Tantawi. Ein Verstoß gegen den Geist des Islams!, finden die wahhabitischen Religionswächter in Riad. »Das sehen wir anders«, entgegnen die künftigen Islamlehrer in Rabat. Willkommen in Marokko!
Als Land der Putsche und Revolutionen hat sich das Königreich bisher keinen Namen in der Welt gemacht. Fast vierzig Jahre hielt König Hassan II. es fest im Griff, seit 1999 regiert sein ältester Sohn als Mohammed VI., doch dieser findet wenig Gefallen an der erstarrten Herrschaft, die er von seinem Vater geerbt hat. Mohammed baut Marokko um, von oben, wie es hierzulande Sitte ist, vorsichtig, damit seine Macht nicht in Gefahr gerät, und mit einer aufgeklärten Weitsicht, an der es anderen arabischen Herrschern – auf Bajonette gestützten und von Endzeitängsten geplagten Diktatoren – mangelt. Und auch dies ist eine marokkanische Besonderheit: Mohammed VI. ist nicht nur König, sondern auch das geistliche Oberhaupt der Marokkaner. Vielleicht ist es seine religiöse Unangreifbarkeit, die ihn Reformen ausgerechnet da vorantreiben lässt, wo arabische Politiker und islamistische Prediger westliche Stereotype täglich neu bestätigen. Geschlechtergleichstellung? Frauenrechte? Gibt es die in der islamischen Welt überhaupt? Beschränken sich die »Frauenrechte« nicht auf Kinderkriegen, Breirühren, Sockenstopfen?
Nicht in Marokko. An der Nordwestspitze Afrikas entsteht allmählich, vom Westen fast unbemerkt, ein moderneres Frauenbild, das mit dem Islam dennoch harmoniert. Das beginnt mit den jungen Predigerinnen, doch geht es weit über sie in die Gesellschaft hinein, in die Familien, in jedes marokkanische Haus. Eine Besichtigung des neuen Marokko an drei Orten zeigt dies: in den Ministerien der Hauptstadt Rabat, in der modernen, hektischen Wirtschaftsmetropole Casablanca und in der alten, winkligen Handwerkerstadt Salé.
Bleiben wir zunächst in Rabat, bei Zinab Hidra. Sie hat religiöse, aber keine knochenkonservativen Eltern. Sie finden es ganz fabelhaft, dass ihre Tochter das Predigerexamen bestanden hat. »Aber es war ganz allein meine Entscheidung«, sagt Zinab Hidra. Der Islam, findet sie, könne Marokko voranbringen. Sie meint nicht den radikalen Islamismus, der in den Vororten von Casablanca wuchert? Zinab Hidra schüttelt den Kopf: »Der Islam fordert, die anderen genauso zu respektieren wie uns selbst.« Von fundamentalistischen Brandreden in den Slums fühlt sie sich bedroht. Deshalb würden Studenten wie sie vom Staat ausgebildet: »Damit wir gegen den Hass predigen.«
Im Unterricht und in den Examina saß Zinab Hidra neben ihren männlichen Kommilitonen, die Frauen mit Kopftuch, die Männer mit Fes. »Der Islam verbietet Männern und Frauen nicht, nebeneinander zu sitzen.« Gleichstellung total? Nicht ganz. Mit uneingeschränkt gleichen Rechten tut sich das Religionsministerium noch schwer, etwa am heiligen Freitag. Nach einer Fatwa, einem Rechtsgutachten des hohen Rats der marokkanischen Religionsgelehrten, dürfen nur Männer das Freitagsgebet leiten.
»Frauen müssen das Gebet nicht unbedingt leiten«, sagt Zinab Hidra, »das ist keinen Deut besser oder höher als unsere Aufgaben.« Als da wären: die Lehre in Schulen, Moscheen, Universitäten, die Auslegung des Korans, die Botschaft des Islams. »Da geht es nicht immer um den Glauben«, sagt Zinab Hidra. Oft muss sie erklären, was sich in der Gesellschaft verändert. So übt sie Einfluss aus, zum Beispiel, wenn die Leute wissen wollen, wie sie ihre Probleme lösen können, was der Koran zu dieser oder jener Lebenslage sagt – oder wie das neue Familienrecht funktioniert.
Das Familienrecht? Was gibt es da in der Moschee zu erklären? »Früher haben die Männer der Familie – Vater, Bruder, Onkel – die Frauen einfach eingesperrt«, sagt Zinab Hidra. Das gehe heute nicht mehr so einfach. Frauen hätten nun klar formulierte Rechte gegenüber Männern. Und das sei nicht antiislamisch: »Das Gesetz beruft sich ausdrücklich auf den Koran.« Das Problem liege ganz woanders. »Manche Männer glauben nun, sie seien völlig entrechtet, manche Frauen glauben, sie könnten sich alles erlauben. Beide Seiten irren.«
Moudawana – das ist das marokkanische Zauberwort. Moudawana, das ist das Synonym einer neuen Zeitrechnung in Marokko. Moudawana heißt Familienrecht, doch es meint mehr: die Gleichberechtigung der Geschlechter. Das ist wichtig in einem Land, in dessen Dörfern die meisten Frauen immer noch nicht lesen und schreiben können, wo manche Väter und Onkel gern Töchter und Nichten minderjährig verheiraten, wo Ehemänner Gewalt gegen die Ehefrau nicht selten für ein Naturrecht halten. Die Moudawana ist, kaum dass sie nun gut zwei Jahre gilt, schon Legende. In den meisten anderen Ländern der arabischen Welt wäre sie schlicht nicht durchzusetzen. Das neue Familienrecht Marokkos macht den einen Angst, den anderen Hoffnung. Ob es Erfolg hat, entscheidet nicht der Gesetzesbuchstabe, sondern allein der Alltag in den Familien und in den Gerichten.
Adieu, Rabat. Salam, Casablanca! Saadia Wadah treibt ihren silbernen Toyota durch den Stau, schaltet hin und her zwischen erstem und zweitem Gang, um im Takt von Casablanca mitzuhalten. Die 49-Jährige ist dezent europäisch geschminkt, trägt ein Nadelstreifenkostüm, die blondbraunen Haare fallen offen auf die Schultern. Sie fährt zum Familiengericht in Habouz, einem Stadtteil des Millionenmolochs am Atlantik. Die Durchsetzung der Moudawana ist auch ihre Sache, sie arbeitet als Anwältin für Familienrecht. »Das Gesetz hat die Lage für meine Klientinnen radikal verbessert.«
Anwältin in Marokko – das ist ihr nicht in den Schoß gefallen. Ihr Vater arbeitete als Reisebusfahrer, ihre Mutter war Hausfrau. Sie half ihr bei der Erziehung ihrer drei Kinder, die jetzt schon fast erwachsen sind. Ihr Mann arbeitet als Urkundsbeamter bei Gericht. Saadia Wadah gehört nicht zu jener marokkanischen Bourgeoisie, die französischsprachige Schulen besuchte, in Frankreich studierte und dann bei der Rückkehr die von den Eltern eingefädelten Jobs antrat. »Ich war schon immer links.« Und linke Anwälte arbeiten etwas anders als rechte, meint sie. »Ich versuche meine Mandantinnen vor unbelehrbaren Richtern und den Machthabern daheim zu schützen.«
Was also bringt das neue Recht?
Der König lebt seinem Volk eine moderne Ehe vor
Saadia Wadah spreizt ihre Hand am Steuerrad und zählt an den Fingern ab. Ehen dürfen nicht mehr einfach in der Moschee, sondern müssen vor Familiengerichten geschlossen werden; das Heiratsalter wird auf 18 Jahre heraufgesetzt; Frauen brauchen nicht mehr die Zustimmung eines männlichen Familienmitglieds zur Heirat; Vielehen werden nur noch in Ausnahmefällen erlaubt; Frauen können von sich aus die Scheidung beim Familiengericht einreichen; die Ehe kann aufgelöst werden, wenn sie zerrüttet ist, und nicht nur, wenn beide es wollen; bei der Scheidung wird das gemeinsam erwirtschaftete Eigentum aufgeteilt; die Frau darf das Sorgerecht für die Kinder ebenso beantragen wie der Mann; sie und die Kinder haben das Recht auf Unterhalt nach der Ehe.
»Ein Katalog«, sagt Saadia Wadah, »der die alten marokkanischen Verhältnisse vom Kopf auf die Füße gestellt hat.« Diesen Katalog hat das Parlament mit seinen Königstreuen, Sozialisten, Konservativen und Islamisten vor knapp drei Jahren zwar verabschiedet, aber diktiert wurde er nach jahrelangem bitteren Streit von seiner Majestät höchstselbst. Als Juristin und als Linke ist Saadia Wadah strikt gegen die quasiabsolutistische Macht des Königs, aber sie weiß auch: »Ohne ihn hätten wir nie dieses Gesetz bekommen.«
Was ist das für ein König, der aus einer jahrhundertealten Dynastie stammt und erst 43 Jahre alt ist, der mit ererbter autoritärer Allmacht und behutsam-fortschrittlich zugleich regiert?
Auf Casablancas Straßen ist er kaum präsent. Aus dem Fenster von Saadia Wadahs Auto sind nur Werbeplakate zu sehen, keine Monarchenbanner. Einen Personenkult wie in anderen arabischen Ländern will Mohammed VI. vermeiden, und dennoch ist er eine Kultfigur geworden. Der König hat gleich bei Amtsantritt 1999 die Diskussion über die Geschlechtergleichheit eröffnet, er hat die Moudawana durchgesetzt, er hat eine intelligente Frau geheiratet und lebt seinem Volk eine moderne Ehe vor.
Seine oft jugendlichen Fans, aber auch die Medien sprechen gern von M 6 – das steht für Mohammed VI. Stück für Stück entfernt er die Patina, die sich in den Jahrzehnten der Herrschaft seines Vaters auf das Land gelegt hat. Hassan II. hatte eine Frau, die sich in konturlosen Stoffballen zu verstecken pflegte und fast nie öffentlich zu sehen war. Mohammeds Frau dagegen trägt modische Kostüme und lange, rot schimmernde Haare statt eines Kopftuchs. Wo immer sie auftritt, ist sie ein Ereignis. Sie hat ein Gesicht und einen Namen.
Königin Salma kommt aus kleinen Verhältnissen und hat dennoch gute Schulen und Universitäten besucht. Salma ist Präsidentin der marokkanischen Krebshilfe. Salma, raunt die Presse, läuft schon mal barfuß durch den Königspalast. Salma besucht die Kranken in Marokkos Hospitälern. Salma fährt nach Libyen und plaudert mit Präsident Muammar al-Gadhafi in dessen Zeltresidenz. Salma ist klug, schreiben die Zeitungen – sie spricht dennoch oder gerade deshalb nicht mit den Medien. Was die Marokkaner nicht daran hindert, ständig über ihr schönes Königspaar zu reden. »Alle sagen, das war keine arrangierte Ehe, sondern eine Liebesheirat«, erzählt Saadia Wadah.
Ob das nun stimmt oder nicht – es ist eine schöne, populäre Geschichte und mehr als das, ein lebendes Symbol. Königin Salma und König Mohammed symbolisieren den Bruch mit der marokkanischen Tradition. Und das neue Familienrecht belegt, dass dieser Bruch allmählich auch die Gesellschaft erfasst.
Fast drei Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes ist die Zahl der Scheidungen, in denen der Mann die Frau »verstößt«, sprich: ohne Umschweife an die Luft setzt, deutlich zurückgegangen. Die Scheidungen im »gegenseitigen Einvernehmen« sind gestiegen. Die Fälle von Polygamie werden seltener, aber noch immer heiraten Männer mehrere Frauen zugleich. Saadia Wadah malt nicht rosarot, sie spricht vorsichtig, wie eine Juristin es tun sollte. Aus ihrer Praxis weiß sie um die viel zu vielen Schlupflöcher, die der Gesetzestext lässt.
»Zum Beispiel haben die Richter reichlich Ermessensspielraum. Eine Berufung ist nicht vorgesehen. Das gibt dem Richter sehr viel Macht.« Sie zieht den Schlüssel aus dem Zündschloss. Wir stehen vor dem Familiengericht von Habouz. Das massige Gebäude aus den vierziger Jahren liegt in einem dicht bebauten Viertel mit alten, nur nachlässig gepflegten Wohnhäusern. Erster Eindruck auf dem Platz: viele Menschen. Erster Eindruck im Gebäude: noch viel mehr Menschen.
In der Halle steht die Tür zu einem voll besetzten Verhandlungssaal offen. Auf dem Podest sitzen die Richter in ihren grün-schwarzen Roben, auch eine Richterin ist darunter. »Eheverträge, Scheidungen, das Sorgerecht, Unterhaltspflichten – alles wird hier verhandelt«, erzählt Saadia. Enge Korridore, überall Menschentrauben. Frauen und Männer warten auf Richter. Einige sprechen mit ihren Anwälten. Ein Ehepaar streitet noch vor der Tür des Gerichtssaals. Drei Frauen haben es sich auf einem Treppenabsatz bequem gemacht.
Fatima, die ihren richtigen Vornamen nicht in der Zeitung lesen möchte, kommt gerade aus der Verhandlung – aufgeregt, sie war noch nie vor Gericht. Dort stand eben ihre 27 Jahre alte Ehe zur Verhandlung. Fatima hat mit 17 geheiratet und fünf Kinder geboren. Zwei davon leben noch mit ihr daheim. Warum will sie sich scheiden lassen? »Nun, es war sowieso keine Liebesheirat«, sagt Fatima. »Eine Vernunftehe wie so viele.« Ihre Augen sind groß und weich, sie trägt ein hellblaues Kopftuch über ihrem langen, bestickten Kostüm. »Seit einiger Zeit ist es nur noch unerträglich.«
Ihr Mann spiele den Pascha, befehle nur noch, schlage sie regelmäßig, spreche nicht mehr mit ihr – es sei denn, um sie zu beleidigen. Die Kinder hätten Angst vor ihm. Bei einem Streit neulich habe er ein Messer gezogen und sie bedroht: »Wenn du so weitermachst, stirbst du.« Da sei es aus gewesen, »ich habe sofort die Koffer gepackt«. Der Richter habe ihr »sehr geholfen«. Zunächst versuchte er zu schlichten und fragte nach ihren Gründen. Da brüllte ihr Mann dazwischen und beschimpfte Fatima. »Der Richter hat ihn zurechtgewiesen.« Dann hat er ihnen zehn Tage zum Nachdenken gegeben. So ist es Gesetz. »Danach lasse ich mich scheiden.«
Eine Trennung in Marokko dauert drei Monate. Auch das ist Gesetz. Fatima hat das Sorgerecht für die jüngsten Kinder beantragt und das Haus, in dem sie leben. Sie möchte auch, dass ihr Mann ihr Unterhalt zahlt, weil sie ihr Leben keinem Beruf, sondern allein den Kindern gewidmet hat. »Er will das natürlich nicht, er will die Kinder, das Haus, alles!« Doch sie vertraut auf das neue Familienrecht. Und auf ihren Richter.
Nicht zu Unrecht, das zeigt der Fall von Chadija. Sie hat alles schon hinter sich. Frisch sieht sie aus, die 40-jährige Doktorandin der Volkswirtschaft, ihre Haare sind kurz getrimmt und rot getönt, auf ihrem schwarzen T-Shirt, dem knappen Sommerrock und der Brille prangen Designernamen. Sie hat sich gerade im Gericht die Scheidungsurkunde abgeholt.
Wie ist es gelaufen? »Glatt«, sagt sie trocken. Der Richter fragte, warum sie die Scheidung einreichte. »Ich sagte, ich will mich trennen, bevor das Verhältnis zu meinem Mann ganz ruiniert ist.« Da zögerte der Richter und verlangte, dass sie sich aussöhnten. Sie bekam Angst. Nach dem alten Familienrecht durfte der Mann seine Frau jederzeit verstoßen, die Frau dagegen musste Jahre auf die Scheidung warten. Hatte sich etwa nichts verändert? Chadija protestierte. Doch der Richter wollte nur, dass jemand aus der Familie die Zerrüttung der Ehe bezeugte. »Mein Bruder kam und bestätigte das.« Jetzt ist sie geschieden, sie hat das Sorgerecht für ihre drei Kinder – und darf das Haus behalten, in dem sie wohnt. Bis zum 18. Lebensjahr der Kinder muss ihr Mann Unterhalt zahlen. Das neue Familienrecht? »Feine Sache«, sagt Chadija.
Aounir weiß nicht so recht, ob sie hoffen oder heulen soll. Die 19-Jährige biegt, in ihre schwarze Lederjacke vergraben, die Spitzen ihrer weißen Mokassinschuhe nach innen. Ihre Hände sind rau und dunkel von der Sonne. Sie sei ins Gericht geflüchtet. »Mein Mann schlägt mich, er verlangt von mir Dinge im Bett, die ich nicht will, er schließt mich zu Hause ein.« Sie will eine schnelle Scheidung. Kinder hat sie keine, auch keine Ansprüche, sie will nur weg, weg, weg. Was danach sein wird, weiß sie noch nicht.
»Nur nicht heiraten«, sagt sie und nimmt ihren Stolz zusammen. »Ich will als Hausmädchen arbeiten, um meinen Eltern die Mitgift zurückzuzahlen.« Aounir kommt aus einem der armen Vororte von Casablanca. »Meine Eltern sind traurig über die Scheidung, aber einverstanden.«
Das war wichtig für sie, denn Mutter und Bruder hatten die Heirat vermittelt und sie dazu überredet. Der Ehemann ist ihr zehn Jahre älterer Cousin. Das verstößt nicht gegen das neue Familienrecht, wohl aber ein anderes Detail. Aounir war bei der Hochzeit, die nach neuem Recht geschlossen wurde, erst 17 Jahre alt – keine 18, wie es nun vorgeschrieben ist. »Der Richter«, sagt Aounir, »hat es damals einfach erlaubt.« Saadia Wadah schüttelt den Kopf über diesen Fall. »Das Familiengesetz ist das eine, Recht bekommen und es durchsetzen das andere.« Die Schwäche des Gesetzes: Vieles hänge vom Ermessen des Gerichts ab.
Im ersten Stock des Familiengerichts hat ein Richter sein Büro. Nach einer kleinen Weile kommt er aus der Verhandlung, grüßt freundlich, möchte aber anonym bleiben. Seinen Beruf beschreibt er so: »Ich bin Versöhner und Vermittler.« Er lehnt sich in seinem Stuhl zurück. »Viele sagen, mit dem neuen Familienrecht würden wir Richter zu mechanischen Zerstörern der Ehe.« Das sei eine Verleumdung, antwortet er. Seit der Einführung des neuen Rechts sei die Zahl der Scheidungen sogar zurückgegangen. Die Richter bemühten sich oft, die Ehe zu retten, erst wenn nichts mehr ginge, käme die Scheidung.
Zweifelt er manchmal an seinen Urteilen?
»Ich bin dreißig Jahre im Metier«, sagt der Richter. »Ich entscheide schnell und richtig, glauben Sie mir.« Mit dieser Antwort ist das Gespräch auch schon zu Ende.
Das neue Recht hat die Richter keineswegs verunsichert. Im Gegenteil, ihre Stellung ist stärker als zuvor. Insofern könnten Familienstreitigkeiten auch Glückssache sein, meint Saadia Wadah. »Hat die Frau einen guten Richter, bekommt sie ihr Recht.« Keine Chance hat sie, wenn der Richter eine Schwäche für Geld hat. So fallen Entscheidungen nicht selten zugunsten des zahlungskräftigeren Mandanten aus. Die Bestechung ist nur selten nachweisbar.
Wenig Aussichten haben Frauen auch, wenn sie an sehr konservative oder islamistische Richter geraten. »Die nehmen weniger Geld, dafür haben sie aber gegen Polygamie oder Heirat von Minderjährigen kaum etwas einzuwenden«, sagt Saadia Wadah. Deshalb brauche Marokko dringend eine bessere Ausbildung der Richter. Denn es sei schwer, gegen deren Entscheidungen Berufung einzulegen. »Und da, wo etwas zu machen ist, beginnt meine Arbeit.«
»Glauben Sie mir«, sagt der Richter, ich entscheide schnell und richtig«
Hier endet die Führung der Anwältin durch die neue Welt der Moudawana. Sie muss in eine Verhandlung, verabschiedet sich mit einem festen Händedruck und verschwindet in einem Saal des Familiengerichts von Casablanca-Habouz.
Von der Metropole fährt man in etwa neunzig Minuten nach Salé, das auch am Atlantik liegt. Casa, wie seine Bewohner es nennen, ist der urbane Moloch Marokkos – dagegen wirkt die ehemalige Piratenstadt Salé wie das Museum einer Zeit, die nicht vergehen will. Im Zentrum von Casa machen Banker, Reeder und Großhändler ihre Geschäfte, in den Gassen von Salé handeln die Marketender, die Korbflechter, die Bauern. Casa hat einen Hafen, in den die Welt kommt, Salé hat Gerbereien und Wollfärbereien, die nur findet, wer in die winkligen Höfe vordringt. In Casa steht die größte Moschee der Welt, ein Koloss aus Marmor und Hybris am Atlantik, in Salé besuchen alte Frauen das Sufi-Heiligtum von Sidi Ahmed Benashir, ein Katzenasyl mit geduckten Mauern und Wänden voller Kerzenwachs.
Was bedeutet das neue Familienrecht in einem Ort wie Salé? »Bitte treten Sie doch zur Seite!« Eine Frau in weitem buntem Kleid schafft Platz für den nachfolgenden Anhang. Männer tragen eine Sänfte, darin sitzt ein Baby auf einem mit rotem Samt ausgeschlagenen Sessel – nicht der Thronfolger von Mohammed VI., sondern ein gerade beschnittener Zweijähriger. Unter Bonbonregen und Getöse bahnt sich die Beschneidungskarawane ihren Weg durch die Straßen von Salé.
Es hagelt Glückwünsche von allen Seiten, bis die Großfamilie das Ziel erreicht hat, den souk de la laine, den Wollmarkt. Zwischen Knäueln von Knallrot, Violett und Froschgrün trinkt man hier frisch gepresste Säfte. Im Gewühl vermischt sich das traditionelle Salé mit dem modernen Salé. Neben Kopftuchfrauen flanieren junge Mädchen in kurzen Röcken, zeigen ihre bloßen Beine und die offenen Haare. Manche behutsam, manche derb geschminkt, stehen sie da und kommen ganz ohne Vermittlung irgendeines Onkels aus, um einen jungen Mann kennenzulernen.
Noureddin verweilt hier gern stundenlang und guckt. Das ist Vergnügen und Arbeit zugleich. Er hat mehrere Jobs, er handelt, er fährt Waren aus, und manchmal führt er Touristen durch die Altstadt. Seinen wachen Augen entgeht nichts, alle zehn Minuten klemmt er sich eine Zigarette zwischen die ultrakurz geschnittenen Fingernägel. Der 28-Jährige muss aufmerksam sein, denn er muss für die Mutter mitsorgen. Er bringt ihr jeden Tag Milch und Butter nach Hause, manchmal auch Geld. Er wohnt heute allein in dem Zimmer, in dem er mit seinen vier Geschwistern aufgewachsen ist. Das Singledasein hat er mühsam schätzen gelernt.
»Vor einem Jahr hat sich meine Freundin von mir getrennt«, erzählt er. Aurelie war zehn Jahre älter als er und hatte schon zwei Kinder – von zwei verschiedenen Vätern. »Als ich ihr irgendwann über war, verließ sie auch mich«, sagt Noureddin und schaut etwas verlegen auf seine Sandalen. »Bloß gut, dass wir nicht verheiratet waren.« Wegen des neuen Familienrechts?
Er zeigt auf ein Lokal am Marktplatz. »Reden wir da weiter.« Im Café Central treffen sich die Männer, wenn auf dem Markt die Tische hochgeklappt werden. Mehrere liegen auf Teppichen und spielen Backgammon. Andere stehen am Fenster und schauen unbewegt auf den Platz – für den Fall, dass irgendetwas passiert. Noureddin sitzt mit Freunden an einem Tisch. Sie trinken schwarzen Tee mit Minzblättern, sie rauchen und diskutieren.
»Schon richtig, wir reden oft über die neue Moudawana«, nimmt Noureddin die Frage auf. »Unsere Eltern warnen uns davor«, sagt Noureddins Freund, »deshalb Regel Nummer eins im Umgang mit Frauen: Alles ist erlaubt außer Heiraten.«
»Die Frauen können einfach abhauen mit der neuen Moudawana«, wirft ein Dritter ein. »Da hatte mein Vater es leichter. Der ist gegangen und hat alles mitgenommen.«
»Na ja, früher war es auch nicht so simpel. Da fragte man den Mann, wie viele Kamele und wie viel Land er mit in die Ehe brachte. Heute bringt jeder seine Hälfte ein, egal ob Mann oder Frau.«
»Das ist das Problem: halbe-halbe. Lässt sie sich scheiden, nimmt die Frau von allem die Hälfte mit.«
»Wenn du Geld hast! Hast du keines, ist es sowieso egal.«
»Falsch! Dann kann sie auch noch die Kinder mitnehmen und wohnt in der gemeinsamen Wohnung. Und der Mann muss ausziehen.«
»Freunde, heiraten muss man sowieso nur auf dem Land. Da lebt man noch etwas rückständig. Hier in der Stadt«, sagt Noureddins Freund und schaut hinaus auf den Wollmarkt, »kommt man doch auch so auf seine Kosten.«
»Willst du keine Kinder?«
»Doch, aber ich habe keinen festen Job, um sie zu ernähren.«
»Dann bekommst du vielleicht eine Frau für eine Nacht, aber keine fürs Leben«, sagt Noureddin.
Er steht auf, es ist Zeit zu gehen. Noureddin hat das mit dem Job nicht nur so dahingesagt. Seine jüngere Schwester hat sich gerade nach nur drei Monaten Ehe scheiden lassen. Ihr Mann hatte eine feste Arbeit und ein kleines Vermögen vorgetäuscht, um sie zu heiraten. Als der Schwindel aufflog, ging sie zum Scheidungsrichter. Ihr Mann fühlte sich dermaßen blamiert, dass er einfach verschwand. Dann wurde er in Abwesenheit geschieden und noch zu Schadensersatz verurteilt. Seine eigenen Rechte im Scheidungsprozess hat niemand vertreten.
Hier ist die andere Seite der Moudawana: Viele Männer reden davon, hegen die größten Befürchtungen, kennen ihre Rechte nicht, bemühen sich aber auch nicht, mehr darüber zu erfahren. Das ist ein Problem in Salé und eines in ganz Marokko. Jamila Seftaoui, Projektleiterin der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Rabat, beschäftigt sich damit. »Viele Männer glauben, wenn die Frau das Sorgerecht bekommt, dürfen die Väter ihre Kinder nicht mehr sehen.« Falsch, sagt sie. »Viele Männer denken, nur Väter müssen Unterhalt zahlen, aber nicht Frauen, die selbst Geld haben.« Auch falsch.
Um Eheleute dazu bringen, sich über das Gesetz zu informieren, hat sich die GTZ etwas einfallen lassen. Sie gibt zusammen mit dem marokkanischen Familienministerium ein Buch heraus, das in Städten wie Salé und vor allem auf dem Lande mehr Licht ins Labyrinth des Familienrechts bringen soll. Zwischen Karikaturen, die so manchen kauzigen Brauch, aber nicht den Islam verlachen, stehen die Gesetzestexte in Kurzform auf Arabisch und Französisch.
In den Comics der Aufklärer gucken die Männer dumm aus der Wäsche
In den Karikaturen ist die Frau oft die heitere Person, während der schnauzbärtige Mann dumm aus der Wäsche guckt. Nicht alle erreicht Jamila Seftaoui damit. »Die Analphabetinnen auf dem Lande können auch dies nicht lesen.« Und manche Männer wollen es vielleicht gar nicht. Aufklärung tut also not, darum kümmern sich die GTZ und viele Frauenverbände. Doch Erklärung kommt auch aus anderer Richtung – von den Islamisten.
In Salé hat die halb offizielle spirituelle Bewegung von Scheich Yassine ihre Hochburg. Die Islamisten sind einflussreich, sie werben vor allem um junge Leute. Einer der Parteigänger von Scheich Yassine wartet am Treffpunkt, dem Gefängnistor von Salé. Gegenüber führt der Weg in die engen Straßen eines Neubauviertels. Ein unscheinbares Mietshaus ist das Ziel.
In einer hellen Wohnung im ersten Stock öffnet Nadia Yassine die Tür, die Tochter des hochbetagten, ehrwürdigen Scheichs. Sie trägt eine braune Jacke und eine braune Hose, nicht zu weit und nicht zu eng. Ihr Kopftuch sitzt locker und lässt das Ohr samt Ohrring frei. Ihre Augen sind kräftig geschminkt. Nadia Yassine führt in das Diwanijja-Zimmer und bittet, auf einer gelben Endloscouch Platz zu nehmen. Ein Mann serviert uns marokkanischen Tee.
Nadia Yassine ist, wenn sie auch ganz anders aussieht, eine Art Alice Schwarzer der islamistischen Bewegung. Selbstbewusst, scharfzüngig, nie um das letzte Wort verlegen. Sie kritisiert amerikanische Politik und ist doch oft auf US-Konferenzen anzutreffen. Sie nutzt die engen Freiräume der marokkanischen Monarchie und kritisiert als Antimonarchistin gern den König. Auf einer Konferenz 2005 hat sie das Ende der Monarchie und eine Republik nach iranischem Muster in Marokko vorhergesagt. Sie will als Frau Politik für Frauen machen, aber sie bemäkelt nach Kräften die Moudawana.
»Der Text ist das eine«, sagt Nadia Yassine, »die Erziehung das andere.« Auf dem Land seien rund 80 Prozent Analphabeten. »Die neue Freiheit zu leben, von ihr zu profitieren, das ist das größte Problem vieler Frauen.« Die Hälfte aller marokkanischen Mädchen lebten auf dem Land, sagt sie. Die hätten nur drei Perspektiven im Leben: als Haushälterin, als Ehefrau oder als Prostituierte. »Die Frauen auf dem Land brauchen vor allem Schulen, damit ihnen das neue Gesetz helfen kann.« Nur bessere Erziehung, sagt die Islamistin, könne die Gleichstellung von Mann und Frau bringen. Mit der Emanzipation der Frau aber tun sich manche Islamisten sehr schwer. Der Lackmustest ist oft die Frage nach der Polygamie. »Eine Macho-Interpretation des Korans«, sagt Nadia Yassine abschätzig, auch wenn sie weiß: »In der Prophetenzeit waren dem Mann bis zu vier Frauen erlaubt.«
Sie kritisiert die Moudawana, weil diese der Frau nur die Scheidung nahelegt, wenn sich der Mann eine zweite Frau nimmt. »Er sollte sie um Erlaubnis fragen müssen.« Denn die Polygamie komplett zu verbieten, so weit will sie nicht gehen. »Wenn es im Koran steht, kann man es nicht ganz abschaffen. Mehrehen sollten möglich sein, wenn sie krank wird, wenn sie keine Kinder bekommt. Aber die Frau muss unbedingt zustimmen.« Das wäre, findet sie, eine Lösung im Einklang mit dem Koran.
Nadia Yassine hat vier Töchter im Alter von 19 bis 25 Jahren. Sie selbst ist 48 Jahre alt, beredt, schnell, klug und wird als mögliche Nachfolgerin des alten Scheichs gehandelt. Ihr Handicap: eine Frau zu sein. Sind nicht die klassischen Frauenrollen in Marokko eines der größten Hindernisse für die Gleichberechtigung?
»Wir wollen keine Gesellschaft und keine Familie, wo die Frau den Mann spielt und umgekehrt«, sagt Nadia Yassine. »Der westliche Mann hat doch ein Problem, weil seine Männlichkeit infrage gestellt wird.« In der islamischen Gesellschaft sei die Frau für das Gefühl zuständig, der Mann für Disziplin und Kraft. Der Mann sorgt für das materielle, die Frau für das sentimentale Wohlergehen der Familie. Das stehe zwar genau so nicht im Koran, aber: »Es ist der spirituelle Sinn der Familie.«
Klingt sehr traditionell. Kann das der Grund sein, warum Frauen bei den Islamisten so unterrepräsentiert sind? Nadia Yassine schüttelt den Kopf. »Die Hälfte der Mitglieder unserer Bewegung sind Frauen. Dreißig Prozent der Schura-Ratsmitglieder sind Frauen, mit steigender Tendenz. Die Frauen haben ihre Komitees, da entscheiden sie selbst, sie haben ihre eigene Netzseite.« Aha, man trennt Männer und Frauen wie in Saudi-Arabien? »Es gibt eine Grenze, ja, aber nicht wie in Saudi-Arabien«, sagt sie. »Wir veranstalten zum Beispiel regelmäßig Sabbaticals von bis zu zwei Wochen, wo Frauen und Männer sich gemeinsam zur Meditation zurückziehen.«
Das erinnert stark an die neue staatliche Ausbildung islamischer Geistlicher, wo Männer und Frauen zusammen in einem Lehrgang sitzen.
»Der Staat klaut unsere Ideen«, sagt Nadia Yassine. Die islamistische Bewegung habe längst Lehrerinnen des Islams, die in Moscheen lehren. Aber ohne Zertifikat.
Dann ist es doch gut, wenn der Staat den Islamlehrerinnen eine anerkannte Ausbildung bietet? »Von mir aus, aber neu ist es nicht. Überzeugen Sie sich selbst.« Nadia Yassine lädt auch männliche Besucher zu den Seminaren islamistischer Frauen ein. Verkapselt und sektenhaft zu sein, das ist genau der Eindruck, den die Tochter des Islamistenscheichs vermeiden möchte. Zum Abschied gibt sie noch ihre Mobilfunknummer mit auf den Weg. »Rufen Sie uns an!«
Von Salé nach Rabat geht es in einem der dreißig Jahre alten Mercedes-Sammeltaxis über die Brücke des Flusses, der die beiden Städte trennt. Im Zentrum von Rabat gehen die Familien in der Abenddämmerung auf dem breiten Boulevard spazieren. Vor dem Bahnhof treffen wir Zinab Hidra wieder. Die Islampredigerin kommt gerade von einer Fahrt aufs Land zurück. Sie hat in einem Dorf Bauern und Bäuerinnen den Koran und das Familienrecht erläutert. Das hat einen der Männer so beeindruckt, dass er Zinab Hidra gleich einen Heiratsantrag gemacht hat. »Das habe ich natürlich abgelehnt.«
Zinab Hidra hat keine Kinder, sie ist 30 Jahre alt, also für marokkanische Verhältnisse schon fast zu alt zum Heiraten. Dabei dürfte sie. »Im Gegensatz zu katholischen Priestern«, sagt sie gewitzt. »Aber ich will noch nicht.« Sie möchte noch eine Weile Gott und der Lehre dienen.
Hat sie Angst vor der Ehe, vor der Festlegung – oder etwa vor dem Familienrecht?
Sie lacht, nein, nein, es sei nur nicht so einfach mit der Suche. »Unser neues Familienrecht ist schon gut, doch noch besser ist, man heiratet den Richtigen und braucht es nie einzuklagen.«
Zum Thema
Über die Zukunft des Islams
-
Eine Auswahl an ZEIT-Artikeln mit Analysen und Hintergründen über Gesellschaft und Politik, Religion und Philosophie
»
- Datum 7.2.2007 - 11:54 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 01.02.2007 Nr. 06
- Kommentare 6
- Empfehlen E-Mail verschicken | Bookmarks
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:






.
Was es doch fuer eine Unart mittlerweile geworden ist Muslime zu kennzeichnen. Wo es noch vor einiger Zeit nur fuer radikale Terrorverdaechtige verwendet wurde, wird mittlerweile die Islamismuskeule ganz normal fuer Ali und Fatima Normalverbraucher verwendet um ganz bestimmte Assoziationen zu produzieren.
Mal einen Weckruf an Michael Thumann und Co.:
Schaemt man sich nicht so ein Kainsmal zu verwenden? Haben wir immer noch nichts aus dem Judenstern gelernt?
Schon mal was von Muslime, Muslimas etc. gehoert? Wenn nicht, was machen Sie dann in der Redaktion?
und werden Sie sich darüber im klaren, daß der Begriff 'Islamismus' darin nur da verwendet worden ist, wo auch Islamismus drin ist - nämlich in den Fällen der identifizierbaren politischen Bewegung, mit ihren Strategien und Organisationsformen. Interessant übrigens die Position der islamistischen Scheicha, die das neue Familiengesetz des Königs begrüßt, wider ihr besseres Wissen, daß mit ihren politischen Verbündeten ein solches Gesetz natürlich nie und nimmer durchzusetzen gewesen wäre.
Irgendwie erinnert sie mich an all die dekadenten, westlichen Mittelstandsakademikerinnen, die ihr Herz für den Islam entdeckt haben, freudigst konvertieren (nachdem sie mit Baghwan, Tantra, dem Buddhismus, Philosemitismus und Feng Shui 'durch sind') - gibt es eine anthropologische Konstante in der weiblichen Lust der Unterwerfung??
Sie haben recht! Man kennzeichnet nur diejenigen die 'tatsaechlich schuldig' sind. Da sind wir heute den Vorvaetern einen weiten Schritt voraus, schliesslich sind wir ja freiheitsliebende Demokraten.
Und Frauen die sich nicht dem aktuellen Mode und Sex-Sells-Wahn unterwerfen, sondern sich freiwillig fuer den Islam entscheiden haben ein Problem und waren alle dekadent. Waeren Sie nicht so dekadent, wie beispielsweise die Bunnys in den verschiedenen Maennermagazinen und Pornos, waeren diese auch weiterhin nicht-muslimas.
Ihre Aussagen und die verwendete Logik ist erdrueckend - Sie haben gewonnen;)
wuerden,anderen Menschen erlauben wuerden so zu leben wie sie es moechten waeren die Probleme in der Welt entschieden wenig brisant.Aber genau das ist der Punkt. Der Islamismus ist so tolerant wie die Hexenverbrennung es war.
Wenn sich eine Frau aus freiem Willen entscheidet das Kopftuch zu tragen,die Burka zu tragen -nicht weil sie sonst angemacht und bedroht wird von ihren maennlichen Glaubensbruedern,finde ich es bemerkenswert dass sie ihre Religion auch 'lebt'. Leider habe ich eher das Gefuehl dass sie es aus Gruenden,die mit Druck und Zwang tun.ich habe auch beobachtet dass gut ausgebildete Leute weniger bereit sind mit ueberholten Sitten abzufinden.Vielleicht ist deswegen Marokko weniger intolerant. und bereit sich zu oeffnen fuer andere Lebensweisen,die moeglicher Weise so manchem Iman gegen den Strich geht.Man muss abwarten wie weit der Koenig mit seiner Modernisierung kommt .
Wie Sie wissen, bin auch ich ein grosser Kritiker des orthodoxen Islam.
Aber, bitte, ich bitte Sie, stellen Sie den Buddhismus nicht auf eine Stufe mit dem Islamismus.
Wer den Buddhismus wirklich verstanden hat, ist kein Esoteriker, sondern ein rational denkender Mensch, der Mitgefühl für alle fühlenden Wesen entwickelt.
Ein Übertritt zum Islam ist deshalb nicht denkbar.
Damit Sie vielleicht etwas besser verstehen, einige Zitate des Dalai Lama:
'Liebe und Mitgefühl sind für mich das Wesen der Religion.
Um solches zu entwickeln, musst du allerdings nicht irgendeiner Religion angehören.'
'Gefragt nach meiner Religion, sage ich einfach:
Meine Religion ist Güte und Mitgefühl.'
'Mögest du Hoffnung finden in den dunkelsten Stunden und Zielrichtungen an den hellsten Tagen.
Frei von aller Bitterkeit mögest du nicht das Universum beurteilen.'
Gib niemals auf und entwickle dein Herz!
Es gibt zu viele Vorgaben in deinem Land, die den Verstand entwickeln anstelle des Herzens.
Entwickle Mitgefühl, nicht nur für deine Freunde, sondern für jedes fühlende Wesen.
Arbeite für den Frieden und Mitgefühl, ich sage es noch einmal:
Gib niemals auf! Egal was passiert! Gib niemals auf!'
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren