Österreich Kultur war einmalSeite 3/3

Diese Vorstellungswelt hat die Sozialdemokratie vor Jahrzehnten verlassen. Die Hebung des kulturellen Niveaus ist ihr längst kein Anliegen mehr. Lieber biedert sie sich dem Erhabenheitszirkus der Kunstliebhaber an, erfreut sich der Gesellschaft schöngeistiger Schmocks, nicht ahnend, dass sie dort nur so lange wohlgelitten ist, solange sie mit staatsfeudalem Gestus Subventionen verteilen kann.

Tatenlos nimmt die frühere Kultur- und Bildungsbewegung indes hin, dass der Bereich der bildungsfernen Schichten immer weiter expandiert und sich funktionaler Analphabetismus ausbreitet. Die neue soziale Frage, die aufgeworfen wird, weil ein vergleichsweise kleines Milieu gebildeter Eliten einer wachsenden Gruppe von Bürgern gegenübersteht, die sich, aus welchem Grund auch immer, dem geistigen Leben verweigert, will sich ihr nicht stellen. Geschweige denn, dass sie in ihr eine politische Herausforderung erkennt: Immerhin entsteht dadurch jenes soziale Terrain, auf dem die populistischen Phrasen wuchern können.

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Der rote Wahrnehmungshorizont wird vielmehr vom Boulevard bestimmt. Dort sind Argumente von geringem Wert. Schlagkraft besitzen allein Allgemeinplätze, und mitunter lassen sich mit ihrer Hilfe sogar Wahlkämpfe gewinnen. Einen demokratischen Wettbewerb der Ideen hingegen lässt das kulturelle Niveau, dem die Sozialdemokratie ihr politisches Geschick anvertraut, nicht mehr zu.

Unter anderem hat die SPÖ bei den vergangenen Wahlen wider Erwarten Zuspruch erhalten, weil sie versprach, das verzopfte und betuliche Klima der zurückliegenden Jahre hinter sich zu lassen. Was hätte da die Überraschungsministerin Claudia Schmied bei Amtsantritt sagen können, um dieses Versprechen aufrechtzuerhalten?

Sie hätte etwa Bruno Kreisky paraphrasieren können und zusichern, sie werde versuchen, alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens mit Bildung und Kultur zu durchfluten.

Hat sie aber nicht. Sie erklärte vielmehr, für sie, die viele Jahre in der Wirtschaft verbracht habe, bedeute Kultur »das Erschließen anderer, emotionaler Ebenen«. Eben nicht.

Dieser Artikel wurde für die wöchentliche Österreich-Ausgabe der ZEIT geschrieben »

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