Computerspiel Das gute Kriegsspiel

»Peacemaker« simuliert den Nahost- Konflikt – und sucht nach Wegen zum Frieden. Der israelische Schriftsteller Assaf Gavron war an der Entwicklung des Computerspiels beteiligt

Wie nennt man das Konstrukt, das in den vergangenen Jahren gebaut wurde, um Israel von der West Bank zu trennen? Ist es ein »Zaun«? Eine »Mauer«? Eine »Barriere«? Es ist all das und vielleicht mehr, je nachdem, wen man fragt. Moment, wer hat gerade »West Bank« gesagt? Dieser Begriff gehört doch bestimmt zur Rhetorik der israelischen Rechten, er impliziert, dass beide Ufer des Jordans den Juden gehören. Sollten wir nicht lieber »besetzte Gebiete« sagen, oder wäre das zu pro-palästinensisch? Sind »Judäa und Samaria« zu Israel-lastig? »Palästina« kann nicht stimmen, denn es ist keine offizielle Einheit. Wir sollten uns wohl mit »palästinensische Gebiete« zufrieden geben.

Und wer sind diese Mitglieder diverser palästinensischer Gruppierungen, die aggressive Handlungen gegen Israelis durchführen – sind sie »Terroristen«? Oder »Freiheitskämpfer«? Vielleicht einfach nur »Kämpfer«. Und was ist mit den eben erwähnten aggressiven Handlungen – ich meine, hör mal, spricht irgendein Mensch jemals von »aggressiven Handlungen«? Meinte ich nicht eigentlich »terroristische Akte« oder »Militäroperationen«? Und sind diejenigen, die sie ausführen, nun »Feiglinge« oder »Helden«?

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Ich könnte noch lange so weitermachen, aber ich denke, es ist klar, was ich sagen will. Im Computerspiel Peacemaker, von dem ich hier erzähle, geht es darum, Frieden im Nahen Osten zu schaffen. Aber der wahre Name des Spiels lautet: Gleichgewicht.

Das Spiel selbst stellt ein äußerst heikles Gleichgewicht dar. Sogar dieser Artikel über mein Mitwirken an der Entwicklung des Spiels ließ es meinen Kollegen bei der Firma hinter dem Spiel, ImpactGames, kalt den Rücken herunterlaufen: Die deutsche Öffentlichkeit darf nicht den Eindruck bekommen, dies sei ein »israelisches Spiel«. Ich muss betonen, dass ich zu einem Team aus Amerikanern, Palästinensern und Israelis gehöre; ImpactGames ist eine amerikanische Firma. Und so weiter.

Okay. Nun wissen wir also schon mal, dass wir sechsmal über jedes Wort nachdenken müssen, das wir in diesem Spiel benutzen. Wie wäre es jetzt, wenn wir einem der am heißesten umkämpften Orte der Welt dauerhaften Frieden brächten?

Darum geht es bei Peacemaker: Die Spieler handeln entweder als palästinensischer Präsident oder als israelischer Premierminister und müssen dabei diplomatische, militärische, finanzielle und andere Hürden überwinden, den goldenen Weg finden, um gegnerische Gruppierungen und deren Interessenvertreter durch wohlbemessene Aktionen zu befrieden. Sie können Friedensgespräche anstoßen – müssen dann aber die misstrauischen Bürger überzeugen, dass sie sich auch um deren Sicherheit kümmern. Sie können der Armee oder Polizei befehlen, ihre Autorität notfalls auch mit Gewalt durchzusetzen – müssten dann aber der anderen Seite oder auch gleich der ganzen Welt (USA, EU, UN, der arabischen Welt) zeigen, dass sie auch Mitgefühl haben, zu Konzessionen und finanziellem Entgegenkommen bereit sind. Natürlich geht es, wie im wahren Leben, nicht allein um eigene Initiativen. Der spielende Präsident oder Premierminister muss immer wieder auf unerwartete Ereignisse reagieren, Selbstmordanschläge etwa oder Siedleraufstände. Eine Reihe von Umfrageinstrumenten messen seine Popularität bei den verschiedenen Gruppen. Er muss sein Handeln also sorgfältig kalkulieren, wenn er auf allen Seiten Fortschritte machen will. Habe ich schon oft genug das Wort »Gleichgewicht« erwähnt?

Leser-Kommentare
    • ea7p0
    • 04.02.2007 um 14:59 Uhr

    Mit großem Interesse las ich den Artik zum Computerspiel 'Peacemaker' und wollte gleich dazu übergehen selbiges herunterzuladen; nur um dann festzustellen, das es sich hierbei wohl nicht um eine non-profit-Unternehmung handelt, den vor dem Download des Spieles is es notwendig die eigene Kreditkarte mit 20 $ zu belasten. Dies trübte den positiven Eindruck meinerseits schon geringfüg ein, erscheint doch der Nahostkonflikt dadurch als Mittel zum der Profitmaximierung.

    Leider versäumt Assaf Gavron den kommerziellen Hintergrund des Spiels zu erwähnen.

    Folgt man nun aber dennoch der Argumentation des Artikels ist das Ziel des Spiels die Schaffung von Verständnis für die Situation des Anderen. Dies wäre fraglos leichter, stünde das Spiel einer größeren Gruppe zur Verfügung und der einfachste weg zur Zielgruppenmaximierung ist nun mal der kostenlose Vertrieb.

    • ea7p0
    • 04.02.2007 um 15:01 Uhr

    Mit großem Interesse las ich den Artik zum Computerspiel 'Peacemaker' und wollte gleich dazu übergehen selbiges herunterzuladen; nur um dann festzustellen, das es sich hierbei wohl nicht um eine non-profit-Unternehmung handelt, den vor dem Download des Spieles is es notwendig die eigene Kreditkarte mit 20 $ zu belasten. Dies trübte den positiven Eindruck meinerseits schon geringfüg ein, erscheint doch der Nahostkonflikt dadurch als Mittel zum der Profitmaximierung.

    Leider versäumt Assaf Gavron den kommerziellen Hintergrund des Spiels zu erwähnen.

    Folgt man nun aber dennoch der Argumentation des Artikels ist das Ziel des Spiels die Schaffung von Verständnis für die Situation des Anderen. Dies wäre fraglos leichter, stünde das Spiel einer größeren Gruppe zur Verfügung und der einfachste weg zur Zielgruppenmaximierung ist nun mal der kostenlose Vertrieb.

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