Schulentwicklung Plädoyer für Schulrankings
Fragen an Wilfried Bos, Direktor des Instituts für Schulentwicklungsforschung in Dortmund
DIE ZEIT: Warum gibt es in Deutschland keine Schulrankings wie in Holland oder England? Auch hierzulande würden Eltern doch gern wissen, welche Schule etwa die meisten Mathe-Asse hervorbringt.
Wilfried Bos: Rankings haben bei uns keine Tradition. Es ist ja noch ganz neu, dass Schülerleistungen in Deutschland wie bei der Pisa-Studie überhaupt gemessen und veröffentlicht werden.
ZEIT: Die Pisa-Studie vergleicht nur die Leistungen unserer Schüler mit denen anderer Staaten und die Schülerleistungen der Bundesländer untereinander.
Bos: »Nur« ist gut. Lange Zeit haben Lehrerverbände und Politiker selbst solche Messungen verhindert.
ZEIT: Wann kommen also Schulrankings bei uns?
Bos: Das weiß ich nicht. Dass sie kommen, dessen bin ich mir aber sicher. Die Eltern werden sie fordern, und die Politik wird sich danach richten.
ZEIT: Finden Sie das vernünftig?
Bos: Ja, die Eltern haben ein Recht darauf, zu wissen, wie gut die Schule ist, auf die sie ihre Kinder schicken. Ohne objektive Tests der Schülerleistungen und deren Veröffentlichung ist das schwer möglich. Aber die Rankings müssen fair sein, sonst sind sie wertlos.
ZEIT: Was heißt fair?
Bos: Man darf nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. An der Schule im Villenviertel werden die Mathematik- oder Deutschleistungen der Schüler immer besser sein als bei einer anderen im Problemstadtteil. Ein simpler Vergleich – ich nenne das Vulgär-Ranking – sagt über die pädagogische Qualität der Schulen gar nichts aus.
ZEIT: Wie sähe ein sinnvoller Vergleich aus?
Bos: Man kann Schulen mit einem ähnlichen Umfeld untereinander vergleichen. In Hamburg wurden kürzlich die Schulen in sechs Gruppen eingeteilt, von sozial unbelasteten Schulen bis zu solchen mit vielen Schülern, deren Eltern arbeitslos sind. Aus jeder Gruppe wurde die Schule mit den besten Schülerleistungen öffentlich gewürdigt. Das ist der richtige Weg.
ZEIT: Das klingt nach viel Aufwand.
Bos: Billiger ist ein ordentliches Ranking nicht zu haben. Eine simple Rangliste nach Art einer Bundesligatabelle wäre einfach unseriös.
ZEIT: Und wie verhindern Sie das Mogeln? Wenn der Ruf einer Schule an einem guten Rangplatz hängt, zwingt man die Lehrer doch dazu, ihren Schülern mit Tricks zu besseren Testergebnissen zu verhelfen.
Bos: Die Gefahr besteht. Deshalb müssen die Leistungen unter wissenschaftlicher Aufsicht von externen Prüfern getestet werden. Und die Quote der Sitzenbleiber sollte auch veröffentlicht werden.
ZEIT: Spricht sich nicht auch so herum, welche Schule gut und welche schlecht ist?
Bos: Der Ruf einer Schule hinkt ihrer Leistung oft jahrzehntelang hinterher. Das ist für Kollegien, die sich um Qualität bemühen, sehr ungerecht.
ZEIT: Viele fürchten, dass Rankings Schulen mit schwachen Ergebnissen stigmatisieren.
Bos: Das muss nicht sein. Rankings könnten ebenso zeigen, dass vermeintlich schwache Schulen besser sind als ihr Ruf. Und eins ist klar: Das Testen und die Veröffentlichung von Rankings allein wäre zynisch.
ZEIT:
Was muss hinzukommen?
Bos:
Die Politik muss den Schulen Personal und Know-how geben, damit sie die Mängel beheben können.
Die Fragen stellte
Thomas Kerstan
Zum Thema
Welche Schule für mein Kind?
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Ein Schwerpunkt »
- Datum 01.02.2007 - 13:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 01.02.2007 Nr. 06
- Kommentare 1
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.. also, seit wann es OECD-Studien gibt, weiß dieser Bildungsforscher nicht...?
Und dass sie wirtschaftlich orientiert sind und seit Jahrzehnten belächelt wurden - auch nicht?
Und dass sie seit der PISA-Bildungs-Erbsenzählerei bei all denen, die durch die 68er Jahre hindurch gingen und jetzt in Wissenschaft oder Politik oder Journalismus fett geworden sind, missbraucht werden für ökonomische Interessen - auch nicht?
Und dass jeder Lokalpolitiker, Lehrer oder Pastor weiß, wo er seine Kinder hinschicken muss und kann - auch nicht?
Da ergeht sich - häuslich gesichert, aktiengestützt, im BWL-Vokabular sich ergötzend - eine Mafia der Polit-Schizos: die wichtigste Prinzip der Demokratie - Bildung als Zukunftsaufgabe - ist abgewirtschaftet zugunsten der von BILD und Reklame-TV vorgegebenen Konsumstandards für die geleugneten, doofen U-Schichtler.
Yeah - die restlichen Rechthaber mit steuerlich vorgezeugtem Nachwuchs suchen sich die schicksten Höhlen, wenn nicht bei Waldorf, dann bei Nixdorf oder in einem ZEIT-Dorf.
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