Gesellschaft Am Tor des Unheils
Irrationale Mordtaten Jugendlicher erschüttern unser Weltbild. Ratlos fragen wir nach Gründen. Aber schon die Mythen und die Bibel zeigen, dass das Böse zum Menschen gehört.
Kein Skandal ist größer als der Mord ohne Grund. Wann immer uns die Nachricht von der mörderischen Gewalt jugendlicher Täter erreicht, fragen wir zuallererst nach dem Grund, nach dem Motiv – als ob die begriffene Untat geringeres Gewicht hätte als die unerklärte und unerklärliche. Dabei liegt es auf der Hand, dass der Tote, den die Tat, wie motiviert auch immer, zurückließ, in jedem Fall tot bleibt.
Dennoch ist die Suche nach der Ursache plausibel, sogar unausweichlich. Der Rechtsstaat muss das Motiv der Tat herausfinden, weil sich das Strafmaß danach richtet. Es ist ein Unterschied, ob ich jemanden in Notwehr töte, aus Geldgier oder im Suff. Auch die Gesellschaft hat ein Interesse daran, die Ursache des Verbrechens zu kennen. Nur so lässt es sich bekämpfen. Aber wenn es den grundlosen Mord wirklich gibt, also das Urverbrechen aus nichtigem Anlass, dann ist die Rationalität unseres Zusammenlebens weniger stabil, als wir zu denken geneigt sind. Natürlich gelten die Gesetze der Kausalität für jede Tat, also auch für die Gewalttat. Insofern gibt es, logisch gesprochen, den grundlosen Mord nicht. Aber es gibt Gründe, die wir nicht ertragen, die wir als Gründe nicht akzeptieren.
Die Erzählung Der Fremde von Albert Camus (1953) gehört zu jenen zahlreichen Texten der Weltliteratur, in denen der Mord ohne Grund geschildert wird. Die entscheidende Szene spielt an einem nordafrikanischen Strand. Dort sieht der Erzähler aus einiger Entfernung einen Araber und erkennt in ihm einen der beiden Männer, mit denen es kurz zuvor eine Schlägerei gegeben hatte. Ein flüchtiger Bekannter des Erzählers hatte sie angezettelt. Der Erzähler aber, der die Ursache des Streits nicht kannte, war untätig dabeigestanden, obwohl ihm der Bekannte einen Revolver in die Hand gedrückt hatte.
In dieser Szene nun geht der Erzähler nicht, wie er eigentlich vorhat, unauffällig seines Wegs, sondern er bewegt sich auf den einsam im Schatten eines Felsens ruhenden Mann zu. »Ich wusste, dass das dumm war, dass ich die Sonne nicht los würde, wenn ich einen Schritt weiter ginge. Aber ich tat einen Schritt, einen einzigen Schritt nach vorn. Und diesmal zog der Araber, ohne aufzustehen, sein Messer und ließ es in der Sonne funkeln. Licht sprang aus dem Stahl, und es war wie eine lange, funkelnde Klinge, die mich an der Stirn traf. Da geriet alles ins Wanken. Vom Meer kam ein starker, glühender Hauch. Mir war, als öffnete sich der Himmel in seiner ganzen Weite, um Feuer regnen zu lassen. Ich war ganz und gar angespannt, und meine Hand umkrallte den Revolver. Der Hahn löste sich, und mit einem harten, betäubenden Krachen nahm alles seinen Anfang.«
Wir sehen hier die teuflische Imitation des paradiesischen Augenblicks. Wir sehen die Zeichen der Offenbarung: das Licht, den geöffneten Himmel – gerade so, als ob ein Gott sich zeigen und das Heilsgeschehen seinen Anfang nehmen wollte. »Dann schoss ich noch viermal auf den leblosen Körper, in den die Kugeln eindrangen, ohne dass man es sah. Und es waren gleichsam vier kurze Schläge an das Tor des Unheils.« Das Bild vom Himmel, der Feuer regnen lässt, wirkt wie eine Illustration jener Äußerung von Jesus, die Lukas berichtet (10,18): »Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz.«
In seinen Gesprächen mit jugendlichen Gewalttätern stieß der Soziologe Ferdinand Sutterlüty immer wieder auf die Beschreibung eines rauschhaften Offenbarungserlebnisses auf dem Gipfel der Untat. Der Täter gerät in einen Ausnahmezustand, den er um jeden Preis verlängern will. Das erklärt die lustvolle, hingebungsvolle Grausamkeit, mit der manche Opfer zu Tode gequält werden. So wie der Erzähler bei Camus davon berichtet, der erste und tödliche Schuss habe ihm nicht genügt, sondern er habe vier weitere abgeben müssen.
- Datum 23.09.2008 - 14:06 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 01.02.2007 Nr. 06
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Interessanter als die Geschichte von Kain und Abel ist vielleicht Abrahams Dilemma, das seit jeher im Judentum sehr stark diskutiert wird.
Nach orthodoxer Interpretation unterwirft sich Abraham dem Willen Gottes und ist bereit, seinen Sohn zu opfern.
Aus einer anderen Perspektive aber könnte man auch die Anschauung vertreten, dass Abraham GOTT auf die Probe stellte - und nicht umgekehrt -, weil Gott erst durch sein Erbarmen eine moralische Legitimität erwerben konnte, die über blosse Befehlsgewalt hinaus geht.
Eine dritte - sehr moderne - Variante könnte sein, sich über die Trugbilder des schizophrenen Abrahams Gedanken zu machen (Jeanne d´Arc war ja auch bloss eine Verrückte, oder?).
Als Viertes lässt sich die Geschichte auch aus der Perspektive Isaaks zeichnen, sozusagen als Mythos des willigen Opferlamms (das auch in der christlichen Ikonographie zum Ausdruck kommt).
Der kanadische Dichter Leonard Cohen hat diese Sichtweise sehr gut verarbeitet in seinem wunderbaren Song 'Story of Isaac', worin er die Brücke schlägt von der biblischen Geschichte zur Gegenwart ('This is the Story of Isaac, and it´s a story above those who would sacrifice one generation after another. ... You who build these altars now, to sacrifice our children, you must not do it anymore. Your steam is not a vision, and you never have been tempted by a demon or a god').
Sehr aktuell also, egal ob wir dabei an den Irakkrieg oder an religiös motivierte Djihadis denken.
Was mir aber, als Buddhist, bei allen vier Varianten sehr schmerzhaft fehlt ist, dass das Drama von Abraham und Isaak nur aus individuellen Persektiven geschildert wird.
Die Idee, dass es überhaupt keine Täter und Opfer geben kann, weil es gar keine 'Individuen' gibt, fehlt völlig.
Solange Menschen und Gruppen sich als von einer äusseren Umwelt abgetrennte Einheiten begreifen, und solange wir nicht lernen, jeden Schmerz und jede Freude miteinander zu teilen - durch absolut uneingeschränktes Mitgefühl -, solange werden Konflikte aufgrund unterschiedicher Perspektiven respektive Interessen nicht zu bewältigen sein.
Und ebenso sind Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft keine 'getrennten' Einheiten, denn keine Handlung vergeht folgenlos, sondern verflechtet sich mit mit neu hinzu kommenden, und daraus bilden sich dann unsere realen Verhältnisse und Wertemuster.
Und kein 'Einzelner' kann sich schuldig machen, da jeder Täter bloss ein Opfer seiner eigenen mangelnden Erkenntnis ist.
Eine ähnliche Sichtweise wie im Buddhismus gab es in unserem Kulturkrei auch einmal, nämlich die aristotelische, in der der Einzelne aufgehoben war im Kontext alles Existierenden (des Kosmos).
Leider wurde dieses Weltbild abgelöst durch die Anschauungen Thomas von Aquins und Augustins, der - noch schlimmer - auch die unselige Prädestinationslehre erfand, nach der jedem Menschen bereits vorgeburtlich vorherbestimmt war, ob er ewige Qualen in der Hölle erleidet - was für fast alle Menschen galt.
Die historischen Folgen davon waren unglaubliche Exzesse an Gewalt, und die Kultivierung negativer Emotionen wie Angst und Ausgrenzung.
Die Vorstellung vom 'Individuum' ist aus metaphysischer Sicht ebenso unrealistisch wie aus Sicht der modernen Wissenschaft (Quanten).
Wir sollten sie überwinden und verstehen, dass jeder von uns für die Brutalität, die Untaten und die gesellschaftlichen Widersprüche verantwortlich ist, denn sie sind nur die Widerspiegelungen unseres inneren Selbst, und die Welt kann nur durch eine Mutation in jeder menschlichen Psyche vor dem Chaos gerettet werden.
Wir haben es selbst in der Hand!
Auch wenn ich verstehe, dass Agnostiker vielleicht nichts verstehen, nichts verstehen könnenwollen auch vom Menschen, der Beitrag ist hierfür fast schon ein kleiner Beleg, so will ich hier doch noch ein paar klärende Worte anfügen.
Zunächst zum 'Linsengericht':
' Eines Tages kehrt Esau hungrig von der Jagd nach Hause und bittet seinen Bruder: lass mich essen das rote Gericht. Jakob stellt ihm einen Topf mit köstlicher Linsensuppe hin und bevor er Esau den Löffel reicht, verlangt er als Gegenleistung: verkaufe mir heute deine Erstgeburt. Esau sieht nur das rote Gericht, seine Nase atmet den Duft der würzigen Suppe. Sein Magen knurrt. Alles gäbe er in diesem Augenblick her, und ohne Zögern verzichtete er auf das Vorrecht des Erstgeborenen - für ein Linsengericht.'
Ja das Essen kommt nun mal vor der Fortpflanzung, die heile, die Vision einer heilen Welt, zumindest für die Zeit des Lebens eines Kindes gehört vor der Zeugung (m.E.) auch dazu. Das hat nichts Verräterisches oder Primitives, die Herleitung des Zusammenhanges mit meinen Beitrag wird hier ja nun nicht ersichtbar. Es wird hier aber einfach, primitiv, unterstellt, dass ich hier die Zukunft der Menschheit für etwas Billiges (wie ein Linsengericht) zu verspielen bereit sei. Die Abwendung der Apokalypse ist aber nichts Billiges und auch nicht Einfaches, wie man heute sieht, und wohleben auch nicht zum 'Nulltarif' oder für billiges Taschgeld, ein Linsengericht eben, zu haben, scheint mir. Wenn dem so wäre, dann hätten wir all diese Waffen und auch die erhebliche Umweltzerstörung heute wohl nicht.
Auch mit der Nüchternheit ist es m.E. so eine Sache. Jeder will es eigentlich bleiben - dennoch werden Drogen genommen, chemische vor allem, wie vielleicht noch nie. Ohne Drogen scheint auch die heutige Welt nicht zu funktionieren. Eine Gefahr dieser welt- bzw. selbstanschaulich neutralen Chemie-Drogen ist aber eben, dass vereinzelt junge Menschen zu Amokläufern werden oder anderweitig versacken, in ihrem ungelenken, unsteuerbarem Frust auf diese Welt. Wohl dem, der diesen Frust niemals hat und hatte...!
Nun zum Jüngsten Gericht. Ich bin nicht Gott, nur ein klitzkleiner Teil von ihm, wie alle Menschen eben auch. Und die große Endreflektion muss ja letztlich alle Menschen umfassen. Ich reflektiere sicher sehr viel und sehr tief und schon auch nicht selten öffentlich, das kann mir auch keiner nehmen. Und ich erlebe, wie auch in den Medien, in der Öffentlichkeit, insbesondere über die jünger Vergangenheit, neuerdings aber auch über die A-Waffen, durchaus sehr tief und breit und häufig reflektiert und diskutiert wird.
Ein einzelner Mensch kann solch einen gewalten Prozess ja auch gar nicht führen oder aktiv herbeiführen - dies ist ein Werk von wahrhaft göttlicher Dimension.
Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, wie man sich diesem Prozess auf Dauer entziehen kann und will, ohne Schaden zu nehmen. (Ist agnostisches Wegschauen hier wirklich bzw. auch auf Dauer machbar und sinnvoll?) Die Welt außerhalb, die können wir nicht wirklich verstehen, das mag sein. Andere Menschen nicht zu Verstehen das hieße ja, dass man sich auch selbst nicht verstehen kann - und damit dann auch noch zu leben können meint. Ich bin da anders (bzw. ehrlich).
Freundliche Grüße
von
Tobias Werner
Denn das muss letztlich schon völlig freiwillig geschehen, aufgrund einer eigenen inneren Einsicht. Man kann den Weltuntergang nicht verordnen, sich aber durchaus gemeinsam eingestehen, dass man diesen für möglich hält. Gleichwohl bleibt das Problem des innerartlichen weltanschaulichen Diskurses. Wer hier anderer Meinung ist, der muss diese vertreten und darlegen, der kann bzw. sollte sich nicht allein auf das kritisieren anderer beschränken - das ist nur ein Zeichen eigenen Unsicherheit, also keine Alternative.
Die Kirche neigt sicher zum Machtmissbrauch, immer noch, ich habe mit der Kirche letztlich kaum etwas am Hut, bin kein Mitglied oder Kirchensteuerzahler, dennoch kommen mir von dort schon auch bedeutsame Impulse, nicht von Predigten, sondern von der Liturgie und manchen Liedtexten.
Die Devise hier heißt dann eben: Mädels und Jungs, die Welt, der Mensch, ist -auch- schlecht - er reagiert unter bestimmten Bedingungen halt auf bestimmte Art und Weise, und unter bestimmten Bedingungen können wir alle gemeinsam das Schlimmste verhindern. Mit Zuhälterei hat das nichts zu tun! Der Zuhälter und der Schäfer geht hier ja auch mit 'zugrunde', auf den Grund des Sache sozusagen! Beim friedlich-wohlorganisierten Aussterben gibt es eben keinen einzigen irdischen Gewinner!
Sehe geehrte Damen und Herren!
Das Problem des scheinbar unmotivierten Mordesns und anderer Greueltaten könnten ihre sehr schwer erkennbaren Wurzeln in unterdrückten Emotionen haben, die sich später bei Jugendlichen oder Erwachsenen auf eine unnatürliche Art und Weise durchbrechen. Wie ich einem Buch einmal gelesen habe, könnte es doch durchaus so sein, daß verzerrte und künstlich verkrüppelte Emotionen die Hauptursachen für unerklärlich Verhaltensweisen 'indidviduell und en masse' darstellen.
Problematisch wird es immer dann, wenn natürliche Emotionen verzerrt werden. Dann werden sie zu etwas Groteskem und sind nicht mehr als eine natürliche Folge der menschlichen Natur zu erkennen.
1. Kummer (Leid, Schmerz) ist eine natürliche Emotion. Er ist ein Teil von jedem menschen der ihm Abschied zu nehmen erlaubt, wenn er es gar nicht möchte.
Wenn der Mensch seinen Kummer zum Ausdruck bringen darf, wird er ihn los. Kinder, die traurig sein dürfen, wenn sie traurig sind, haben als Erwachsene ein gesundes Verhältnis zur Traurigkeit und durchlaufen deshalb im allgemeinen ihre Kummerphasen sehr rasch.
Kinder, die ermahnt werden, nicht zu weinen, tun sich als Erwachsene mit dem Weinen schwer. Schließlich wurde ihnen ihr ganzes Leben lang gesagt, daß sie das nicht tun sollen, sie unterdrücken daher ihren Kummer.
Ständig unterdrückter Kummer wird zur chronischen Depression, eine sehr unnatürliche Emotion.
2. Ärger ist eine natürliche Emotion. Er erlaubt dem Menschen >>nein danke<< zu sagen. Man muß dabei nicht ausfallend werden und braucht auch nie einem anderen Schaden zuzufügen.
Wenn Kinder ihrem Ärger Luft machen dürfen, haben sie als Erwachsene ein sehr gesundes Verhältnis dazu und durchlaufen daher im allgemeinen die Phasen des Ärgers sehr rasch.
Kinder, denen das Gefühl vermittelt wird, daß Ärger etwas Negatives ist - daß es falsch ist, ihm Ausdruck zu geben, ja daß sie ihn nicht einmal verspüren sollten -, werden als Erwachsene mit ihrem Ärger nicht auf angemessene Weise umgehen können.
Aus ständig unterdrücktem Ärger wird rasende Wut, eine sehr unnatürliche Emotion. Menschen haben in rasender Wut getötet. Kriege wurden begonnen, Nationen gingen unter.
3. Neid ist eine natürliche Reaktion. Sie läßt ein Kind wünschen, die Türklinke so erreichen zu können wie der größere Bruder - oder dieses Fahrrad zu fahren. Neid ist eine natürliche Emotion, die in dir den Wunsch entstehen läßt, es noch mal zu probieren, sich mehr anzustrengen, nicht nachzulassen, bis man Erfolg hat. Neidisch zu sein ist sehr gesund und natürlich. Wenn Kinder ihren Neid zum Ausdruck bringen dürfen, haben sie als Erwachsene eine sehr gesunde Einstellung dazu und durchlaufen deshalb im allgemeinen ihre Neidphasen sehr rasch.
Kinder, denen das Gefühl vermittelt wurde, daß Neid nicht in Ordnung ist - daß es falsch ist, ihm Ausdruck zu geben, ja ihn überhaupt zu verspüren -, werden als Erwachsene nur schwer mit ihrem Neid auf angemessene Weise umgehen können.
Aus ständig unterdrücktem Neid wird Eifersucht, eine sehr unnatürliche Emotion.
4. Angst ist eine natürliche Emotion. Alle Babys kommen mit nur zwei Ängsten auf die Welt: mit der Angst vor dem Fallen und der Angst vor lauten Geräuschen. Alle anderen Ängste sind erlernte Reaktionen, die dem Kind durch seine Umwelt und Eltern beigebracht werden. Der Sinn und Zweck der natürlichen Angst ist die Anleitung zu einer gewissen Vorsicht. Vorsicht hilft den Körper am Leben zu erhalten. Sie ist eine natürliche Folge der Liebe, der Selbst-Liebe.
Kinder, denen das Gefühl vermittelt wird, daß Angst etwas Schlechtes ist - daß es falsch ist, sie zu zeigen, ja daß sie nicht einmal verspürt werden sollte -, werden es als Erwachsene schwer haben, mit ihrer Angst auf angemessene Weise umzugehen.
Aus ständig unterdrückter Angst wird Panik, eine sehr unnatürliche Emotion. Menschen haben aus Panik heraus getötet, Kriege wurden begonnen, Nationen gingen unter.
5. Liebe ist eine natürliche Emotion. Wenn sie von einem Kind normal und natürlich, ohne Einschränkung oder Vorbedingung, Scham oder Verlegenheit zum Ausdruck gebracht und empfangen werden darf, braucht es nichts weiter. Denn eine solche Liebe ist sich selbst genug. Doch Liebe, die an Bedingungen geknüpft ist, die eingeschränkt, durch Regeln und Vorschriften, Rituale und Restriktionen verbogen, die kontrolliert, manipuliert und zurückgehalten wird, ist unnatürlich.
Kinder, denen das Gefühl vermittelt wird, daß die natürliche Liebe nicht in Ordnung ist - daß es falsch ist, sie zum Ausdruck zu bringen, ja sie überhaupt zu verspüren -, werden sich als Erwachsene schwertun, mit der Liebe auf angemessene Weise umzugehen.
Aus ständig unterdrückter Liebe wird Besitzanspruch und Besitzgier. Menschen haben aus Besitzgier getötet, Kriege wurden begonnen, Nationen gingen unter.
Und so kommt es, daß die natürlichen Emotionen, wenn sie unterdrückt werden, unnatürliche Reaktionen bewirken. Und in den meisten Menschen sind die natürlichen Emotionen unterdrückt. Doch sie sind eure Freunde. Sie sind eure Gaben. Sie sind eure göttlichen Werkzeuge, mit deren Hilfe ihr eure Erfahrungen gestaltet.
Das sollte man, bei aller Freiheit und Friedfertigkeit nie vergessen, das ist ja gerade das bedenkliche, wenn nicht gar schockierende, auch, dass von hier eigentlich keine wesentlichen oder wirklichen Abrüstungsbestrebungen ausgehen, bisher zumindest -man will andere nur am Nachrüsten hindern, obwohl die A-Waffen ja quasi als der Garant der Demokratie erscheinen - wie sollen die anderen dann demokratisch werden....
Wir sind insofern alle Mitläufer, Mitläufer oder gar aktive Vertreter einer Entwicklung, die den gewaltsamen, apokalyptischen Untergang der Menschheit, und sei es aus versehen, beinhaltet. (Ja, auch Hitler hat selbst ja keinen Menschen außer sich selbst dann schließlich, umgebracht.) Das hat es noch nie gegeben - es wurde aber in der Bibel uns (von anderen Menschen ja letztlich) schon, sicher im Rahmen der damaligen Vorstellungswelt, vorhergesagt, und das ist schon sehr erstaunlich.
An Morde ohne wirkliche Ursache, von nicht pathologischen Personen (Drogenabhängigen mit Psychosen z.B.) , glaube ich nicht, davon habe ich konkret noch nie gehör (Auf erfundene Romanfiguren kann man da ja nichts geben). Diffuse Ängste und Aggressionen die treten heute sicher nicht so selten auf, die sind m.E. durchaus verstärkt zu erwarten. Man findet sich nicht mehr zurecht, erkennt nicht, dass man in der Endzeit lebt - weil einem dies nicht gesagt wird, weil dies nicht wirklich erörtert wird. Und da gibt es dann Widersprüchn zwischen den eigenen Empfindungen und dem was man von anderen denkt. Man hat hier also stärkere Idenditätsprobleme.
Welche der bekannten irrationalen Morde war denn nun ohne jegliche erklärbare Ursache?
(Der Schüler aus Meißen, meiner Heimatstadt, der die Lehrerin ermordet hat, z.B., der hatte zu dieser schon längere Zeit ein sehr angespanntes Verhältnis und wohl schon auch ein problematisches Elternhaus. Auch dass eine Gesellschaft Mord-Spiele zulässt, in diesem Umfang, das kann als Bedrohung empfunden werden oder einen weltanschaulich zumindest irritieren, m.E.. Wer ständig mit dem Gedanken des Tötens spielt, der kann dann, m.E., schon leichter zur Tat schreiten.)
Die fehlende Eindeutigkeit ist sicher ein Problem - viele Köche verändern den Brei halt. Und so erscheint vieles hier sogar widersprüchlich, gegensätzlich, hinzu kommt die zeitbedingte Verkleidung, die Formulierung der Wahrheiten bzw. Gedanken in der damaligen Vorstellungswelt. Man kann und muss (auch) hier eben schon so manches wohlwollend, zielgerichtet vielleichteben auch, sich möglichst gut (bzw. richtig) zusammenstellen.
Ich entnehme dem Christentum bzw. der Bibel vor allem: Wir leben in einer Endzeit, in der die Gefahr besteht, dass es zu einer Apokalypse, einem chaotisch-Kriegerischem Menschheitsuntergang, kommt (in der Bibel steht ja letztlich sogar, dass es dazu kommen muss), wir sollen uns deshalb dennoch bis zu allerletzt untereinander friedlich und gut Verhalten, um in den Himmel zu kommen, um uns gegenseitig, in einem postulierten kollektiven Gedächtnis, in positiver Erinnerung zu behalten, zumindest überwiegend positiv - ganz bzw. nur positiv kann ein Mensch ja eben nicht sein. Alle sind ja halt Sünder - aber kein (einzelner) Mensch kann alleine wissen oder sagen, wer nun für immer oder vorwiegend geächtet wird. Das steht, bei der Endbewertung, nur Gott und Jesus zu. Es kann (also) sein, dass keiner in die Hölle muss (auch wenn das in der Offenbarung des Johannes doch konkret anders dargestellt wird). Im Gegensatz zur Offenbarung des Johannes, scheint Jesus die Frage, wer denn nun in den Himmel kommt, eher offenzulassen - da vergibt es sogar den beiden Mördern an den Nachbarkreuzen. Wenn Gott und Jesus (der uns ja sozusagen mal live und vor Ort begleitet hat) nun Metaphern, oder eben eine Synopse für Mehreres (Gewichtiges) gist, (neben der prinzipiellen Unerklärlichkeit bestimmter, letzter, Fragen) auch für die Fähigkeit der letzten, der letztlich klügsten und erfahrensten, ja besten Menschen, als Kollektiv all unser Tun wirklich ausgewogen, ja objektiv, und auch wohlwollend zu bewerten, dann kann man hieraus m.E. schon das friedlich-wohlorganisierte Aussterben sich durchaus ableiten, da dies letztlich nicht gegen die Hauptpositionen von Jesus spricht. Wir beachten dabei die meisten Gebote, sind bis zu allerletzt in Liebe miteinander verbunden, leben das, was er uns vorgelebt hat, quasi nach. Hohe Moral - aber bewusst kinderlos aussterbend. (Nichtchristlich ist es also, mit Gewalt um die irdische Zukunft zu kämpfen, oder in der Endzeit Gewalt anzuwenden, weil ja eh alles sinnlos bzw. vorbei ist.)
Und das scheint mir das Problem, dass man mal wirklich darüber reden muss, dass wir doch sehr nah an einem tiefen Abgrund stehen, kurz vor der Apokalypse, angesichts dieses einmaligen, riesigen Waffenberges, mit dem wir uns alle vernichten können, und dass die Antwort darauf eben das friedlich-wohlorganisierte Aussterben ist und nur sein kann, welches wir uns schon auch als kollektives Ziel konkret offen vorgeben können und sollten. Denn es kann m.E. nicht wirklich gut gehen, wenn manche um die irdische Ewigkeit bis zum letzten kämpfen wollen, andere aber eben an das friedlich-wohlorganisierte Aussterben sich machen.
Nehmen wir hier z.B. die Frage der Kernkraftnutzung. Da kann man dann eben sagen, ja, wir können dieses langfristige Entsorgungs- und insofern Existenzrisiko eingehen, weil wir als Art dann bestimmt nicht mehr da sein werden. Würden wir z.b. deshalb nicht wohl(an(ständig sterben (können) müssten wir deshalb frühzeit jämmerlich verrecken), wäre dies m.E. unchristlich. Nach uns die Sintflut - sagt ja auch, ja, die Sintflut, das Ende der Welt, kann kommen - aber die negativen Seiten der Umweltzerstörung sollten sich erst nach dem Verschwinden des letzten Menschen zeigen.
Wir müssen das Aussterben aus internen, innermenschlichen Gründen als Christ jedenfalls nicht leugnen. Das ist keine unmenschliche Reaktion - sondern eben die Endzeit-Reaktion. Auch die hat uns 'Gott', die 'eigene' Natur hier dann eben auch, schon in die Wiege gelegt.
Keiner redet heute nun m.E. so klar über die Möglichkeit und die 'Ätiologie' des möglichen Menschheitsuntergangs wie die Bibel. Diese sollte und hätte aber sicher noch klarer darüber berichten 'sollen' (man konnte das damals aber eben noch nicht, sondern eher ansatzweise und prinzipiell). Die Bibel ist also sicher 'nur' ein - aber eben hervorragendes - historisches Zeugnis, welches man halt (gekonnt) interpretieren und einordnen muss. Religion heißt ja nun Rückbindung, das geistige in Beziehung treten mit seinen Vorgängern hier dann eben. Ja, wir denken und fühlen im Kern auch wie ihr - die Form ist, entwicklungsbedingt, halt eine etwas andere! Soetwas hilft einem in schweren Zeiten schon sehr - ja, wer so denkt und fühlt ist keine Außenseiter, der ist nicht unnormal!
Soviel hier zu meiner Sicht der Bibel und der christlichen Religion.
Himmlische Grüße also (auch an vendelay, auf dessen Beitrag ich hier ja auch eingegangen bin) von
Tobias Werner
'Und wenn man solche Gewaltausbrüche verhindern will, muss man deshalb m.E. das christliche Modell des Jüngsten Gerichtes, der großen Endabrechnung, von der kein einziger Mensch verschont bleibt, wieder hoch halten – das gibt Trost und Entlastung, all denen die berückt und beladen sind, das ist wahres und gutes geistiges Opium für das Volk, das ganze Volk und alle Völker.'
Ich bleibe lieber nüchtern.
'Und es kann sehr gut sein, dass wir schon mitten in dem Prozess des Jüngsten Gerichtes sind, dass die große Endreflektion der gesamten Menschheitsentwicklung also bereits (auf fast allen Kanälen) in vollem Gange ist!'
Ich kann nur hoffen, dass Sie nicht wie so viele Ihrer Glaubensgenossen diese eingebildete Entwicklung aktiv herbeiführen möchten.
Agnostische Grüße
v.
eine schwierige Lektüre ! Ich musste sie erst einmal verarbeiten. Das ist ein Kompliment.
Gewalt beginnt wohl schon beim Schwimmwettkampf der Spermien oder dem Kampf der roten und weißen Blutkörperchen ! Sie ist Voraussetzung für Leben. Die Zivilisationen haben versucht, sie mit Tabus und Gesetzen in Schach zu halten.
Steckt in dieser Gewalt schon der Trieb zur Selbstzerstörung?
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