Ich habe einen Traum Elizabeth George

Elizabeth George ist Amerikanerin und lässt ihre Kriminalromane in England spielen. Die ehemalige Lehrerin und Literaturprofessorin lebt in Seattle und in London. Hier erzählt sie von ihren wiederkehrenden Albträumen

Wenn ich träume, durchlebe ich oft unangenehme, manchmal auch Angst einflößende Momente. Ich habe beispielsweise einen wiederkehrenden Traum, der mich seit Jahren aus dem Schlaf reißt. Darin liege ich in einem Bett. Es kann in einem Hotelzimmer in Deutschland stehen oder auch bei mir zu Hause in Seattle; es ist immer das Bett an dem realen Ort, wo ich mich gerade aufhalte. In meinem Traum wache ich plötzlich auf und sehe eine bedrohliche Schattengestalt am anderen Ende meines Zimmers. Sie bewegt sich langsam auf mich zu, ich habe panische Angst, kann mich nicht bewegen – in dem Augenblick wache ich laut schreiend auf.

Vielleicht ist dieser Traum mit einem Kindheitserlebnis zu erklären. Vielleicht sind meine Eltern einmal im Halbdunkel an mein Bett gekommen, um mich zu wecken, und haben mich dabei erschreckt. Ich weiß nur, dass dieser Traum sehr ernst und sehr düster ist. Meine Angst kommt mir jedes Mal sehr real vor. Das hat auch mein Ehemann leidvoll zu spüren bekommen.

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Er war Feuerwehrmann, ist jetzt im Ruhestand. Als er noch arbeitete, stand er sehr früh auf, weil er bis zu seinem Arbeitsplatz 180 Meilen weit fahren musste. Eine Zeit lang kam er immer, ehe er ging, an meine Seite des Bettes, um mir einen Abschiedskuss zu geben. Jedes Mal schreckte ich hoch, stieß entsetzte Schreie aus – offenbar weil mich seine Geste an den Schatten in meinem Traum erinnerte. Mein Mann hat schnell eingesehen, dass dieses morgendliche Ritual keine gute Idee war. Inzwischen spricht er mich nur noch von der anderen Seite des Bettes an, so ist es kein Problem.

Ich habe noch andere, weniger dramatische Träume, aber auch die sind nicht unbedingt angenehm. Meist gerate ich da in Situationen, in denen ich völlig unvorbereitet und hilflos wirke. Was sich vielleicht mit meinem ausgeprägten Impuls erklären lässt, dass ich immer kompetent und besonders gut in meiner Arbeit sein will.


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In einem dieser Träume unterrichte ich wieder an der Highschool. Da stehe ich dann vor einer Klasse, die ich partout nicht in den Griff bekomme und nicht unterrichten kann. Ein anderes Mal sind es Studenten, die mir einfach nicht zuhören wollen und sich nur danebenbenehmen. Was schon kurios ist, weil mir das weder im Schulalltag noch später, als ich an der Uni lehrte, je passiert ist. Aber ich bin eine Perfektionistin. Diese Träume spiegeln wohl meine Angst davor, irgendwann trotz akribischer Vorarbeit doch einmal bloßgestellt zu werden. Viele Menschen haben ja schon mal davon geträumt, nackt in einer Shoppingmall zu stehen und von allen angestarrt zu werden. Diese »Nackt in der Öffentlichkeit«-Träume hatte ich nie. Bei mir war es immer die »Inkompetent in der Öffentlichkeit«-Variante.

Auch wenn solche Träume immer guter Erzählstoff sind, habe ich sie in meinen Kriminalromanen nie wieder aufleben lassen. Meine Träume sind in dieser Hinsicht keine Inspiration für mich. Die Ideen für meine Geschichten kommen mir nicht im Schlaf, sondern wenn ich die Polizeiberichte der Zeitungen lese und vor allem, wenn ich vor Ort in England recherchiere.

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