Ich habe einen Traum Elizabeth GeorgeSeite 2/2

Dennoch wirken meine Träume auf seltsame, nicht immer erklärbare Weise in mir nach, zumindest die, an die ich mich erinnern kann. Ein Wachtraum ist mir noch besonders gegenwärtig, also jene Sorte von Traum, bei dem die Abgrenzung zur Wirklichkeit mitunter besonders schwerfällt. Du träumst, glaubst aber, dass du wach bist, nur ist das nicht der Fall. Tatsächlich bist du längst eingeschlafen, nur hast du die Tiefschlafphase noch nicht erreicht. In meinem Tagtraum liege ich wieder in meinem Bett, wache auf und blicke in die Augen von vier Aliens. Sie hocken am Bettende und starren mich an. Es sind nicht diese Kreaturen mit Klauen und geifernden Mäulern, wie man sie von dem Filmregisseur Ridley Scott kennt. Aber unheimlich sind sie trotzdem, mit ihren großen Köpfen und den schwarze Augen. Mein Herz schlägt bis zum Hals, ich springe aus dem Bett, renne zur Balkontür. Aber die lässt sich nur sehr schwer öffnen. Dann – endlich – kann ich mich auf den Balkon flüchten, sehe mich hektisch um, suche nach einem Ausweg, komme aber nicht voran – und wache zum Glück auf. In meinem Bett, nicht auf dem Balkon.

Dieser Wachtraum kam mir so real vor, dass ich einen kurzen Moment lang tatsächlich glaubte, ich wäre von Außerirdischen gejagt worden. Jedenfalls habe ich seitdem mehr Verständnis für jene Menschen, die behaupten, sie seien im Schlaf von Aliens entführt worden. Manchmal habe ich mich gefragt, wie mein Traum wohl weitergegangen wäre, wenn ich nicht vor lauter Angst aufgewacht wäre. Vielleicht hätten mich die Aliens ja mit auf ihr Raumschiff genommen und dann wer weiß was alles mit mir angestellt. Dann würde auch ich jetzt wahrscheinlich diese Geschichten von Außerirdischen erzählen, die mich abgeholt haben.

Aufgezeichnet von Martin Scholz

Elizabeth George, 57, ist Amerikanerin und lässt ihre Kriminalromane in England spielen. Ihre Romane »Wo kein Zeuge ist« und »Wer die Wahrheit sucht« stehen derzeit in deutschen Bestsellerlisten. Im vergangenen Herbst erschien ihr neuer Roman – bislang nur auf Englisch: »What came before he shot her«. Die ehemalige Lehrerin und Literaturprofessorin lebt in Seattle und in London. Hier erzählt sie von ihren wiederkehrenden Albträumen

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