Ertappt. Die Ruhr-Universität Bochum hat einer Studentin den Diplomtitel aberkannt und fordert eine vierstellige Summe als Ordnungsstrafe von der jungen Frau. Ihr Vergehen: In der Abschlussarbeit hat sie abgekupfert, plagiiert. Dafür kommt sie recht glimpflich davon, bedenkt man, dass Plagiate in Nordrhein-Westfalen mit bis zu 50000 Euro Bußgeld geahndet werden können. »Schummler verschaffen sich Riesenvorteile gegenüber redlichen Diplomanden. Auch wenn wir unter der Höchststrafe bleiben, Plagiat ist eine Ordnungswidrigkeit und kein Kavaliersdelikt«, sagt Unisprecher Josef König. BILD

Mehr und mehr Universitäten sagen dem Schummeln und Kopieren den Kampf an. Ihnen stehen durchaus harte Strafen zu Gebote. Je nach Bundesland muss ein Plagiator mit einem Disziplinarverfahren, der Exmatrikulation oder mit hohen Geldstrafen wie in Nordrhein-Westfalen rechnen. Eine Studentin der Universität Münster ließ es 2006 nicht so weit kommen. Sie verließ die Universität freiwillig.

Auch in der Schweiz ziehen die Hochschulen Gedankendiebe zur Rechenschaft. Die Uni Zürich lud im vergangenen Jahr sechs mutmaßliche Plagiatoren vor den Disziplinarausschuss, berichtet die Neue Zürcher Zeitung. Fünf von ihnen wurden zeitweise von der Universität ausgeschlossen, für bis zu sechs Semester. Für einen der Abschreiber hat die Hochschule die endgültige Exmatrikulation beantragt. Einige Institute lassen ihre Studenten Redlichkeitserklärungen unterzeichnen, damit Plagiatoren später nicht sagen können, sie hätten von nichts gewusst.

Dass die Universitätsleitungen vermehrt von Betrugsversuchen erfahren, liegt vor allem am Engagement der Hochschuldozenten. Die fahnden in Hausarbeiten nach Stilwechseln und sich ändernden Formatierungen, forschen nach auffälligen, wiederkehrenden Tippfehlern sowie nach wechselnden Fehlerhäufigkeiten. Mit immer ausgefeilteren Methoden versuchen sie, die Trickser und Abschreiber zu überführen. Zunehmend nutzen sie dafür universelle Volltext-Suchmaschinen oder auf die Plagiat-Suche spezialisierte Onlinedienste.

Als Erste kündigte vor drei Jahren die Universität Bielefeld an, den kanadischen Online-Dienst turnitin (»reich es ein«) auf Plagiatoren anzusetzen. Die zu prüfenden Arbeiten werden auf dem Server der Herstellerfirma iParadigms hinterlegt und elektronisch mit Texten aus dem Internet und bereits bei der Firma gespeicherten Arbeiten abgeglichen. »Wir stellen es den Dozenten frei, ob sie davon Gebrauch machen möchten«, sagt Universitätssprecher Ingo Lohuis. »Genutzt wird die Möglichkeit hauptsächlich von den Geisteswissenschaftlern. Deren Diplomarbeiten leben ja auch wesentlich mehr vom Text als die der Naturwissenschaftler.«

Der derzeit gängigste elektronische PlagiatSpürhund ist der Plagiarism-Finder. Innerhalb von 30 Minuten checkt das Programm, ob Wortgruppen aus einem Text genauso im Internet auftauchen. Inzwischen haben jedoch auch schummelwillige Studenten das Programm entdeckt. Bevor sie ihre Diplomarbeiten einreichen, lassen sie die Software drüberschauen und verwischen die Spuren, falls nötig.

Auch die Politologin Sarah Knoop von der Universität Münster hat sich in ihrer Abschlussarbeit mit dem Plagiieren beschäftigt, ganz wissenschaftlich allerdings. »Vor allem wollte ich wissen, ob das häufige Abschreiben etwas mit dem Internet zu tun hat«, sagt sie. Über die Hälfte der von ihr befragten Studenten gab zu, schon einmal aus fremden Texten abgeschrieben zu haben. Größtenteils handelte es sich um kleinere Sünden, stellte Knoop fest: »Die meisten haben nur ein oder zwei Sätze übernommen.« Eine ganze Arbeit kopiert zu haben gestand keiner. »Aber wer würde so etwas schon zugeben?«, meint die Politologin. Das Internet verstärkt nach ihrer Untersuchung die Schummelei nicht übermäßig. Gedruckte Literatur und Onlinequellen wurden ähnlich häufig kopiert.