Hochschulpakt Der Studentenberg ruft
Viel mehr junge Leute werden besser ausgebildet sein. Das kann die Probleme des demografischen Wandels mildern
Drei düstere Szenarien machen den Deutschen derzeit Sorgen um die Zukunftsfähigkeit ihres Landes: die alternde Gesellschaft, der erwartete Ansturm geburtenstarker Jahrgänge auf ohnehin überforderte Universitäten und die fortlaufende Entvölkerung weiter Gebiete im Osten des Landes. Zusammen betrachtet, bieten alle drei Probleme dennoch eine Chance – wenn jetzt die richtigen Weichen gestellt werden.
Die Zahl der Studienberechtigten wird in den nächsten Jahren stark steigen und sich über lange Zeit auf hohem Niveau halten. Es sind die Kinder der Babyboomer, die morgen an die Hochschulen strömen. Das mag aus Sicht der Universitäten eine gewaltige Herausforderung sein. Für die Gesellschaft ist es eine Chance.
Hochschulabsolventen sind Treiber der Arbeitsproduktivität und der Innovation. Die jungen Menschen, die in den kommenden Jahren an die Tore unserer Universitäten klopfen werden, können helfen, unseren Bedarf an hoch qualifizierten Arbeitskräften zu decken. Denn sie werden ihre Ausbildung zu einem Zeitpunkt abschließen, an dem die Generation der Babyboomer in Rente geht.
Umso wichtiger ist es, sie zu motivieren und zu qualifizieren. Mehr als die Hälfte der jungen Menschen will heute an die Universität. Das sind deutlich mehr als in der Vergangenheit. Sie haben begriffen, dass sie durch ein Studium ihre Perspektiven im Leben verbessern. Ein Hochschulabschluss verringert das Risiko, arbeitslos zu werden, verspricht ein höheres Einkommen und erhöht die Chance, die persönliche Lebensplanung zu verwirklichen.
Nicht mehr "Augen zu und durch"
Die Jugendlichen sind aber auch pragmatisch. Sie passen ihre Zukunftspläne der gesellschaftlichen Realität an. Sie werden beobachten, wie Politik und Universitäten die Herausforderung meistern, in den nächsten Jahren bis zu 30 Prozent mehr Studienplätze zu schaffen. Und sie werden auf dieser Basis entscheiden, ob sie ein Studium aufnehmen oder nicht. Deshalb darf die Antwort der Politiker und Hochschulen nicht wieder »Augen zu und durch« heißen, wie beim letzten Studentenberg Ende der siebziger Jahre. Damals versuchte man, den Berg zu untertunneln, indem man die Universitäten öffnete – und sie mit den Massen alleinließ. Wenn sich das nicht wiederholen soll, müssen wir jetzt richtig investieren.
- Datum 08.02.2007 - 07:37 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 08.02.2007 Nr. 07
- Kommentare 4
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








spielt eine Rolle.
Und es ist für Deutschland eben kein Nutzen, sondern ein Schaden, wenn wir uns weiter an irgendwelchen Scheinen (offiziell z.B. als „Diplom“ bezeichnet) berauschen.
Auch wenn es einige nicht wahrhaben wollen:
Der Weltmarkt zahlt keine müde Mark für irgendwelche Titel, sondern für innovative Produkte (die andere nicht herstellen und deshalb nicht im Preis unterbieten können) oder Dienstleistungen.
Gerade vor dem zitierten „Hintergrund eines schärferen globalen Wettbewerbs“ sollten wir uns fragen, ob wir es uns leisten können, einen immer größeren Teil des Steueraufkommen für sogenannte „Geisteswissenschaften“ auszugeben.
Bis 1990 war die Universität Karl-Marx-Stadt rein natur-/ingenieurwissenschaftlich ausgerichtet. Jetzt sind in der Uni Chemnitz die sog. Geisteswissenschaftler in der Überzahl.
Ob die uns einen Vorteil im „vor dem Hintergrund eines schärferen globalen Wettbewerbs“ verschaffen? Welchen Anteil haben die am Export?
Ob es denen gelingt, der soziologischen oder philosophischen Konkurrenz der fernöstlichen Tigerstaaten Paroli zu bieten?
Nein, bestimmt nicht. Diese sogenannten „Intellektuellen“ werden uns erst als Studenten und später als offiziell Arbeitslose oder kaschiert Arbeitslose (d.h. im öffentlichen Dienst versorgte) auf der Tasche liegen.
Deshalb bin ich streng gegen eine weitere Aufblähung der Unis ohne dass vorher eine Nützlichkeitsabschätzung getroffen wird. „Freiheit der Lehre“ ist eine wohlklingende Worthülse, wertlos ohne Aussagen über die Finanzierbarkeit.
Welchen Kalibers diese sogenannten „Intellektuellen“ sind, wie die uns „vor dem Hintergrund eines schärferen globalen Wettbewerbs“ helfen, kann der Interessierte hier nachlesen
[ Wir können leider nicht alle Verweise auf andere Internetseiten prüfen. Bitte haben Sie Verständnis, dass Links gelöscht werden. gez. Die Redaktion ]
Die jungen Deutschen haben also eine immer bessere Ausbildung, werden aber immer weniger.
Der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund steigt. Und ihre Ausbildung:
'Jeder dritte Deutschtürke zwischen 25 und 35 hat keine Ausbildung. Jeder zweite 15-Jährige geht auf die Hauptschule. Jeder Fünfte verlässt die Schule ohne Abschluss.'
http://blog.zeit.de/joerg....
Ich kann dem Beitrag nur zustimmen, es wird eine gewaltige Veraenderung auf die Universitaeten zukommen. Ich bin selbst Student, absolviere gerade ein Praktikum in den USA, der Betriebswirtschaftslehre an der FH Konstanz und bin vorher von der Universitaet Stuttgart und der dortigen Massenabfertgiung gefluechtet. Es ist unglaublich was an manchen Universitaeten von statten geht. In Konstanz sitze ich in einem 40 Mann starken Semster, das von den Professoren selbst ausgewaehlt wurde. Neben dem Platz fuer Fragen und Diskussionen ist das Betreuungsverhaeltnis perfekt.
Ich bin der Meinung, dass gerade an grossen Universitaeten die Lehre von der Vorlesung, und das im wahrsten Sinne des Wortes, in Richtung einer Kooperation mit Studenten ausgebaut werden sollte, von der beide Seiten, wie bei uns in Konstanz profitieren.
Ich denke, dass gerade durch diese Interaktionsmoeglichkeit mit den Professoren die faehigeren , in meinem Fall, Manager aus dem Studiengang hervorgehen werden. Das Bidungsniveau hat dann hoffentlich auch Wirklung auf die ganze Gesellschaft.
.tt.
Seit der Einführung der Studiengebühren ist die Zahl der Studienanfänger dramatisch eingebrochen! Außerdem bildet Deutschland im internationalen Vergleich viel zu wenig Akademiker aus - was von der OECD als ein großen Manko des deutschen BIldungswesen gerügt wurde.
In diesem Zusammenhang einen solchen Artikel zu schreiben, zeugt von akutem Realitätsverlust.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren