DIE ZEIT: Herr Tangermann, die Herstellung von Biosprit boomt. Kraftstoff vom Acker gilt als klimafreundlich und als sinnvolle Alternative angesichts der wachsenden Risiken der Energieversorgung. Sind die Hoffnungen berechtigt? BILD Die höhere Nachfrage nach Biosprit treibt in Mexiko die Preise für Mais in die Höhe.

Stefan Tangermann: Ich kann verstehen, dass vor allem in den reichen Ländern solche Hoffnungen keimen. Allerdings dürfen wir doch, auch wenn es um die Sicherung der Energieversorgung geht, die wirtschaftliche Logik nicht ganz vergessen. In vielen Ländern der Welt, in der EU und weitgehend auch in den USA, ist Kraftstoff aus landwirtschaftlichen Produkten nach wie vor deutlich teurer als solcher aus Erdöl.

ZEIT: Warum wird Biosprit trotzdem gefordert und gefördert?

Tangermann: Nach meinem Eindruck stehen drei Motive dahinter. Erstens der Glaube, Biosprit sei gut für die Umwelt. Zweitens die Hoffnung, der Kraftstoff vom Acker könne die Abhängigkeit von Ölimporten aus unsicheren Ländern mindern. Und drittens natürlich die Möglichkeit, den Landwirten etwas Gutes zu tun.

ZEIT: Klientelpolitik?

Tangermann: Das ist sicher ein Element. Aber ich konzediere ja, dass auch gut gemeinte Beweggründe dabei sind – Klimaschutz und Energiesicherheit.