Politisches Buch Ganz normale GeneraleSeite 2/2
Moralische Bedenken wurden einfach beiseitegeschoben
Die Befehlshaber mussten nicht Nazis im formellen Sinn oder Judenhasser der übelsten Sorte sein, um sich in die Mordpolitik zu integrieren. Eine Reihe anderer Faktoren reichte dazu aus. Die Generale hatten, wie Hürter zeigt, völlig unabhängig von Hitler das Feindbild des »jüdischen Bolschewismus« entwickelt und teilten weitgehend Hitlers rassistische Ressentiments gegen Slawen, Ostjuden und »Asiaten«. Höchst bedeutsam waren weiter die Lehren, die die Militärs aus den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs zogen. Die weiterentwickelte Theorie vom »totalen Krieg« forderte die »Entgrenzung« der Kriegführung. Im »Kampf um Sein oder Nichtsein« sei der rücksichtslose Einsatz aller Ressourcen notwendig. Moralische Bedenken und traditionelle Wertvorstellungen – sprich völkerrechtliche Schranken – wurden »Kriegsnotwendigkeiten« untergeordnet.
Mit »Kriegsnotwendigkeit« wurde nicht nur die Hungerpolitik gegen Zivilbevölkerung und Kriegsgefangenen begründet, sondern auch die drakonische Unterdrückung jeder Widerstandsregung der sowjetischen Bevölkerung. Dabei wurde die von der Heeresführung angeheizte Freischärlerpsychose, die schon im Polenfeldzug zur Erschießung Tausender polnischer Soldaten und Zivilisten geführt hatte, durch die Erwartung eines von der KPdSU gesteuerten Volkskriegs potenziert. Der Kriegsplan sah tiefe Panzervorstöße vor, weite Räume sollten nur von schwachen Kräften gesichert werden. Für die Befehlshaber ergab sich daraus die »Notwendigkeit« der Anwendung brutalster Gewalt, um präventiv mögliche Gefahrenherde hinter der Front zu beseitigen. In dieses Konzept ordnete sich, wie Hürter plausibel argumentiert, auch die Unterstützung der Judenmorde ein. Mit dem Auftreten erster Partisanengruppen waren die Generale schnell bereit, die von den Mordkommandos und ihren eigenen Abwehroffizieren genährte Fiktion »Der Jude ist der Partisan!« zu glauben. Die Ermordung der wehrfähigen Juden konnte so als Teil der präventiven Gefahrenabwehr gesehen werden. Dabei zogen es die Generale ohnehin vor, nicht allzu viel wissen zu wollen, obwohl die Mordkommandos ihre Stäbe erstaunlich offen informierten. Dem Beispiel des Feldmarschalls von Reichenau folgend, forderte aber ein Drittel der Befehlshaber, unter ihnen Hoepner, von ihren Soldaten »volles Verständnis« für die »harte, aber gerechte Sühne am jüdischen Untermenschentum« .
Die Bedeutung dieser Arbeit liegt darin, dass sie mit vielen neuen Belegen akribisch bestätigt, in welchem Ausmaß die Generalselite die verbrecherische Kriegführung im Osten mittrug.
Hitlers HeerführerPolitisches BuchDie deutschen Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion 1941/42Johannes HürterBuchOldenbourg Verlag2006München49,80719- Datum 13.02.2007 - 12:01 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 08.02.2007 Nr. 07
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Das Hauptproblem unserer heutigen Historikerzunft ist, daß sie nicht mal im Ansatz frei ist. Wer es wagt, dem Zeitgeist widersprechende Thesen zu veröffentlichen, gilt im besten Fall als 'umstritten', im schlechtesten Fall als sog. 'Revisionist'. Das Revision in der Geschichte etwas völlig natürliches ist, wird völlig ignoriert. Auch das die These immer die Antithese braucht. Es wird sich nicht mit den Antithesen auseinandergesetzt, sondern es werden Existenzen zerstört, Karrieren brutal beendet, nicht selten sogar das Strafrecht bemüht.
Im Gegenzug macht jeder kleine, opportunistische Zeitgeisthistoriker Karriere, je grausamer und undifferenzierter er die 'Tätergeneration' schmäht. Lügen durch Weglassen ist dabei ein probates Mittel. Unter diesen Umständen KÖNNEN keine vertrauenswürdigen Ergebnisse geliefert werden, das ist unmöglich.
Ich kann jedem nur raten, all jene spätgeborenen, moralisierenden Staatshistoriker beiseite zu lassen und die 'alten Meister' zu lesen (allen voran Joachim Fest und Sebsatian Haffner). Diese Personen haben die Wirren der Zeit erlebt, wissen wovon sie schreiben. Fest bescheibt z.B. im Buch 'Der lange Anlauf zum 20. Juli' dezidiert, wie oft ein Putsch durch Wehrmacht und Generaliät kurz bevor stand, das erste Mal schon 1938. Später gab es entgegen den Schilderungen des Artikels natürlich Säuberungsaktionen durch Hitler, speziell nach heftigen Auseinandersetzungen zwischen ihm und den generälen nach den brutalen Übergiffen in Polen. Fest beschreibt, daß Hitler geschrien und getobt haben soll, weil ihme 'seine ' Wehrmacht nicht folgen wollte.
Insgesamt sind fast 40 (!) Putsch- und Attentatsversuche dokumentiert. Das es nie geklappt hat ist eine Tragödie, aber wer von uns Wohlstandskindern ist berechtigt darüber zu urteilen. Natürlich gab es auch gedeckte Verbrechen, aber wer die Vorgeschichte ignoriert lügt uns an, hat nur seine Karriere im Sinn . Ich hoffe diese Zeit der widerlichen Selbsthasses ist irgendwann vorbei. Dazu müssen wir endlich die 'Historisierung des Nationalsozialismus' zulassen, nur unter freien Bedingungen kann man Forschungsergebnissen glauben schenken.
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