Das soll die Firmenzentrale von Deutschlands innovativstem Bonbonhersteller sein? Ein unscheinbares Firmenschild mit dem Katjes-Logo, ein paar flache weiße Container, zwei große, aber schlichte Fabrikationshallen. Das Ganze in einem anonymen Industriegebiet außerhalb von Emmerich, dicht an der holländischen Grenze gelegen. Der erste Eindruck: sehr bescheiden.

Gleich hinter der Eingangstür beginnt allerdings der Aha-Effekt: Ein knallroter Teppich, Besucher werden auf einer elektronischen Tafel persönlich begrüßt, große Fenster, helle Wände, schicke Möbel, bunte Katjes-Logos an den Wänden, ein Flachbildschirm, auf dem sich Werbe-Ikone Heidi Klum in einer Wanne voller bunter, weicher Yoghurt-Gums räkelt. » Katjes jes jes jes«, haucht sie dazu. Yes, yes, yes.

Außen alt innen neu. In dieser Firma weht also ein frischer Wind, aber der hat nicht alles Traditionelle über den Haufen gepustet.

Dann der Chef. Katjes-Geschäftsführer Tobias Bachmüller, 49 Jahre alt, strahlt jungenhaften Charme aus. Seine Haare sind voll, der Anzug ist grünlich, das Hemd gestreift, die Krawatte knallig. Yes, yes, yes.

Siegel- und Ehering schmücken die gepflegte rechte Hand. Es fehlt eigentlich nur noch ein Einstecktuch. Vor ein paar Monaten war er in Potsdam und hat direkt gegenüber den Babelsberger Filmstudios eine neue Produktionsstätte eröffnet, mit gläserner Fabrik und einem täglich geöffneten Factory-Outlet. Der Potsdamer Bürgermeister ist begeistert. Ein deutsches Unternehmen holt über 100 Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe aus dem Ausland zurück. Der Babelsberger Geysir, eine Wasserfontäne, sprudelt dank einer Katjes-Spende nach 40 Jahren wieder in die Höhe. Die Presse jubelt.

Dann mal gleich eine unangenehme Frage: »Herr Bachmüller, haben Sie kein schlechtes Gewissen, wenn Sie Ihre Süßigkeiten mit dem Slogan fettfrei bewerben?«

In der Schule galt er als kleiner Popper, später jobbte er im Spielcasino