Jetzt aber, glaubt Mansfield, marschiert die Gegenrevolution in Gestalt von Drew Faust: »Sie hat Radcliffe zu einer Bastion des Linksfeminismus ohne jede abweichende Stimme gemacht.« Völlig allein steht Mansfield nicht da. Im örtlichen City Journal lässt sich nachlesen, das Radcliffe Institute sei eine »ewige Quelle des feministischen Beschwerdewesens«. Frauen seien ständig Opfer mal von »Diskriminierung«, mal von »sexistischer Ideologie«.

Anhänger sehen in ihr »das liberale Amerika in seiner besten Version«

Jene Drew Faust, die er selbst kennen und schätzen gelernt hat, kann der deutsche Harvard-Professor Werner Sollors in solchen Beschreibungen nicht entdecken. » Offenheit«, »Unvoreingenommenheit« und »beinahe preußische Nüchternheit« schätzt Sollors, aus der Abteilung für afroamerikanische Studien kommend, an Faust. Kurz: »das liberale Amerika in seiner besten Version«. Bald werde die gesamte Hochschule die Weisheit der Entscheidung erkennen, eine Brückenbauerin zur Präsidentin zu küren.

Vermutlich wird dabei noch manchen überraschen, dass eine der Brücken zurück zu Larry Summers trägt. Denn Summers große Projekte die Reform der studentischen Ausbildung, der gewaltige Ausbau des Campus, die Hinwendung zu den Biowissenschaften dürften von Faust nicht infrage gestellt werden. Dabei hilft Faust die Ehe mit einem Medizinhistoriker. Über die Bedeutung der Naturwissenschaften für das 21. Jahrhundert wird Faust deshalb niemand Vorträge halten müssen.

Eher wird man mehr dazu von Drew Faust hören. Am Ende ihrer ersten Pressekonferenz sagt sie sich selbst jedenfalls eine »lange und erfolgreiche Amtszeit« voraus. Im Durchschnitt der vergangenen 371 Jahre waren es 13 Jahre pro Präsident.