Gender Die exotische Frau Professor
Deutsche Hochschulen heißen Frauen zwar willkommen – ihre Karrierechancen aber sind immer noch bescheiden. Doch Vorsicht: Die nackten Zahlen sagen nicht alles.
An deutschen Universitäten ist die Gleichstellung von Frauen seit Jahrzehnten ein viel diskutiertes Thema. Doch die vielen Maßnahmen zur Förderung junger Wissenschaftlerinnen haben bisher nur bescheidene Erfolge gezeigt.
Einzig beim Zugang zum akademischen Milieu herrscht nahezu Gleichberechtigung. Fast die Hälfte der Studienanfänger in Deutschland sind Frauen (48,8 Prozent). Ihr Anteil unter den Hochschulabsolventen ist noch höher – sie brechen seltener ihr Studium ab. Doch je weiter der Karriereweg führt, desto mehr schwindet der Frauenanteil. Unter den Promotionen beträgt er 39,6 Prozent, unter den Habilitationen 23 Prozent. Nur 14,3 Prozent der Professorenstellen in Deutschland werden von Frauen bekleidet, unter den gut bezahlten Lehrstuhlinhabern stellen sie gar nur 9,7 Prozent (Quelle: Statistisches Bundesamt).
In anderen europäischen Ländern wie Finnland, Portugal oder Polen haben Frauen etwa 20 Prozent der hoch dotierten Professorenposten inne, in Lettland 26,5 Prozent (Quelle: She Figures 2006). Nicht immer aber sagt der Frauenanteil in der Wissenschaft etwas über ihren Stellenwert aus. »Vorsicht beim Blick auf die nackten Zahlen«, warnt Andrea Löther vom Center of Excellence Women and Science (CEWS) in Bonn, das regelmäßig Statistiken und internationale Vergleiche zur Situation von Frauen in der Forschung erstellt. »Manchmal ist der Frauenanteil da besonders hoch, wo der Stellenwert von Wissenschaft eher gering und eine Professur schlecht bezahlt ist.« Das gelte vor allem für osteuropäische Länder.
In Deutschland zeigen die Programme zur Förderung von Frauen erste Erfolge bei der Besetzung von Professorenstellen. Doch in der Leitung von Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen steigt ihr Anteil nur langsam, von 5,1 Prozent im Jahr 1996 auf 8,7 Prozent im Jahr 2005. Von 355 Rektoren- und Präsidentenposten sind nur 31 von Frauen besetzt. Der Job der Kanzlerin wird etwas häufiger an Frauen vergeben. Hier beträgt der Frauenanteil 17 Prozent (alle Angaben für Dezember 2005, Quelle: CEWS).
Bei den außeruniversitären Forschungseinrichtungen sieht die Lage der Topwissenschaftlerinnen und Forschungsmanagerinnen laut einer Erhebung der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung nicht besser aus. In den Spitzenpositionen der Helmholtz-Gemeinschaft finden sich neben 206 Männern nur 7 Frauen, das entspricht einem Anteil von 3,3 Prozent. Die Max-Planck-Gesellschaft hat neben 247 Männern 15 Frauen an die Spitze von Instituten berufen. Bei der Leibniz-Gemeinschaft beträgt der Frauenanteil in Führungspositionen 6,5 Prozent. Insgesamt stehen bei den großen Forschungsorganisationen einer Übermacht von 612 Männern gerade einmal 33 Frauen gegenüber.
Diese Benachteiligung hat viele Gründe. Sie zeigt sich aber vor allem in zwei kritischen Karrierephasen: an den Übergängen zu Promotion und Habilitation. Eine vom CEWS für die Robert-Bosch-Stiftung erstellte Zusammenfassung des Forschungsstandes zeigt, dass Frauen sich während des Studiums weniger stark ermutigt fühlen als ihre Kommilitonen. Sie werden seltener zur Promotion aufgefordert und berichten von einer geringeren Integration während der Promotion selbst. Sie schreiben ihre Doktorarbeit häufiger auf der Basis eines Stipendiums und deutlich seltener als ihre männlichen Kollegen auf karriereträchtigen Nachwuchspositionen.
- Datum 14.02.2007 - 06:42 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 15.02.2007 Nr. 08
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