Hotel In fremden Betten

Mavida Balance Hotel & Spa, Zell am See

Da das Mavida ein ausgezeichnetes Designhotel ist und mit Esoterik so wenig zu tun hat wie ein Steinmetz mit einer Strickliesel, sei der Spa-Managerin des Hauses ein Satz verziehen. Sie sagt: »Sie werden sich beim Floaten fühlen wie im Mutterleib.« Kurze Zeit später liege ich auf der Wasseroberfläche eines Beckens, 36 Grad Celsius, 26 Prozent Sole. Ich habe das Licht ausgeknipst, döse entspannt vor mich hin, keine Ahnung, wie lange schon, und plötzlich hallt durch die Dunkelheit des Floating-Raumes eine Frauenstimme: »Herr Niederberghaus, ist alles in Ordnung?« Erschrocken senke ich die Füße zu Boden, suche Zuflucht in der Ecke des Pools und entgegne verängstigt: »Mutter, seit wann siezt du mich?« – Aha, ich war aus Versehen an den Notrufknopf gekommen, und aus dem Off sprach die besorgte Spa-Managerin.

Als Herbert Bren, der 44-jährige Eigentümer und Geschäftsführer des Mavida, das Hotel in Zell am See für knapp zehn Millionen Euro renovieren ließ, war ihm klar, dass sich ein Designhotel nur etablieren kann, wenn auch der Service exzellent ist. Und das ist er im Mavida. Die Angestellten sind – und das lässt sich leider nicht über jedes Designhotel sagen – gut ausgebildet, was den Heil bringenden Händen der Masseure anzumerken ist wie auch den Kellnern: Sie bedienen freundlich und bleiben angenehm gelassen, wenn ein Gast Extrawünsche äußert. Und was sie servieren, sind regionale Produkte, die Chefkoch Martin Stalzer zu einer, wie man so sagt, leichten Kost verarbeitet hat: etwa die »consommée vom rind mit sellerietascherl und tafelspitz«, herrlich klar, oder die »gefüllte roulade vom backhenderl mit erdäpfel-vogerlsalat«, dazu österreichische Weine wie den hell-grüngelben Veltliner mit reifer Zitrus-Apfel-Note, dessen Pfefferl noch angenehm nachhallt.

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Die Leichtigkeit und der Bezug zur Bergwelt standen auch im Vordergrund, als die Münchner Innenarchitektin Niki Szilagyi das bereits seit 28 Jahren existierende und damals unter dem Namen Hotel Katharina geführte Haus umgestaltete. Szilagyi hat bei Matteo Thun gelernt und bereits am Vigilius Mountain Resort in Südtirol mitgewirkt. Das Mavida trägt die gleiche Handschrift. Es setzt einen Kontrapunkt zur Lederhosenarchitektur, ohne jedoch die umliegende Natur zu ignorieren. Die Außenfassade ist zwar nach wie vor wenig charmant, doch drinnen harmonieren heimische Hölzer – etwa unbehandelte Lärche – mit Schiefer und Solnhofer Platten sowie Leder und Kuhfellen. Da das Hotel komplett entkernt und mit neuen Wänden versehen wurde, sind die 47 Zimmer hell und geräumig. Jedes dieser Zimmer ist mit Internetzugang (kostenlos) sowie DVD- und CD-Player ausgestattet. In den Bädern gibt es Schieferwände – und hübsche Accessoires, die man nicht stibitzen muss, sondern im hauseigenen Shop käuflich erwerben kann.

Herbert Bren hat in verschiedenen Hotels in den USA, der Schweiz und Deutschland gearbeitet, bevor er nach Zell am See zurückkam und das Mavida eröffnete. »Da ich in der Welt nun weniger unterwegs bin, wollte ich die Welt hierher holen«, sagt er. Vor allem mit den DJs, die in der Bar Loungemusik auflegen, zeigt das Mavida, dass es auf eine junge, genussfreudige Klientel abzielt, die für ein langes Wochenende ebenso nach London oder nach Marrakesch fliegt. Mit dem typischen Remmidemmi und Pistenpartys hat das nichts zu tun. Nach einem langen Skitag am Kitzsteinhorn sitzt man vor dem Kamin, um den sich wie um ein Lagerfeuer bequeme Sitzmöbel gruppieren, und lässt sich von der Musik angenehm besäuseln. Man sitzt einfach nur da und freut sich auf den Masseur, der einem die vom Skifahren strapazierten Muskeln wieder lockern wird, auf das Floaten und das nächste Frühstück, das hier auf Wunsch auch à la carte serviert wird. Die wahre Bedeutung des Wortes Mavida (es kommt aus dem Spanischen und meint so viel wie Lebensfreude und Wohlbefinden) spürte ich jedoch spätabends, als ich vom Bett aus in den Kamin der Panoramasuite blickte, in dem die Flammen tanzten und das Holz knisterte, während sich draußen auf der Balkonbalustrade Zentimeter für Zentimeter der Schnee türmte.

Mavida Balance Hotel & Spa, Kirchenweg 11, A-5700 Zell am See, Tel. 0043-6542/5410, www.mavida.at , DZ ab 110 Euro, Arrangements ab 489 Euro (3 Nächte Halbpension mit Spa-Programm)

 
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