Akustik Bei Verstimmung NadelsticheSeite 2/2

Und das, obwohl die Geigenbauer ziemlich erfinderisch sein können, wenn es um ihre liebsten Stücke geht. Sie haben die Instrumente schon asymmetrisch gestaltet, die einzelnen Teile verändert oder wie Schumann bei früheren Versuchen das Holz mit einem Föhn erwärmt, geknetet und massiert. Auch Wissenschaftler helfen den Handwerkern beim Streben nach dem perfekten Klang, indem sie immer wieder probieren, die physikalischen Eigenschaften von Geigenholz zu verbessern. Das Holz für den Bau muss den Schall mit hoher Geschwindigkeit leiten können; es darf nur eine geringe Dichte haben, muss leicht und dennoch fest sein. Fichte wird gern für die Decke des Instruments verwendet, Ahorn für den Boden.

Die Werkstoffingenieurin Melanie Spycher von der Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt in St. Gallen hat jetzt entdeckt, dass auch Pilze die Struktur von Geigenhölzern beeinflussen können. Zumindest für Ahorn hat sie einen idealen Kandidaten gefunden: Schizophyllum commune, den »Gemeinen Spaltblättling« aus der Gruppe der Moderfäule-Erreger. Normalerweise bringt er Zaunpfähle zu Fall, bei Spychers Experimenten minderte er als Einziger die Dichte des Holzes, ohne dass er gleichzeitig die Schallwellen behinderte oder die Festigkeit zerstörte. Dazu brauchte er 20 Wochen. »Das Holz ist nun etwas leichter, schwingt besser, und die akustischen Wellen können sich besser ausbreiten«, sagt Melanie Spycher.

Bei Ralf Schumann sind Resultate schneller hörbar. Manchmal braucht er für die Akupunktur-Behandlung in seiner Werkstatt nur eine halbe Stunde, manchmal einen halben Tag. Und er kann auch dann noch eingreifen, wenn die Geige längst gebaut ist. Über 200 Instrumente hat er in den vergangenen zweieinhalb Jahren schon gepiekst. Und er experimentiert weiter – jetzt auch mit Lautsprecherboxen.

 
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