Interview Judi DenchReden über die Macht

Die Schauspielerin Judi Dench ist Englands geheime Königin. Ein Berlinale-Gespräch über ihren Beitrag zum Weltgeist und die Chancen, einen Oscar zu gewinnen von 

DIE ZEIT : Mrs. Dench, laut einer Umfrage sind Sie beliebter als die Queen. Manche halten Sie sogar für Englands wahre Königin.

Judi Dench : Für diese Bemerkung würden Ihnen manche Briten den Kopf abschlagen.

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ZEIT : Sie wurden zur besten englischen Schauspielerin der letzten 50 Jahre gewählt. Beim Gottesdienst für die britischen Opfer vom 11. September wünschten sich die Hinterbliebenen, dass Sie die Gedenkrede lesen. Wie lebt man als Institution?

Dench : Ich hasse es. Es hört sich nach einer gigantischen Staubwolke an. Als ob man mich in eine Vitrine stellte.

ZEIT : Sie könnten auch einfach stolz darauf sein.

Dench : Stolz bin ich darauf, Patentante von dreizehn Kindern, einem Hund und einem 2000-Bruttoregistertonnen-Schiff zu sein.

ZEIT : Sind Sie nicht stolz auf Ihre Rollen? Auf Ihre Oscar-Nominierung?

Dench : Doch, auf Barbara Covett in Tagebuch eines Skandals bin ich zum Beispiel stolz. Weil sie eine schrecklich zwiespältige Person ist. Wie viele meiner Rollen. Ein verletzliches Monster.

ZEIT : Im Film spielen Sie neben Cate Blanchett eine lesbische Lehrerin, die ihre jüngere Kollegin erpresst, um deren Liebe und Aufmerksamkeit zu erlangen. Was steckt hinter der Bosheit?

Dench : Diese Lehrerin hat eine bodenlose, bewusstlose Sehnsucht nach Zuneigung. Das macht sie so böse – und unschuldig wie ein Kind. Sie weiß nichts von ihrem zerstörerischen Wesen.

ZEIT : Sahen Sie nicht die Gefahr, dass diese Rolle das Klischee der lesbischen Jungfer bedient?

Dench : Schon. Aber die Figur geht hoffentlich über das Klischee hinaus. Ich wollte zeigen, weshalb sie so ist, wie sie ist. Hinter ihren Intrigen steht eine unendliche Einsamkeit. Das ist vielleicht die größte Herausforderung. Man nimmt eine vermeintlich stereotype Figur aus dem Vorratsschrank und erweckt sie zum Leben.

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