Gesundheitswesen Sie machen sich krank!Seite 5/5
Ein Vorschlag für die Umsetzung des NEIN-Prinzips lautet: Im Zuge der Gesundheitsreform werden die Menschen motiviert, sich in Hausarztmodelle einzuschreiben – die Erfahrungen aus europäischen Staaten zeigen die Vorteile:
• Jeder Mensch hat im Krankheitsfall einen Hausarzt, auch wenn er ihn jahrelang nicht aufsucht, solang er gesund ist.
• Jeder Hausarzt kann seine Arbeitsbelastung beeinflussen. 1500 bis 2500 Patienten in seiner Kartei kann ein Hausarzt bewältigen – eine stärkere Arbeitsbelastung schädigt die Qualität.
• Auch der gesunde Mensch in der Hausarztkartei trägt automatisch zu seinem Einkommen bei: Das gibt dem Arzt weniger Anreize, gesunde Menschen jedes Quartal zu einem Besuch in seiner Praxis zu motivieren.
• Jeder Hausarzt kann sich einen Überblick verschaffen über seine Patienten – und kann seine Praxis so organisieren, dass die schwer kranken Menschen mehr Zeit und Aufmerksamkeit bekommen als die weniger Kranken.
Nicht alles, was krank ist, gehört ins Gesundheitswesen. Lange ohne Arbeit zu sein, schlecht ausgebildet zu sein macht krank. Materielles, soziales Elend und Krankheit waren schon immer Geschwister. In Deutschland leben Reiche bis zu sieben Jahre länger als Arme. In manchen nordamerikanischen Städten ist diese Spanne mehr als doppelt so groß: 15 Jahre werden dem Reichen zusätzlich geschenkt oder dem Armen noch weggenommen. Eine solche Verlängerung der Lebenszeit lässt sich mit medizinischen Maßnahmen nur in ganz wenigen Ausnahmefällen erreichen.
Immer das nächste effektive Interventionsniveau zu suchen entspricht einer alltäglichen Strategie: Wenn ich die Glühbirne selbst wechseln kann, rufe ich nicht den Elektriker. Wenn der Bäcker nebenan ist, bestell ich kein Taxi, auch wenn es regnet. Wenn ich mir eine Kreuzfahrt nicht leisten kann, erhole ich mich auf einem Paddelboot. Warum soll das nicht gelten, wenn ich krank bin?
Der Autor ist Facharzt für Allgemeinmedizin in Berlin. Er hat lange in Norwegen gearbeitet. Seit 2002 praktiziert er wieder in Deutschland. Eine frühere Fassung dieses Beitrags ist im Deutschen Ärzteblatt erschienen
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- Datum 16.02.2007 - 08:43 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 15.02.2007 Nr. 08
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Ja, weil es gratis ist und was gratis ist, verliert schnell an Wert. Viele Leute gehen zum Arzt, um zu Arzt zu gehen und auch, weil sie mal wieder mit jemandem reden wollen. Wenn jeder Arztbesuch einem persoenlich 50.00 Euros kosten wuerde, saehe die Sache anders aus. Dann wuerde man eine Muskelzerrung als solche erkennen und selbst behandeln. Dann wuerde man auch den Apotheker fragen, welchen Saft man gegen Husten nehmen sollte. Aber sowas waere fuer viele Leute geschaeftlich vielleicht nicht so gut.
Die Grundthese dieses Artikels, sich auf mehr Eigenverantwortung zu besinnen, finde ich lobenswert. Nur leider wird dieser gutgemeinte Appell nichts an der Wirklichkeit ändern.
Wenn sich der durchschnitts Deutsche 16mal (!!) pro Jahr zum Arzt begibt, sollte doch jedem auffallen, welche Resourcen hier verschwendet werden. Resourcen Verschwendung an die 'gesunden' Kranken, wie es hier so treffend formuliert wurde. Die wirklich (schwer-)Kranken gucken in die Röhre.
Was wir in Deutschland bräuchten, wären Anreize, die einen gesunden Lebensstil honorieren. Eine Prämie beispielsweise die sich aus den eigenen Krankenkassenbeiträgen ergibt und einen Teil der geleisteten Zahlungen zurück zahlt, wenn man z.B. ein Jahr nicht zum Arzt musste. So ergibt sich wenigstens einen Anreiz nicht bei jeder Erkältung zum Arzt zu rennen und die Wartezimmer wären wieder frei für die wirklich Kranken.
.....wäre eine sinnvolle Sache, die sogar schon in den Schulen beginnen könnte.
Die Ärzte, die in den deutschen Kliniken höchstpersönlich Blut abnehmen, sind ein treffendes Beispiel für teure Ineffiziens.
Auch die Mädchen, die wegen eines Pillenrezepts jedes Vierteljahr zum Frauenarzt gehen müssen.
Schließlich auch der Bandscheibenvorfall, der mit Röntkenbild und Computertomographie teuer und exakt diagnostiziert wird, aber deswegen noch kein Stück behandelt ist. Für eine sinnvolle Behandlung, beispielsweise entspannende Massagen, Krankengymnastik und Motivation zur Eigeninitiative, fehlt dann das Geld....
Insofern fand ich den Artikel gut, weil er diese Aspekte benennt, die ich in der Diskussion sonst nirgends finde.
dann findet der auch was. Wenn ich mich umsehe dann finde ich dass viele Leute sich krank essen,rauchen und zu wenig bewegen.Die meisten Krankheiten sind doch das Ergebnis unserer eignen 'Suenden' in Bezug auf Ernaehrung usw., Nach dem Krieg hatte man entschieden Fette und Zuckerkranke. NIcht dass man wieder einen Krieg haben sollte aber man sollte sich wieder besser ernaehren.
Wie oft ist zu oft? Ein Ehepaar aus meiner Bekanntschaft geht jeden Monat zu einer Herzuntersuchung. Dabei ist keiner von beiden herzkrank. Ich bin herzkrank und werde einmal im Jahr untersucht. Offenbar fehlen jegliche Normen und Maßstäbe, und jeder Arzt macht einfach, was er will.
Aus meinem unmittelbaren Bekanntenkreis: da wurde eine ältere Person fünf volle Jahre auf Schlaganfall (mehrer akute Fälle) und Epilepsie behandelt. Dann kam der Chefarzt des Krankenhauses mal auf die Idee die Person zu einer (privaten) Kernspintomografie zu transportieren. Dabei wurde ein Myom im Kopf festgestellt. Und das bei der deutschen 'Mercedes'-Medizin. Wie sieht sowas wohl bei den Barfussärzten in Norwegen aus? Wenn die Krankenschwester die Diagnose stellt und die Apothekerin unterschreibt. Gibts dann als Therapie Rasengrab oder Urne???
Bei einem Befund wie hier geschildert ist eine Kernspintomograpie selbstverständlich eine normale Kassenleistung. Wenn der Herr Chefarzt das privat abgerechnet hat, hat er einfach betrogen.
Sehr viele Menschen glauben, dass eine notwendige Untersuchung/Behandlung von der Kasse nicht übernommen wird. Das ist auch kein Wunder, bei all den Geschichten, die von verschiedenen Interessengruppen verbreitet werden. Die Wahrheit ist ganz einfach: Was notwendig ist, muss die Kasse zahlen, das ist Gesetz.
Was den Artikel angeht: Ich bin selbst Ärztin und kann der Aussage nur vorbehaltlos zustimmen!
Ein Myom ist ein gutartiger, nicht metastasierender Tumor der Gebärmutter. Ein solches im Kopf zu finden wäre eine medizinische Sensation und ich wäre an dem Fall interessiert.
Wahrscheinlich handelte es sich um ein Meningeom, einen gutartiger Tumor der harten Hirnhaut, der im Schnitt unerkannt und ohne irgendwelche Beschwerden zu machen, irgendwann, z. B. i. R. einer Schlaganfallsdiagnostik (bei wirklichem Schlaganfall, versteht sich) als Zufallsbefund gefunden wird und selsten operiert werden muss (z. . wegen bsonderer Größe oder einen hässlichen lage).
So what? Bitte keine schlechten Beispiele.
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