Stadtjubiläum Mannheim, mon amour
Die ehrlichste Stadt Baden-Württembergs feiert ihren 400. Geburtstag. Es gratulieren die Söhne und die Töchter
Der liebenswerte Singsang
Christine Westermann, Moderatorin
Ich wäre eine glänzende Kandidatin für Wetten, dass ...?, denn unter 100 Leuten, die etwas auf Hochdeutsch sagen, würde ich mit Sicherheit den einen Mannheimer raushören und zwar nach einem Satz. Viele Leute finden es ja geradezu schrecklich, aus Mannheim zu kommen, vor allem wegen des Dialekts. Ich finde diesen typischen Mannheimer Singsang absolut liebenswert. Sobald ich mit meinen Schwestern telefoniere, rutsche ich da unweigerlich rein. Als wir neulich Joy Fleming als Gast bei Zimmer frei hatten, musste ich mich arg zusammenreißen, um noch sendefähiges Deutsch zu sprechen.
»Schön oder nicht schön« das ist für mich nicht die Frage bei Mannheim. Es gibt viele schöne Ecken den Wasserturm, das Rheinufer , aber entscheidend sind doch die Menschen, oder? Was ich an den Mannheimern so schätze, ist ihre freundliche Offenheit, ihre geerdete, direkte Art. Es entsteht schnell Nähe zu ihnen, ohne dass sie anbiedernd wären. Wenn ich in der Stadt bin und mir dieser Dialekt volle Kanne entgegenkommt, geht mir das Herz auf. Ich empfehle jedem Mannheimreisenden, sich auf die Leute einzulassen.
Ich werde dieses Jahr eine große Mannheim-Revival-Tour unternehmen. Mit meinen alten Schulkameraden feiere ich nämlich 40-jähriges Abi-Jubiläum. Ich werde ein bisschen durch meine alten Straßen in Lindenhof und Feudenheim spazieren und ins Quadrat M4, Nr. 5, wo ich meine erste Wohnung hatte. Am besten zu Fuß und allein und in Erinnerungen schwelgen. Zum Beispiel an einen Spaziergang nach Ludwigshafen über den zugefrorenen Rhein oder an unsere Sommer im Strandbad. Damals konnte man nämlich im Rhein baden, was heute wohl auch wieder möglich ist. Oder an die Pizzeria Milano, die es auch heute noch gibt und in der ich gelernt habe, wie man richtig Spaghetti isst. Und natürlich an das Café Knauer, ein plüschiges Oma-Café, wo ich bei einer Tasse Kakao und Butterbrötchen mit Salz sehr schöne Vormittage lang die Schule geschwänzt habe.
Auch meine journalistische Karriere hat in Mannheim begonnen. Auf meiner ersten Reportage für den Mannheimer Morgen bin ich mit Uniform und Häubchen mit der Heilsarmee durch den Rheinhafen gezogen. Das war noch vor dem Abi, und als der Bericht dann erschien, habe ich ein dickes Lob von meinem Mathelehrer bekommen, obwohl ich so schlecht in Mathe war, dass ich sogar einmal sitzen geblieben bin. Sehr befriedigend! Meinen ersten öffentlichen Auftritt hatte ich im Rosengarten, dem altehrwürdigen Kongresszentrum. Ich hatte eine ziemlich große Klappe und wollte bei unserem Abi-Ball mal so eben aus dem Stegreif die Abschlussrede halten. Tja, und da stand ich dann vor 600 Leuten auf der Bühne, im weißen Kleid, mit frisch ondulierten Haaren, und hab nur rumgestammelt. Eine totale Blamage. Es wundert mich heute noch, dass ich da keinen Knacks für mein Moderatorenleben davongetragen habe. Aber man ist ja robust als Mannheimerin.
Christine Westermann, 58, Journalistin und Autorin, wuchs in Mannheim auf. Sie moderiert zusammen mit Götz Alsmann die WDR-Show »Zimmer frei«. Sie lebt in Köln
Die Tanke in der Hafenstraße
Michael Herberger, Keyboarder der Band Söhne Mannheims
Ist Mannheim das Neue Jerusalem? Klingt etwas abgedreht, so wie Xavier Naidoo das formuliert hat aber warten wir es mal ab! Xavier hat prophetische Gaben. Als wir uns 1995 kennenlernten, sagte er: »Gut, dass du Klavier spielen kannst, denn Mannheim wird eine Musikstadt werden, und Leute aus aller Welt werden herkommen, um Musik zu machen.« Das wirkte damals auch etwas vermessen und heute gibt es die Popakademie, die Talente von überall aus der Welt nach Mannheim lockt und um die sich eine ganze Branche angesiedelt hat. Und wir haben mit den Söhnen Mannheims und als Produktionsfirma ebenfalls große Erfolge zu feiern. Vor zehn Jahren war das für die allermeisten undenkbar! Der Imagewechsel, den die Stadt seitdem erlebt, beeindruckt mich immer noch. Es ist ein bisschen wie mit dem Londoner Stadtteil Brixton: Die Stadt ist noch immer rough, aber es sind so viele junge Leute und Künstler dazugekommen, dass sie mittlerweile auch etwas Hippes hat. Das macht mich sehr zufrieden, denn es hat mich immer gewurmt, dass diese Stadt, die ich so mag, im Rest von Deutschland ein Null-Image hatte.
Verändert hat sich vor allem der Stadtteil Jungbusch, das war immer ein sehr alternatives, aber auch problematisches Viertel: Rotlichtkneipen, hohe Arbeitslosigkeit, über 40 Nationen auf engem Raum. Da passt man in bestimmten Ecken besser auf seine Siebensachen auf. Seit sich dort vor vier Jahren die Popakademie angesiedelt hat, gibt es aber auch viele sehr nette Bars wie das Nelson, eine gemütliche bodenständige Studentenkneipe, in der man prima Sandwiches bekommt. Legendär ist auch die rund um die Uhr geöffnete Tanke in der Hafenstraße, die so eine Art inoffizieller Stadtteiltreff ist. Mein Freund Danny Fresh hat einen guten Song darüber geschrieben und dreht jetzt dort das Video dazu.
Die besten Konzert-Locations liegen im Stadtteil Neckarstadt. Die Alte Feuerwache zum Beispiel, ein uriges Gemäuer, das eine ganz intime Nähe zwischen Publikum und Musikern zulässt. Ich trete am liebsten im Capitol auf, gleich nebenan. Ein altes Kino mit Empore, Samtvorhängen, Plüschsesseln das hat Flair, auch wenn die Akustik nicht optimal ist. Mein Geheimtipp aber ist das Lindbergh am Flughafen. Montagabends tritt dort die Band Shebeen auf, mit extrem guten Cover-Nummern. Ist aber immer sehr voll, also rechtzeitig um Karten kümmern! Und dann gibt es natürlich noch unsere O live lait-Show am Nationaltheater, die von Xavier gehostet wird. Wir laden Musiker ein, die zu einem bestimmten Thema auftreten das letzte Mal war es »Mannheim, Stadt der 170 Nationen«. Da war Midge Ure von der New-Wave-Band Ultravox zu Gast und der türkische Popstar Rafet el Roman. Das ist doch gar nicht so weit vom Neuen Jerusalem entfernt, oder? Ich finde es jedenfalls toll, dass in Mannheim so viele Ausländer leben, ohne dass es ein gravierendes Problem damit gäbe.
Mein Lieblingsort ist der Damm in Sandhofen an der Nordspitze der Stadt, der hat einen sehr speziellen Charme. Man läuft am idyllischen Rheinufer entlang, nur Fluss und Äcker, und auf der anderen Seite glitzert das gigantische Gelände der BASF. Vor allem nachts, wenn alles hell erleuchtet ist, ist das Industrieromantik pur. Wenn ich bedenke, dass ich vor einigen Jahren mal nach London ziehen wollte gut, dass ichs nicht getan habe. Mannheim ist schöner.
Michael Herberger, 35, gründete zusammen mit Xavier Naidoo die Band Söhne Mannheims, deren Mitglieder sich auch sozial für ihre Heimatstadt engagieren. Herberger sitzt im Aufsichtsrat der Popakademie Baden-Württemberg und hat die Begegnungsstätte Aufwind mit ins Leben gerufen. Und außerdem ist er der Urgroßneffe von Sepp Herberger
Der Theatergeruch
Uwe Ochsenknecht, Schauspieler
Besonders hübsch ist Mannheim nicht, da muss man sich nichts vormachen. Manche finden den Hafen mit seinen Kränen und Containern ja romantisch, aber ich verbinde damit immer nur Kälte, Dunkelheit, Maloche. Und die Quadrate diese Aufteilung ist zwar ganz witzig, aber schöner macht auch das die Stadt nicht. Trotzdem mag ich Mannheim! Ich bin schon mit 17 Jahren von dort abgehauen, nachdem ich von der Schule geflogen bin. Und doch hat die Stadt mich geprägt vor allem das Nationaltheater. Schon als Kind habe ich dort im Chor mitgesungen, als Statist gejobbt und bin in kleinen Rollen aufgetreten, zum Beispiel in Emil und die Detektive oder in Karlsson vom Dach. Die magische Bühnenatmosphäre, in der für ein paar Stunden eine ganze Welt entsteht, hat mich in ihren Bann gezogen. Noch heute ist der besondere Theatergeruch für mich ein Stück Heimat. Hinzu kam, dass das Nationaltheater Freiheit und Toleranz ausstrahlte, ganz in der Tradition von Schiller, der hier ja seine Räuber uraufgeführt hat. Die Schauspieler, Sänger und Tänzer waren so herrlich unspießig, haben frei über Sex und Politik geredet. Ich hatte als Jugendlicher immer das Gefühl: Hier wirst du als Mensch akzeptiert, so wie du nun mal bist. Kein Wunder, dass mir die Schule daneben ziemlich öde erschien.
Uwe Ochsenknecht, 51, ist nicht nur Schauspieler, sondern auch Sänger. Und als solcher trat er bei der Party zur Eröffnung des Jubiläumsjahres am 24. Januar auf. Er lebt in München
Das volle Leben
Nina Kunzendorf, Schauspielerin
Viele Leute haben totale Vorurteile gegenüber Mannheim, halten die Stadt für einen gesichtslosen Industriestandort. Die Wahrheit ist: Mannheim hat auf engstem Raum alles, vom feinen Schloss bis zum dreckigen Hafen, scheußlichste Nachkriegsneubauten neben wunderschöner Jugendstilarchitektur, bürgerliche Wohnviertel neben Stadtteilen, in denen viele Türken und Italiener wohnen. Man bekommt hier im Stadtbild die ganze gesellschaftliche Bandbreite zu spüren. Da kann gar nichts unter den Teppich gekehrt werden wie vielleicht in mancher größeren Stadt, wo die Milieus nicht so dicht aufeinander hocken. Es gibt auch nicht diesen Szenedünkel wie in Hamburg oder München. Und aus diesem Mischmasch entsteht etwas. Eigentlich bin ich kein großer Fan von Xavier Naidoo, aber wenn ich sein Mannheimlied Meine Stadt höre, drehe ich immer auf volle Lautstärke und denke: »Das ist meine Hymne!«
Durch diese Milieu-Mixtur ist Mannheim auch als Filmlocation gigantisch ich versuche immer, Regisseure zu überreden, hier zu drehen. Hamburg, München und Berlin sind doch abgefrühstückt, da spielt doch jeder zweite Film. Ich würde liebend gerne mal ein Roadmovie in und um Mannheim herum drehen, zusammen mit meinen Co-Mannheimern Uwe Ochsenknecht und Richy Müller drei Idioten, die versuchen, ne Bank auszurauben, so was in der Art. Natürlich auf Mannheimerisch. Denn das Tollste an Mannheim sind diese liebenswert schnoddrigen Typen mit diesem Wahnsinnsdialekt, der so was Ehrlich-Dreckiges hat. Ich liebe es, samstags vor dem alten Rathaus auf G1 über den schönsten Wochenmarkt, den man sich vorstellen kann, zu bummeln und anschließend noch einen Kaffee im Café Journal zu trinken. Oder bei meinem Lieblingsitaliener Costa Smeralda Antipasti und Trüffelspaghetti zu essen. Mannheim ist einfach nach wie vor mein Zuhause.
Nina Kunzendorf, 35, ist in Mannheim geboren. Von 1996 bis 1998 gehörte sie zum Ensemble des Nationaltheaters. Seit 2001 spielt sie an den Münchner Kammerspielen und arbeitet fürs Fernsehen (»Marias letzte Reise«)
Die Industriekulisse
Nico Hofmann, Filmproduzent
Meine Eltern waren politisch engagierte Journalisten, und deshalb wurde ich zu Hause schon als Kind ständig mit Mannheim-Themen bombardiert: Die Rolle der Stadt in der Region, die Frage, was Mannheim überhaupt für eine Stadt ist das alles wurde mit Gästen diskutiert, darunter auch Leute wie Bernhard Vogel oder Helmut Kohl. Vor allem aber war mein Vater Pressechef bei den Mannheimer Filmtagen, heute ein wichtiges Newcomer-Festival, damals waren sie fast so bedeutend wie die Berlinale. In den späten 1960er Jahren waren sie das Fenster zu Osteuropa. In dieser Zeit saßen aus Prag geflohene Regisseure wie Milo Forman und Jir(i Menzel abends bei uns im Wohnzimmer und politisierten. Das hat mich infiziert und das ist ein Grund, warum ich heute als Filmemacher immer wieder politisch-historische Themen aufgreife.
Spätestens als Lokalredakteur beim Mannheimer Morgen habe ich die Stadt dann richtig kennengelernt, auch die sozialen Brennpunkte wie Vogelstang und Jungbusch. Meinen ersten Film habe ich zusammen mit Schauspielern vom Nationaltheater gedreht. Es ging um die hohe Jugendarbeitslosigkeit und hatte in einem linken Jugendzentrum bei den Planken Uraufführung.
Die Industriekulisse Mannheims steht aber nicht nur für die Probleme der Stadt, sondern strahlt auch etwas Faszinierendes aus als Film-Location ideal. Und als Produktionsstandort ebenfalls: Mit Freunden habe ich Anfang der achtziger Jahre auf der Friesenheimer Insel riesige leer stehende Industriehallen zu einem Spottpreis angemietet und dort Studios eingerichtet.
Was ich heute toll finde, ist die Zusammenarbeit mit der türkischen Gemeinde, einer der größten in Deutschland, deren moderne Yavuz-Sultan-Selim-Moschee nicht zu übersehen ist. Meine Tante wurde bis zu ihrem Tod von ihren türkischen Nachbarn gepflegt, und das ist kein Einzelfall. Die Mannheimer, ob deutscher, türkischer oder italienischer Herkunft, sind eben sehr kontaktfreudig und engagiert. Meine Mutter mischt mit ihren 75 Jahren jetzt gerade wieder im Wahlkampf mit.
Ich versuche nach wie vor, so viel wie möglich in Mannheim zu drehen. Zurzeit produziere ich einen Film über einen Afghanistan-Heimkehrer, der dort spielen wird. Außerdem arbeite ich an einem großen Film über Helmut Kohl, und mit ihm treffe ich mich meistens in Mannheim. Uns vereint nämlich die Begeisterung für unseren Lieblingsitaliener, Da Gianni. Das Sternerestaurant ist eine Institution, die kann ich jedem Mannheim-Gast nur empfehlen! Denn das Spannende an Mannheim hört bei der Filmkultur noch lange nicht auf. Seien Sie ehrlich hätten Sie das gedacht?
Nico Hofmann, 48, hat sich als Produzent auf historische TV-Movies wie »Stauffenberg«, »Die Sturmflut« oder »Dresden« spezialisiert. Im März läuft sein Zweiteiler »Flucht und Vertreibung« in der ARD. Hofmann lehrt als Professor an der Filmakademie Baden-Württemberg. Er lebt in Berlin
Das Understatement
Dorothee Schumacher, Modedesignerin
Wenn Sie meine Kollektionen kennen, wissen Sie: Ich bin ein Mensch der Fantasie, der Träumereien und so jemand braucht eine gewisse Erdung. In der Mode ist es irre leicht, abzuheben und rumzuspinnen was ja auch Spaß macht , und da ist es gut, wenn die Umgebung so bodenständig ist wie in Mannheim. Hier kann ich mich fallen lassen und gehe auch mal ungeschminkt durch die Stadt. Unser Firmengelände liegt im Industriehafen, einer Gegend, durch die fast nur Lkw rattern. Wer würde hier ein so mädchenhaftes Atelier wie das unsere vermuten mit goldenen Garnrollen, Seidenschleifen, den mit Swarovski-Steinen besetzten Kugelschreibern? Wir haben uns in einem alten Backsteinbau ein modernes Headquarter eingerichtet, von dem aus wir unsere Fantasieflüge starten. Von unserem Loft gucken wir auf den Altrhein, auf Schlote, Container und die große Mühle von Aurora-Mehl. Diese Aussicht könnte doch in New York sein, am Hudson!
Das ist mein kleiner Mannheimtrick, der auch bei internationalen Gästen zieht: Die erwarten erst mal nichts von der Stadt, und dann, zack!, verzaubert man sie mit den Dingen, die sie zu bieten hat. Morgens ein zweites Frühstück im Café Flo, das sehr französisch ist und von wo aus man durch die Arkaden auf die Jugendstilanlage mit dem Wasserturm blickt, der Friedrichsplatz steht doch München oder Wien in nichts nach. Unter den Arkaden liegt auch das sensationelle Blumenhaus von Jürgen Tekath. Jürgen schafft es, Sträuße zu kreieren, die zugleich edel, großzügig und natürlich sind damit berührt er meine Seele. Wenn er mich in den Arm nimmt und mir seine neuesten Ideen vorführt, dann fühle ich mich wie in Paris oder Mailand und gleichzeitig sehr zu Hause, behütet.
Selbst meine italienischen Mitarbeiterinnen fühlen sich hier wohl, weil das Klima so mild und die Pfalz ohnehin die Toskana Deutschlands ist. Neulich habe ich eine Delegation aus New York an die Südliche Weinstraße ins Landhaus Meurer mit seinen Feigenbäumen, Zypressen und der Orangerie ausgeführt das ist mein Joker. Die waren verblüfft! Oder ich fahre mit meinem Besuch nach Deidesheim zu einem deftigen Mittagessen im Deidesheimer Hof, in den Helmut Kohl seine Staatsgäste immer einlud. Dann essen wir Blutwurst-Ravioli, die einst speziell für Margaret Thatcher kreiert wurden. Das finde ich einfach großartig und überhaupt nicht provinziell.
Morgens jogge oder reite ich regelmäßig durch den Odenwald. Von einem Hügel aus kann ich die ganze Region überblicken, bis nach Weinheim und Heidelberg. Das ist nämlich ein weiterer Trumpf von Mannheim: Man ist so schnell in der Pfalz oder in anderen Städten, wie es in Großstädten dauert, von einem Stadtteil in den anderen zu gelangen.
Was viele Leute zunächst auch nicht vermuten: Man kann wunderbar shoppen in Mannheim. Im Makassar im Quadrat R7 finde ich Leinenservietten aus Südfrankreich, die gesamte Kollektion von Meissen und andere Porzellansammlungen, da können so manche Läden in Hamburg oder München nicht mithalten. Die Kastanienpralinen in der Fromagerie La Flamm, die ungarische Himbeermarmelade im Spezialitätengeschäft in Q2, das Modehaus Engelhorn wo soll ich aufhören? Ein persönlicher Tipp: Lassen Sie sich einen Termin geben in der Kurfürsten-Parfümerie in P7 bei Andreas Retzer. Der wird Sie verführen!
Das Einzige, was Mannheim fehlt, ist ein wirklich schickes Hotel in der Innenstadt. Aber vielleicht springt das ja bei der 400-Jahr-Feier raus
Dorothee Schumacher-Singhoff, 40, gründete 1989 das Modelabel Schumacher. 2006 war ihre Modefirma als einzige deutsche an der Ausstattung für den Hollywoodfilm »Der Teufel trägt Prada« beteiligt. Sie arbeitet und lebt in Mannheim
Termine im Jubiläumsjahr
Lesen.Hören 1:
Aber auch gucken, natürlich. Mannheims Literaturfestival schmückt sich mit einigen der bekanntesten Schriftsteller der Republik. Es wird am 22. Februar von Bürgermeister Peter Kurz und Schirmherr Roger Willemsen eröffnet. Anschließend liest ein Sohn der Stadt: der Schriftsteller Wilhelm Genazino. An den folgenden Tagen erzählen und diskutieren unter anderem Jakob Hein und Paul Ingendaay, Thomas Hettche, Wladimir Kaminer und Thomas Hürlimann
22. Februar bis 10. März, Alte Feuerwache, Brückenstraße 2, Ticketverkauf unter Tel. 0180-5040300,
www.altefeuerwache.com/nc/tickets
Kino unterwegs:
Raus aus dem Lichtspielhaus und hinein in die Tabak-Waaghalle, ins Tierheim oder in den Gemeinderaum der Unionskirche. Überall dort, wo Platz für eine Leinwand ist, werden bis zum Jahresende Filme gezeigt. Am 14. und 15. April hat im Saint-Gobain-Werk »Lichter Mannheims« Premiere, ein moderner Heimatfilm von Axel Bold
Einmal monatlich, freitags/samstags, Eintritt frei
Schlossfestspiele:
Frisch restauriert präsentiert sich das kurfürstliche Schloss, das neue Schlossmuseum öffnet in Kürze, aufgemöbelt und mit 800 Originalexponaten bestückt, und auf dem Programm der Mannheimer Schlossfestspiele stehen Konzerte, Oper und Operette, Musical, Schauspiel und Theater sowie einem Gastspiel der Salzburger »Jedermann«-Inszenierung
13. bis 22. Juli, Auskunft und Karten unter Tel. 0800-6336626,
www.odeon-concerte.de
,
www.schloesser-und-gaerten.de
»Die Legende von Bomber & Rose«: Das Mannheim-Musical, Regie Christoph Roos, erzählt von der schönen Rose, die einen amerikanischen Bomberpiloten versteckt und sich in ihn verliebt
Premiere 7. September, Capitol, Waldhofstraße 2, Kartentelefon 0621/3367333,
www.capitol-mannheim.de
Das volle Programm:
Stadt Mannheim, Tel. 0621/2932007,
www.mannheim2007.de
* Alle Aufnahmen sind dem Bildband "Gesichter Mannheims" von Nicole Simon entnommen, Edition Braus im Wachter-Verlag, 216 Seiten, 45 Euro, ISBN 3-89904-198-4
- Datum 21.02.2007 - 04:42 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 15.02.2007 Nr. 08
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Waldhof. Herberger. Flemming. Naidoo. Und das unscheinbare Schild im Fenster vis a vis: 'Mannheim'. Erst als dieser kleine handgeschriebene Hinweis gegen die Pappe 'Herford' ausgewechselt wurde - von einer jüngeren, grell angemalten Frau, begann ich zu ahnen, dass dies nichts mit dem Verkehrsleitsystem der Stadt zu tun hat. Mannheim!
(Wer in Wuppertal lebt, sollte nicht mit Steinen werfen...).
Sehr schön, Frau Westermann, dass Sie sich positiv an Ihre Kindheit hier erinnern! Eines scheint aber zu sehr verklärt: nach 1948, Ihrem Geburtsjahr, gab es keine Möglichkeit von Mannheim aus auf dem zugefrorenen Rhein nach Ludwigshafen zu spazieren. Da ich selbst in der Zeit auch geboren bin und mich an diese Möglichkeit nicht erinnerte, habe ich beim MM mal im Archiv nachgefragt: Fehlanzeige. 1956 war der Rhein zum letzten Mal zugefroren, allerdings bei Bingen.
Was allerdings zugefroren war, waren die Seitenkanäle des Neckars in die Hafenbecken, da sind wir Schlitten und Schlittschuh gefahren: vielleicht ist´s das, woran Sie sich erinnern. Immerhin: die Pizzeria Milano gibt es tatsächlich noch, allerdings längst als Ristorante, vielleicht haben sie Glück und bekommen auch noch ´ne Pizza da.
Also, nix für ungut und weiter gut über Monnem redde.
F. Hofmann
Ach, wenn sogar die Monnemer selbst sagen, ihre Stadt sei ja recht hässlich, dann denke ich immer: Die müssen doch bloß über den Rhein schauen, damit ihnen ihre eigene Stadt wieder ganz hübsch vorkommt... wenn *ich* über den Rhein schaue, sehe ich Mannheim und denke mir still und heimlich: Okay, hier mag der Ort sein, an dem ich Arbeit gefunden habe, aber Städte bauen, das können sie da drüben besser ... ;-)
Ich habe fünf Jahre in Mannheim gelebt. Als ich zum ersten Mal in die Stadt reinfuhr, dachte ich sinngemäß: umgotteswillen, hier kann man doch unmöglich leben! Ich bin dann trotzdem in eine wunderschöne Wohnung in den Quadraten gezogen. Kurz nach meiner Ankunft belauschte ich ein Gespräch und schnappte diesen Satz auf: 'In Mannheim heulst Du zwei mal. Das erste Mal, wenn Du kommst und das zweite Mal, wenn Du gehst.' Ich habe diese Stadt schätzen gelernt, nur an den Gestank muss man sich gewöhnen. Mal riechts nach Brauerei, mal nach Schokolade, dann einfach nur nach Chemie. Aber traurig war ich beim Abschied trotzdem.
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