Frauen Schluss mit dem Streit!

Vollzeitmütter und berufstätige Mütter führen einen Kampf um das beste Lebensmodell. Damit werden sie die Familie nicht retten.

Im Augenblick gibt es Streit zwischen Müttern. Zwei Fronten stehen sich unversöhnlich gegenüber. Auf der einen Seite der Barrikade befinden sich die Vertreterinnen der Vereinbarkeitstheorie. Sie proklamieren die grundsätzliche Vereinbarkeit von Kindern und Karriere und haben seit vielen Jahren eine große Anhängerschaft. Auf der anderen Seite stehen die neuen Apologeten des alten Familienmodells. Sie gehen davon aus, dass eine Vereinbarkeit von Kindern und Karriere strukturell unmöglich ist, und bekommen in der augenblicklichen Krise immer mehr Zulauf. Beide Fronten haben sich publizistisch bisher hinlänglich geäußert. Im Zentrum der Auseinandersetzung stehen dabei die Fragen, wer recht hat – die Vollzeitmutter oder die voll berufstätige Mutter – und welches der beiden Modelle unsere Zukunft bestimmen sollte.

Auf beiden Seiten der Barrikade gibt es in dieser Auseinandersetzung so idyllische und ungetrübte Beschreibungen des eigenen Lebensmodells, dass man denken könnte, man solle das entsprechende Modell im Anschluss an derartige Werbemaßnahmen käuflich erwerben. In den Selbstzeugnissen der Vereinbarkeitsfront ist naturgemäß sehr viel Lobenswertes zu finden über die unübertrefflichen Fremdbetreuerinnen, die der Mutter ihr Arbeitsleben ermöglichen. Nichts als Hymnen über die hinreißende »junge bayerische Kinderfrau«, die wunderbare Natascha aus der Ukraine, die Nanny, die auch gleich die Korrespondenz erledigt, und die ältere Dame, die netterweise zwischen Berlin und Paris mit hin- und herpendelt. Hier sieht man Karrieremütter am frühen Morgen müde, aber zufrieden ihren Kindern nachwinken, hier fallen Sätze wie: »Die beiden werden mich bis zum Abend kaum vermissen, und das ist wunderbar so.« Und hier erfährt man, dass solche Wunder an jedem Arbeitstag rund einhundert Euro kosten und dass es darauf in dieser Sache aber gar nicht ankomme.

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Die andere Seite der Barrikade, die Front der Vollzeitmütter, ist verständlicherweise publizistisch noch nicht auf dem letzten Stand. Sie lässt sich deswegen in diesem Streit gerne von konservativen männlichen Familienpropagandisten und den Apologetinnen einer neuen Weiblichkeit vertreten – mit dem Nachteil, dass beide Stellvertreter das Lebensmodell Vollzeitmutter aus eigener Anschauung nicht kennen und also etwas propagieren, wovon sie kaum eine Vorstellung haben. Entsprechend idyllisch fallen auch die dort gemalten Genrebilder aus: von den Müttern, die am Bett ihrer kranken, aber glücklichen Kinder wachen, von den wackeren Frauen, die durch ihren unentgeltlichen Einsatz unsere maroden Sozialsysteme vor dem Kollaps bewahren, die durch unermüdliche Häuslichkeit die Scheidungsrate in den Keller treiben und durch eigenhändige Kinderbetreuung die Zukunft ihrer Liebsten sichern. Die Lobeshymnen auf die Frau als von Natur aus altruistische und hingebungsvolle Kranken- und Kinderwärterin sind der größte Trumpf einer neuerlichen Restauration des alten Familienmodells. Die überwiegend männlichen Vertreter dieser weiblichen Prädestinationslehre unterrichten uns Frauen darin, was wir empfinden beim Gebären und Stillen. Sie klären uns darüber auf, dass uns beim Wechseln der Windeln und im einschläfernden Wiegen des Babys ein erotisches Erlebnis höchster und seltenster Art zuteil wird, und machen sich stark für die Wiederkehr des angeblich rein weiblichen Altruismus, der sexuellen Arbeitsteilung, der alten Geschlechterrollen und der weiblichen Entsagung. Wenn der Frau außer an erotischen Erlebnissen beim Windelwechseln auch an einem erfüllten Berufsleben gelegen ist, wird sie den Beifall dieser Partei nicht finden. Von dort wird lapidar gemeldet: Wenn eine Frau nach der Geburt alles daransetzt, ihren Beruf weiter auszuüben, und dadurch in Schwierigkeiten gerät, gibt es für den Mann keine emotionale Basis, an der Beseitigung dieses Problems wirklich mitzuarbeiten. Fragt man, warum das eigentlich so ist, weist der Finger sehr weit zurück in die Geschichte der Arten, in der das Männchen durch Mut und Kraft für Weibchen und Kinder gesorgt hat. Heute, wo das Weibchen in alle männlichen Domänen eingedrungen ist und für sich und seine Kinder zur Not selber sorgen kann, zieht das Männchen auf dieser Seite der Barrikade sich gekränkt zurück. Den Rest erledigen die Anwälte. Dass wir die haben, unterscheidet uns immerhin von unseren Brüdern, den Affen.

Der Barrikadenkampf zwischen den Anhängern des Glaubens an eine rückstandsfreie Vereinbarung von Kindern und Karriere einerseits und den Verfechtern der mütterlichen Prädestinationslehre andererseits ist unwürdig und fruchtlos. Jeder ist von der vollkommenen Überlegenheit seiner Partei überzeugt. Die eine schwört auf Chancengleichheit und Balance zwischen öffentlichem und intimem Leben. Die andere glaubt an die natürliche Bestimmung des Weibes. Eine neutrale Position zwischen den Fronten, die dafür plädiert, dass jeder nach seiner Fasson glücklich werden solle, drückt sich um die Antwort, welches Lebensmodell für die Lösung der großen Familienprobleme der nächsten Jahrzehnte wirklich geeignet ist.

Außer Polemik ist in dieser Debatte noch nicht viel hervorgebracht worden. Man schimpft sich gegenseitig hinterwäldlerisch und patriarchalisch oder grausam und selbstsüchtig. Die einen werfen den anderen vor, die immensen Kosten einer qualifizierten Ausbildung in der Buddelkiste zu versenken. Die Gegenseite kontert mit den noch höheren Folgekosten, die depravierte und vernachlässigte Kinder der Gesellschaft aufbürden. Die Vollzeitmütter sehen sich um die öffentliche Anerkennung geprellt, die sie ihrer Meinung nach verdient haben. Die voll berufstätigen Mütter fühlen sich von der anderen Partei als Mannweiber herabgesetzt und zu Unrecht als schlechte Mütter disqualifiziert. Die einen werden als Mutti, die anderen als Emanze diffamiert. Den einen wirft man vor, dass sie schuld daran sind, wenn ihre Ehen zerbrechen. Die anderen werden als unmündige und abhängige Hausfrauen an den Pranger gestellt. In diesem Krieg kann es keine Sieger geben.

So kann es nicht weitergehen. Denn in beiden Positionen liegt keine Zukunft. Beide verdanken sich überdies ideologischen Schulen, deren Zeit abgelaufen ist.

Die Lehre von den angeblich natürlichen Eigenschaften der Frau ist keineswegs eine, die bereits seit Urzeiten Gültigkeit hätte. Sie ist erfunden worden in einer ähnlichen Krisenzeit wie der unseren und erfüllte in einer unübersichtlichen Umbruchsituation die nämliche Aufgabe wie heute: Sie sollte die sich in Auflösung befindlichen sozialen Rollenbilder stabilisieren und einfache Orientierung in komplexen und unübersichtlichen Zusammenhängen bieten. So erstaunt es nicht, dass die ersten Ideologen einer natürlichen Weiblichkeit nicht etwa in der Antike oder im Mittelalter, sondern zu Beginn der Industrialisierung auftauchen. Zuvor war die ganztägige Berufstätigkeit der Frau, etwa im Stall und auf dem Acker, die selbstverständlichste Sache der Welt. Die Kinder blieben währenddessen häufig un- oder fremdbetreut, da zeigte man sich wenig zimperlich, man hatte ja genug davon. Erst das käsige 19. Jahrhundert kam auf den Einfall, dass die mittelständische Frau eigentlich auch ganztags neben der Anrichte im Wohnzimmer sehr ansehnlich aussehen würde – und nannte dieses Arrangement dann »natürlich«.

Die Auffassung, dass keine Kinder zwar die beste, Kinder und Karriere aber die zweitbeste Lösung der Frauenfrage sei, verdanken wir dem Feminismus. Der Feminismus hat zwar für die Mütterfrage nie ein Herz gehabt, weil er ursprünglich davon ausging, dass ein erfülltes und emanzipiertes Frauenleben ein kinderloses zu sein hat. Doch hat er sich in einer zweiten Phase und unter dem Druck der Mütter dazu bequemt, von dieser buchstäblich zum Aussterben verurteilten Position abzurücken und dem Vereinbarkeitsideal näherzutreten. Das Vereinbarkeitsideal geht davon aus, dass eine Frau so viele Kinder bekommen kann, wie sie sich wünscht, und gleichzeitig keine Kompromisse in ihrer Berufsausübung eingehen muss, sondern im Gegenteil entsprechend einem weiteren Ideal, dem Ideal der Chancengleichheit, immer unbeschränkte berufliche Entfaltungsmöglichkeiten genießt. Dieses Ideal ist, was der Name schon sagt, eine bloße Idee, die mit der Lebenswirklichkeit von Müttern, die wirklich annähernd so viele Kinder haben, wie sie sich wünschen, nicht das Geringste zu tun hat.

So stecken alle in der Sackgasse. Die Prädestinationstheorie und die ihr zugeordnete Hausfrauenehe haben keine Zukunft, weil sie eine lebensferne Erfindung einer Handvoll frühindustrieller Ideologen sind. Das Vereinbarkeitsideal hat keine Zukunft, weil es in Wahrheit gar nichts zu vereinbaren, sondern immer nur etwas zu addieren gibt.

Ich bin überzeugt davon, dass unsere Zukunft weder bei der einen noch bei der anderen Kriegspartei zu finden ist. Sie liegt weder in einer größeren Verweiblichung noch in einer größeren Vermännlichung der Frauen. Sie liegt nämlich überhaupt nicht bei den Frauen. Wir haben uns in den letzten Jahren so viel bewegt wie noch keine Frauengeneration vor uns. Wir haben die männlichen Domänen erobert und die weiblichen Stellungen so gut es ging gehalten und haben uns in diesem Spagat schon manches Bein gebrochen. Jetzt sollten wir weder blind zurückgehen noch weiter nach vorne stürmen. Wir sollten uns eine Pause gönnen. Jetzt ist es an den Männern, uns einzuholen. Die Männer müssen sich bewegen, sie müssen die männliche Hälfte der Welt mit uns teilen und die weibliche endlich erobern. Das mag vielen nicht gefallen. Und es wird noch viel ideologisches Kettenrasseln geben. Von der Nivellierung natürlicher Geschlechtsunterschiede, vom Verlust erotischer Spannung und archaischer Geschlechtlichkeit hört man die gekränkten Schreibtischhelden schon rufen. Aber es wird ihnen nichts nützen. Die Erotik wird überleben, selbst am männlich besetzten Wickeltisch. Die erotische Spannung wird unter der gemeinsamen Kinderbetreuung nicht zusammenbrechen. Und die kreatürliche Geschlechtlichkeit wird sich auch außerhalb der Hausfrauenehe einstellen. Nicht wir sind es, die sich verweiblichen müssen, die Männer müssen es tun. Und nicht wir sind es, die Kinder und Karriere weiterhin immer nur fleißig addieren sollten, die Männer müssen es uns gleichtun. Dann wird der Krieg ein Ende haben.

Das alles ist natürlich sehr allgemein. Man könnte sagen: sehr männlich-allgemein. Denn die Rede von Krieg, Domänen, Stellungen und Barrikaden ist keine traditionell weibliche. Und in der Tat sind im öffentlichen Familiengespräch die Rollen häufig genauso verteilt wie in der Küche zu Hause. Die Frau ist die Beschwerdeführerin, sie beklagt sich und zeigt auf die ewig unsortierten Socken der Kinder. Der Mann ist im freundlichen Fall ratlos oder aufrichtig bekümmert und diktiert uns im unfreundlichen Fall seine Bedingungen für einen Friedensvertrag, der grob zusammengefasst einen einzigen Paragrafen enthält: Socken, Kranke und Kinder der Frau, und den ganzen Rest bitte auch noch.

Aus der Familienpublizistik der Männer habe ich mir die Kriegssprache geborgt. Dort ist die Rede von »eroberten Arealen«, »besetzten Stellungen«, vom »Gleichheitskampf«, von der »Einnahme von Positionen«, von »Urgewalten« und Ähnlichem. Auch wenn in diesen Verlautbarungen nicht immer davon geredet wird, dass der »Gleichheitskampf« nur durch Rückzug zu entscheiden ist, auch wenn im Gegenteil immer versichert wird, niemand wolle die Familie des 19. Jahrhunderts zurückhaben, fehlt bisher jeder Hinweis auf die alles entscheidende Frage: Wer kümmert sich wann um wen oder was?

Die rundum entlastete Familie ist ein Glücksverhinderer

Auf solche Fragen stößt man nicht, wenn man sich im freien Luftraum eines abstrakten Familiendiskurses bewegt. Wir können uns diese Abstraktion nicht erlauben. Die Wahrheit ist für die Frauen immer konkret. Deswegen ist es höchste Zeit, unsere Flughöhe zu verlassen und im wirklichen Familienleben zu landen.

Die Familie ist einer der letzten Zufluchtsorte. Sie ist keine Idylle, sie ist kein Puppenheim. Aber sie ist dem Ideal nach noch immer ein Gegenmodell zur Allgewalt der Ökonomie und der Beschleunigung. Sie organisiert sich nach dem Prinzip der Solidarität, nicht dem der Konkurrenz. Ihr Kapital ist der glücklich erlebte Augenblick, nicht das irgendwann erreichte Ziel, der abgearbeitete Dienstplan. Sie gehorcht dem Herzens-, nicht dem Effizienzprinzip.

Wenn sie diese Eigenschaften verliert, verliert sie sich selbst. Wenn sie sich nicht schützt, zerstört sie ihre Existenzgrundlage. Aber wie soll sie sich schützen? Wie kann sie ihre eigene Logik gegen die der Arbeitswelt behaupten? Darum wird es in der Zukunft gehen. Und nicht darum, weiterhin daran herumzurätseln, wie man die Frauen dem Arbeitsprozess teilweise oder ganz und gar entzieht, um sie als lebende Schutzschilder vor dem bedrohten Familienraum aufzustellen.

Der berühmte Satz von Tolstoj, dass alle glücklichen Familien sich glichen und alle unglücklichen auf ihre besondere Weise unglücklich seien, hat sich in unserer Zeit umgekehrt. Das Unglück der Familien ist strukturell, das Glück individuell geworden. Wir wären gut beraten, wenn es uns gelänge, die alten Tolstojschen Proportionen wiederzufinden, ohne uns in Tolstojsche Lebens- und Eheverhältnisse zurückzumanövrieren. Die rundum entlastete Einstundenfamilie, wie sie am Horizont moderner Familienpolitik aufscheint, ist ein struktureller Glücksverhinderer. Vorbildlich dazu geeignet, stromlinienförmige Berufsverläufe, Vereinsamung und Erschöpfung der braven Modernisierungsteilnehmer zu garantieren. Die durch Kinder unbehinderte Arbeitszeit der Eltern genießt allgemeine Anerkennung und staatliche Förderung, die durch Arbeit unbehinderte Familienzeit muss noch entdeckt – und geschützt werden. Denn ohne Familienzeit gibt es keine Familien. Und ohne Familien gibt es keine Kinder. Wer alles auf einmal haben will, wird bald gar nichts mehr haben. Nichts außer einer sensationell ausgestatteten Einsamkeit und einem verpassten Leben.

*Der Text ist ein Vorabdruck aus dem Buch »Die Schule der Frauen: Wie wir die Familie neu erfinden«, das DVA am 22. Februar herausbringt. Es führt den Essay »Der Preis des Glücks« fort, der im Leben, ZEIT Nr. 12/06, erschienen ist und auf den die Autorin zahlreiche Reaktionen bekommen hat

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Leser-Kommentare
  1. Die Männer müssen sich bewegen?
    Wir haben bereits eine aus gutem Grunde ständig wachsende Männerbewegung (siehe Manndat). Vielleicht berichtet die emanzipationsbestrebte ZEIT ja mal zur Abwechslung aus der Perspektive (inzwischen viel 'Unterschicht') dieser gesellschaftlichen Randgruppe.

  2. Das könnte hier von Bedeutung sein. Arbeiten alle Frauen, haben alle Kinder, wird und muss man prinzipiell für alle eine Arbeit haben, oder für keine. In einer wachsenden und nicht so stark entwickelten Gesellschaft gibt es dann immer allerhand einfache Tätigkeiten, wo man nach einer Erziehungs-Unterbrechung dann leichter wieder arbeiten kann. Nimmt die Zahl der Singles und von Frauen mit nur einem Kind zu (im Zeitalter der sicheren Verhütung hier eben), wird es zudem auf dem Arbeitsmarkt und in der Wirtschaft eng, und beschleunigt sich die allgemeine Entwicklung stark, dann kommen zumindest die Frauen und Familien mit mehreren Kindern prinzipiell besehen eben in gewisse Schwierigkeiten, die Frau Radusch ja immerhin anerkennt – nicht aber viele emanzipierte Frauen. Die schaffen das doch, und die Kinder leiden nicht darunter. Wenn nicht, tritt „Paragraph 1“ in Kraft. Das Problem ist ja, ganz allgemein gesagt, dass es einen Kampf um die Glücksmomente gibt. Deshalb wird man mit dieser Argumentation m.E. nicht durchkommen. Nach dieser Argumentation sollen andere Menschen auf irgendetwas, ihr Glück z.T. dann auch, verzichten, nur damit andere ein möglichst optimales Familienglück genießen können. Denn letztlich sagt uns die Autorin ja (auch nur), gebt mir Geld und Macht, also Zeit und später auch eine „bessere“ Arbeit – damit ich mit meiner Familie eine gewisse Zeit glücklich sein kann. Das muss Sie oder eben Ihr Mann sich, wenn Sie dies schätzt und sich wünscht, schon selbst erarbeiten, auf dem freien Markt mit seinen harten Spielregeln, und da wird man bei höher qualifizierten Berufen eben ein paar berufliche Nachteile in Kauf nehmen müssen, wenn man sich Zeit für Kinder nimmt. Nur bei der Kinderunterstützung könnte und müsste man hier m.E. etwas bewegen, bzw. die finanziellen Dinge mal klar und offen regeln, indem man eine freiwillig an eine Jungeltern-Unterstützungsversicherung koppelbare Rentenversicherung einführt, wo, warum auch immer, kinderlose Menschen vor allem, den jungen Eltern, (und wohl nur denen, die auch versicherungswürdig scheinen), Unterstützung in Form ihre Versicherungsbeiträge geben. Die Gruppe der unterstützten Kinder muss dann von ihrer Arbeitsergebnissen den Unterstützern eine Rente zahlen.

    Nochmal zur Populations-Dynamik. Es gibt, bei Mäusen, eine Situation, wo nach einer allmählichen Massenvermehrung es zu einem raschen Zusammenbruch der Population kommt. Ursache ist der hohe Stress innerhalb der allzu großen Populationsdichte.

    Ich bin mir nicht sicher, ob es Derartiges, vielleicht sogar bis hin zum (friedlich-wohlorganisiertem) Aussterben hier sogar, nicht auch beim Menschen geben kann.

  3. weit unter ZEIT-Standard.

  4. Gute Autorinnen unterstützen ist hilfreich, speziell dann, wenn sie, wie hier Frau Radisch, eine unpopuläre Position beziehen. Danke für das klare unterstützende Statement.

    Viele Grüße, Doro Böhm

  5. In ihrem Artikel „Schluss mit dem Streit!“, schreibt die Autorin Radisch, dass 'die' Männer 'uns' (Frauen) darüber aufklären, dass das Wechseln von Windeln ein erotisches Erlebnis höchster und seltenster Art ist. Nun interessiert es mich sehr, wie sich die erotische Komponente beim Wechseln von Windeln definiert. Wichtig zu wissen wäre es auch, welcher Mann Frauen solch ein Empfinden bei der Kleinkindbetreuung suggerieren möchte. Ich hätte da gerne, wie es beim Nutzen von Zitaten nicht unüblich ist, einen Namen.
    Ist es der Autorin ein Anliegen, dass die Männer (hier sind Männer als eine Gruppe angesprochen) begreifen, dass sie sich bewegen müssen, dann sehe ich es nicht gerade als eine Einladung für die entsprechende Klientel, wenn der Leser im Artikel mit 'uns Frauen' angesprochen wird.
    Stellt Frau Radisch weiterhin fest, dass außer Polemik in dieser Debatte nicht viel hervorgebracht wurde, dann ist dieses nur eine nützliche Erkenntnis, so sie selber in der Lage ist anders zu schreiben, als polemisch.
    Gibt es zweifelsohne die Notwendigkeit, sich zu bewegen um gemeinsam leben zu können, dann muss diese Bewegung von beiden Seiten ausgehen, von der männlichen, wie von der weiblichen Seite. Dafür ist es notwendig, dass beide Seiten miteinander sprechen, dass sich ein konstruktiver Dialog ergibt, der mehr ist, als ein militärisches Anweisen an vermeidliche Untergebene, aber auch mehr als das zur Schau tragen einer Rhetorik weiblicher Geschwätzigkeit.
    Keineswegs unabhängig von der Diskussion bezüglich der Rollenverständnisse Mann/Frau interessiert es mich als jemanden, der durch sein Studium derzeit einen beängstigend hohen Schuldenberg anhäuft, ob es in unserer Gesellschaft überhaupt möglich ist, gemeinsam Kinder zu haben. Es wäre schön zu erfahren, warum jenes für eine zweiundzwanzigjährige Studentin in Frankreich kaum ein Problem ist, jedenfalls keines, was negative Auswirkungen auf die Ausbildung und somit die Verwirklichung im weltlichen Beruf hat. Auch interessant zu wissen wäre es, warum wir es in Deutschland nicht hinbekommen, eine Kinderbetreuung nach skandinavischem Modell zu ermöglichen.
    Frau Radisch findet diesbezüglich Gründe in einer konservativen, vornehmlich von Männern geprägten Politik. Dass Frauen mit ihrem ganz persönlichen und freien Wahlrecht dazu beigetragen haben, dass diese Politik jahrzehntelang das Leben in der Bundesrepublik dominierte, beziehungsweise es immer noch im erheblichen Maße beeinflusst, kommt dabei nicht zur Sprache.
    Was bleibt ist die Erkenntnis, dass wenn wir unsere Vergangenheit nicht kennen wollen, wir auch zukünftig mit alten Fehlern leben müssen. Wollen wir diese Fehler nicht weiter akzeptieren, dann müssen wir daran arbeiten, sie zu beseitigen. Miteinander und nicht gegeneinander.

  6. weit unter ZEIT-Standard.

  7. weit unter ZEIT-Standard

  8. weit unter ZEIT-Standard

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