Verbraucherschutz Bunt und riskantSeite 3/3

Wichtiger noch: Das Melderegister soll ökonomischen Druck erzeugen. »Werden Hersteller und Händler namentlich genannt, können diese sehr schnell ein Imageproblem bekommen«, sagt Anwalt Volz. Selbst für den Discountgiganten Aldi war es ein Rückschlag, als das Unternehmen im vergangenen Jahr nicht funktionierende – und damit letztlich brandgefährliche – Rauchmelder zurückrufen musste. Damit steigt der Anreiz für die Firmen, ihre Produkte freiwillig zu testen. Erst recht, weil staatliche Kontrolleure die öffentliche Aufmerksamkeit zunehmend auf bestimmte Warengruppen lenken. »Behörden wählen gezielt Produkte für Stichproben aus«, sagt Volz. »Vor Weihnachten wurden zum Beispiel sehr häufig Lichterketten kontrolliert – und natürlich hat man auch zahlreiche Negativbeispiele gefunden.«

Hilfreich ist die Erkenntnis, dass auch die Ängste der Verbraucher in Bezug auf ihre Haushaltsgerätschaften regional unterschiedlich verteilt sind. Das gilt offenbar weltweit: In den Vereinigten Staaten sei derzeit die Furcht vor brennenden Möbeln weitverbreitet, berichten Experten. Osteuropäer hingegen würden implodierende Fernsehgeräte als Problem betrachten.

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Der öffentliche Druck scheint langsam zu wirken. »Chinesische Hersteller haben das Problem mittlerweile erkannt«, so Volz. »Erst im September vereinbarten China und die EU eine ›Roadmap for safer toys‹, um die Qualitätskontrollen bei der Spielzeugproduktion zu verbessern.« Europäische Behörden und Unternehmen schicken seitdem Experten nach Fernost, um in den dortigen Fabriken westliche Standards zu installieren und bei den Herstellern mehr Qualitätsbewusstsein zu wecken.

Ob und wann sich dies in einer sinkenden Zahl gefährlicher Produkte niederschlägt, ist jedoch ungewiss. Keine Behörde, egal in welchem Land, ist in der Lage, wirklich alle Alltagsprodukte auf ihre Qualität zu überprüfen. Eine Pflicht zur technischen Kontrolle von Alltagsgegenständen gibt es in Europa nicht. Nicht einmal der Preis gibt einen eindeutigen Hinweis auf die Sicherheit der gekauften Ware. »Billige Produkte müssen nicht zwangsläufig gefährlich sein. Aber schlecht verarbeitete sind das oft«, sagt VDE-Stratege Franke. Das Problem sei nur: »Für Verbraucher sind Mängel so gut wie nie zu erkennen. Ein Bügeleisen kann toll aussehen, aber wenn die Materialien schon bei niedrigen Temperaturen Feuer fangen, wird es gefährlich.«

Die zahlreichen Prüfzeichen, Siegel, Logos und Symbole sind allenfalls für jene Verbraucher eine Hilfe, die bereit sind, sich durch den Dschungel der Kriterien zu quälen. Überdies müssen sie wissen, dass nicht jedes Zeichen zwangsläufig eine hohe Qualität signalisiert (siehe Kasten). Das CE-Zeichen beispielsweise ist lediglich eine Art Reisepass für Alltagsgegenstände, ohne den diese in der Europäischen Union gar nicht verkauft werden dürfen.

Mit den beiden Buchstaben bescheinigt sich der Produzent selbst, europäische Sicherheitsvorschriften beachtet zu haben. Überprüft wird das im Regelfall dann nicht mehr. »Ob die CE-Kriterien tatsächlich erfüllt sind«, kritisiert Franke, »weiß nur der Hersteller.«

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