Thailand Immer wieder Koh Samui
Vor zehn Jahren fuhr nur eine rostige Fähre zu der thailändischen Insel. Heute gibt es einen Flughafen und Wireless LAN in den Hütten. Trotzdem möchte Jana Simon nirgendwo anders Urlaub machen
Mein Thailand ist 247 Quadratkilometer groß und eine Insel. Das ist alles, was ich von Thailand kenne. Seit zehn Jahren fahre ich bis auf eine Ausnahme jedes Jahr nach Koh Samui. Ich nenne es meinen »Rentnerurlaub«. Jede Sehenswürdigkeit der Insel habe ich längst gesehen, alle Strände und Tempel besucht. Nun muss ich nichts mehr entdecken und darf in Ruhe lesen. Für mich ein großes Glück. Allein die Vorstellung, was ich mir alles anschauen könnte, versetzt mich an fremden Orten sonst in andauernde Unruhe.
Ein Freund aus Berlin hatte von Koh Samui geschwärmt: Es sei das Paradies. Und genauso sah es aus, als ich 1997 das erste Mal dort ankam. Weißer Strand, türkisfarbenes Meer, sanfte Hügel mit Kokospalmen. Schon damals war die Insel alles andere als unbekannt. In den nächsten zehn Jahren erlebte ich ihre Entwicklung zum Traumziel von Entspannungsreisenden und entdeckte meine Begeisterung für immer wiederkehrende Tagesabläufe und grenzenlose Faulheit. Normalerweise reise ich in andere Länder, um etwas kennenzulernen, um dort zu arbeiten. Thailand ist keine Reise, Thailand ist Urlaub.
Am Anfang fuhren mein Freund und ich noch eine ganze Nacht mit dem Bus von Bangkok nach Surat Thani im Süden Thailands. Wobei ich mich bemühte, möglichst weit hinten im Bus zu sitzen, um möglichst wenig davon mitzubekommen, was sich vorn auf der Straße abspielte. Beim ersten Mal hatte ich eine Nacht neben dem Fahrer verbracht und danach beschlossen, dass Nahtoderfahrungen doch nicht so spannend sind, wie sie klingen. Der Fahrer liebte es, in dem Augenblick zu überholen, in dem sich ein Wagen auf der Gegenfahrbahn näherte. Die Überfahrt zur Insel konnte ich dann nicht mehr richtig genießen. Die Fähre lag für meinen Geschmack auch ganz schön tief im Wasser, und in die Außenwände hatte der Rost tellergroße Löcher gefressen.
Lamai Beach hatte uns der Freund empfohlen. Der zweitgrößte Strand der Insel bestand aus einer staubigen Piste mit ein paar Verkaufsständen, Restaurants und Go-go-Bars am Rand. Wenn es regnete, verwandelte sich die Straße in schlammigen Morast. Die Thais trafen sich abends mit den Touristen vor dem »Friendly«-Supermarkt. Der hatte 24 Stunden geöffnet, alle tranken Bier und bestellten Pfannkuchen mit Banane für umgerechnet 80 Cent.
Im ersten Jahr mieteten wir eine Strandhütte im Spa-Resort. Eine Hängematte zwischen zwei Palmen, zehn Hütten am Meer. Ich konnte meinen Liegestuhl direkt ins Wasser rücken und musste nur ein paar Schritte zum Thai-Massage-Pavillon zurücklegen. Damals gab es noch keine Internetcafés, Handys waren sehr selten, und kaum einer brachte sie mit in den Urlaub. Ich fühlte mich wirklich weit weg. Es war genau so, wie ich mir das Paradies ausgemalt hatte. Nun hatte ich darin Platz genommen. Immer wenn es mir zu Hause schlecht ging, stellte ich mir vor, ich wanderte nach Koh Samui aus und machte eine Bar am Strand auf. Banana shakes forever. Schon viele waren vor mir auf diese Idee gekommen und sahen nicht besonders glücklich dabei aus, das bemerkte ich aber erst später: der Tscheche vom Supermarkt, der nie mehr nach Hause fährt, die Italienerin, die alle nur »crazy woman« nennen und die jedes Jahr ein wenig verwirrter aussieht, oder Klaus und seine Frau Monika, pensionierte Lehrer aus Deutschland, die sich ein Haus auf Koh Samui gekauft haben und nun immer brauner werden.
Das Spa-Resort war eine Art Gesundheitsfarm, das erste Wellness-Resort der Insel. Heute ist Koh Samui ein Zentrum des internationalen Wohlfühlgeschäfts. Es gibt einen inselinternen »Spa-Führer«, eine kleine rote Broschüre, in der jedes Spa für seine Vorzüge wirbt: Man kann im Dschungel planschen, sich unter Spa-eigenen Wasserfällen rekeln, sich mit Rosenblättern berieseln oder den ganzen Körper mit Avocadocreme bestreichen lassen.
Ein Mann mit Rastalocken hing kopfüber an einem Gerät, sein Meister sah ihm zu
Damals gab es im Spa-Resort kein Fleisch und keine Cola, rauchen durfte man nur am Strand, und ziemlich dicke Europäer und Amerikaner tranken den ganzen Tag über undefinierbare Drinks, um zu entgiften. Ich verfolgte von meinem Liegestuhl aus, wie sie schwach im Restaurant vor sich hindämmerten. Sie taten mir leid. Die Thai-Küche ist fantastisch. Und sie durften nichts davon probieren. Den ganzen Tag rannten sie ständig auf die Toilette und reinigten sich von innen, während ich entspannt in meinem Liegestuhl las. Einmal beobachtete ich einen Mann mit blonden Rastalocken, der zwei Tage praktisch reglos mit in die Höhe gestreckten Beinen in einer Ecke lag. Er erhob sich nur, um sich mit dem Kopf nach unten über ein streckbankähnliches Gerät zu hängen. Sein Meister kam immer mal wieder mit dem Moped angefahren, um ihm bei seinen Übungen Gesellschaft zu leisten.
- Datum 09.03.2009 - 12:06 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 15.02.2007 Nr. 08
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Vor 3 Jahren sind wir auf unserer Süd-Thailand Rundreise ein paar Tage auf Koh Samui gewesen und fanden es von Anfang an dort ziemlich grausam. Allerdings kamen wir gerade von einer netten kleinen Insel names Koh Jum, wo es total entspannt war. War schon ein herber Unterschied. Koh Samui ist für mich ein touristischer Moloch. Allerding ist es wahrscheinlich was anderes wenn man die Insel von vor 10J. kennt. Ist wohl schwer einen Schlussstrich zu ziehen und nich mehr hinzufahren. Manche Leute die wir unterwegs getroffen haben waren total begeistert won dieser Insel. Wir fahren nicht mehr hin^^.
Interessant fand ich die Aussage der Autorin, dass Sie sich über die zeahlreichen negativen Veränderungen nicht beschweren könne, da Sie selbst daran beteiligt sei.
Trotzdem noch viele (?) schöne Urlaube auf dieser Insel.
Durch Ihren Artikel wird die Insel nicht unbedingt weniger besucht, denken sie nicht?
'Nicht nur Koh Samui hat sich, sondern auch ich habe mich verändert. Mein Rentnerurlaub ist ernsthaft in Gefahr. Entspannung wird immer schwieriger, Faulsein auch. Die Welt hält ständig Verbindung.'
Ich glaube, dass Sie mit dem Artikel Ihren 'Rentenurlaub' noch mehr in Gefahr bringen. Oder ist es nur Werbung fuer die im dem Text aufgelisteten Firmen?
wie wäre es mal mit koh chang?! sehr schön und 'so' wie koh samui vor zehn jahren...
dennoch finde ich, koh samui ist immer noch eine reise wert...man findet dort alles...party oder einsamkeit, auf jedenfall eine traumhaft schöne insel...
Jaja, die Meinungen über Koh Samui gehen weit auseinander....ich bin selbst seit 15 Jahren immer wieder hergekommen, es hat sich vieles verändert und das wurde in dem Reisebericht gut beschrieben. Die nächsten Jahre werden zeigen, welche Entwicklung Samui nimmt - Insel für Reiche oder Insel für Massentourismus - und ob die thailändische Verwaltung die Umweltprobleme in den Griff kriegt.
Gruss aus Samui, Claude Feller
Der Bericht trifft auch meine Erfahrungen mit der Insel Samui. Seit 2000 habe ich bis auf dieses Jahr meinen Jahresurlaub verbracht, immer am Lamai Beach. Zuerst in einfachen WalkIn Resorts, aber auch meine Ansprüche sind gestiegen, so dass nunmehr Mittelklasse Resorts angesagt sind. Es ist in der Tat so, dass Samui speziell Lamai viel von dem ursprünglichen Charme verloren hat. Das Food Center gibt es leider nicht mehr, so dass die Originalküche gesucht werden muss.
Es ist aber so, dass wir von dem Inselfieber erfasst sind und auch im nächsten jahr nach unseren Erfahrungen auf Phuket wieder nach Samui zurückkehren werden.
wir waren im mai auf samui, wenig bis keine touristen, wir waren begeistert und fahren wieder hin.
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