Ressourcen Energiestadt WienSeite 4/4
Was die Hotels an Energie gewinnen, verpuffen sie mit Wellness wieder
Einer der Väter des SEP ist Christoph Chorherr. Seit 16 Jahren sitzt der Umweltökonom mit dem Faible für Passivhäuser im Wiener Landtag. Wer ihn besuchen will, muss den Seiteneingang des pompösen Rathauses wählen und nach Stiege 6 suchen. »Wien funktioniert wie ein Feudalstaat«, sagt der grüne Oppositionspolitiker im grünen Pulli ohne jede Ironie. »Wenn etwas von oben kommt, dann nimmt die Verwaltung das sehr ernst.« Das SEP hat die einstimmige Rückendeckung von Bürgermeister und Parlament und nennt für jede Maßnahme eine zuständige Magistratsabteilung. Alle drei Jahre ist ein Zwischenbericht fällig. Weist der auf Untätigkeit hin, kommt das Kontrollamt. »Und nichts fürchten Wiens Beamte mehr als das Kontrollamt«, meint Chorherr.
Energieeffizienz als obrigkeitsstaatliche Maßnahme – für den grünen Politiker ist das gar keine so schlechte Idee. Der Markt allein regelt es jedenfalls nicht. In Wien ist der Staat Vorreiter beim Klimaschutz. Und zumindest im Wohnungsbau kann er auch private Investoren dazu zwingen. 80 Prozent aller Neubauten sind öffentlich gefördert, und der Zuschlag für ein Neubaugebiet wird per Ausschreibung vergeben. Wer kein schlüssiges Konzept für eine sparsame Energieversorgung vorlegen kann, kommt nicht zum Zug.
Trotzdem ist das Gesamtziel des SEP überraschend unambitioniert: Statt der prognostizierten zwölf Prozent soll Wiens Energieverbrauch bis 2015 um sieben Prozent steigen. Die Klimaschutzziele von Kyoto und EU lassen sich so nicht erfüllen. »Wir wollen den Bürgern nicht weh tun«, erklärt Chorherr den Widerspruch. Die vorbildlichen Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz werden durch den wachsenden Komfortbedarf der Bevölkerung weit übertroffen. Das gilt für die Wiener ebenso wie für ihre Gäste aus aller Welt. Auch viele Hotels verbessern Dämmung und Heizungsanlagen, ersetzen Glühbirnen durch Energiesparlampen und lassen unbelegte Zimmer kalt. Gleichzeitig bauen sie jedoch Wellnessbereiche. Und die schlucken weit mehr Energie, als sich mit all den Effizienzmaßnahmen sparen lässt.
Zum Thema
Heiße Erde
-
Der Schwerpunkt zur Klimaforschung »
Was kostet die Erderwärmung?
Hintergründe zu den wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels »
Links zum Thema
Städtisches Energieeffizienzprogramm, Teil 1 »
Städtisches Energieeffizienzprogramm, Teil 2 »
Städtisches Energieeffizienzprogramm, Teil 3 »
Projektbeschreibung des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik »
- Datum 19.02.2007 - 04:57 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | 4 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 15.02.2007 Nr. 08
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren