Armut Robin Hood hilft nicht mehrSeite 4/4
Dramatisch trägt zum Armutsrisiko auch die unerträgliche Leichtigkeit des Schuldenmachens bei. Mehr als drei Millionen überschuldeter Haushalte gibt es in Deutschland. Die britische Autorin Sue Townsend hat im neuesten Band ihrer sozialkritischen Romanserie über den Prekärbürger Adrian Mole (Adrian Mole and the Weapons of Mass Destruction) das erschütternde Bild einer Verführungsökonomie gezeichnet, die mit allen Mitteln um Konsumenten kämpft, die Kreditkarten austeilt und Kreditrahmen erweitert und mit vermeintlich günstigen Rabatten und Hypothekenzinsen lockt – und die Zahlungsunfähigkeit ihrer Kunden von Anfang an eingepreist hat. In dieser Frage auf die Selbstkontrolle der Gefährdeten zu setzen ist entweder naiv oder zynisch – einzig härtere gesetzliche Regelungen gegen die Gläubiger (hauptsächlich Kreditinstitute und Versandhäuser) können hier weiterhelfen.
Eine Ideologie der »Eigenverantwortung« kommt im Armutsdiskurs erstaunlicherweise immer dann zum Tragen, wenn die Betroffenen schon in eine Notlage abgerutscht sind. Manche Bevormundung des alten, unreformierten Sozialhilferechts war schlicht näher am menschlichen Leben als die neuen Vorschriften: So sah das Bundessozialgesetzbuch »Einmalleistungen« vor, mit denen große Anschaffungen wie Waschmaschine, Kühlschrank oder Fernseher finanziert werden konnten. Diese Einmalleistungen wurden nun gestrichen zugunsten monatlicher Pauschalbeträge, mit denen man Geld für solche Geräte »ansparen« soll. Die dafür notwendige Selbstdisziplin – angesichts einer Republik von Bedürfnissen, die aus einem knapp kalkulierten Budget zu decken sind – hätte geradezu etwas Übermenschliches: Jeder Normalverdiener würde hoffen, dass seine alte Waschmaschine noch ein wenig durchhält.
Und so gehört die regelmäßige Verzweiflung beim Zusammenbruch von Haushaltsgeräten zu den vollkommen überflüssigen Härten eines Zustands, der schwer genug zu ertragen und noch schwieriger zu bekämpfen ist – selbst wenn man ihm mit Nüchternheit statt mit Skandalgeschrei entgegentritt.
Wer arm ist, soll sparen: Wie soll das gehen?
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Video- und Textreportagen zum Thema »
- Datum 23.02.2007 - 03:23 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 22.02.2007 Nr. 09
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Genau! Regel Nr. 1: 'Jeder hat seins!'
Willkommen im neuen Deutschland - Danke, ZEIT!
Zufrieden jetzt?
(Aber jetzt mal ernsthaft - was soll man von der Lohnschreiberin einer Zeitung erwarten, die in einer Stadt lebt, deren 36 reichste Personen alleine 43.000.000.000€ besitzen, und sich nichts dabei denkt?)
... und jetzt liefere ich noch ein n nach.
ich habe es genau so verstanden. Diese Gesellschaft soll endlich lernen, ein normales Leben mit nur einem Elternteil zu ermöglichen. Verstehe deshalb die Kritik nicht...
Bin mit meinen beiden liebreizenden Schwestern, in einer Zweizimmerwohnung aufgewachsen. An den Werktagen wohnten noch eine Oma und zwei Tanten bei uns. Wie ich zu zwei Schwestern gekommen bin ist mir rätselhaft.
Habe nie gefroren und nie gehungert und die geistige Armut ging an jenem Tag zu Ende als man mir am Liebfrauenplatz in Mainz ein Zettel in die Hand drückte, wonach man die Bibliotheken kostenlos in Anspruch nehmen konnte.
Verzeihen Sie mir die lange Einleitung, Sie soll nur meinen Background beleuchten.
Es werden immer jene Menschen die es 'geschafft haben', gegen jene abgegrenzt die es 'nicht geschafft haben'. Es wird immer Leute geben die es nicht schaffen und allen muss geholfen werden. Aber es gibt sehr viele Menschen die es zur Zeit nicht schaffen, es aber durchaus schaffen würden wenn man die Einsicht in die eigenen Möglichkeiten etwas befördern würde.
Diese Menschen sich selbst zu überlassen, ohne Sie auf Ihre Möglichkeiten aufmerksam zu machen und statt dessen Märchen zu verbreiten jeder sei ausschließlich das Opfer seiner Lebensumstände, verletzt die Würde des Menschen.
Die beiden Positionen, alle Leute die nicht klar kommen sind faules Gesindel und jene die besagt es handele sich stets um Opfer der Umstände, zeigen nur die geistige Trägerheit oder Unerfahrenheit ihrer Verfechter.
Damit wären wir bei einem Kernproblem. Den meisten Sozialarbeitern fehlt schlichtweg der Hintergrund an eigenen Erfahrungen und auch an Glaubwürdigkeit um die Menschen wirklich beraten zu können. Viele von ihnen gingen bei ersthaften eigenen Problemen schneller unter als ihre Schützlinge und die Schützlinge wissen das auch.
Deshalb ist es notwendig die Arbeitsergebnisse von sozialpflegerischen Tätigkeiten wenigstens in verlässlichen Stichproben zu kontrollieren, soweit diese von der öffentlichen Hand finanziert wird. Auf Basis dieser Ergebnisse könnte man weitere Maßnahmen ergreifen und die Hilfe wirklich zu verbessern.
P.S. Das Niveau der Diskussion ist unter aller S..
Was hab ich von Mindestlöhnen, wenn ich arbeitslos bin?
Sie haben wohl immer noch nicht begriffen, dass die Welt dank Globalisierung nicht am deutschen Wesen der staatlichen Sozialfürsorge genesen wird.
Die Welt richtet sich nicht nach dem verquasten Denken von Alt68ern, die das Problem der Unterschicht, des Bodensatzes verschärft, wenn uns nicht eingebrockt haben.
Es ist doch klar, dass über 30 Jahre Indoktrination der deutschen Bevölkerung, dass Sekundärtugenden von Disziplin, Pflichtbewusstsein allenfalls zur Führung von KZs taugen, ihre Wirkung gezeigt haben. Wie das heute funktioniert, kann man jeden Tag im Proletenfernsehen sehen.
Sehr geehrte Damen und Herren,
In Anbetracht Ihres Interviews in der Zeit zum Thema Armut in Deutschland mit Professorin Maier-Gräwe, möchte ich mein absolutes Unverständnis und meine Empörung über soviel Dummdreistigkeit ausdrücken, die Väter würden keinen Unterhalt zahlen. Es ist in diesem Land nicht mehr die Frage, ob ein Vater Kindsunterhalt zahlt sondern ob er ihn überhaupt zahlen kann. Da ist nämlich der Teufel im Detail sehen. Wir Väter werden nur noch als die Deckhengste und Zahlknechte der Nation behandelt. Da die Männer zwischenzeitlich in den Zeugungsstreik getreten sind führt man flugs die „Rammelprämie“ namens „Elterngeld“ ein. Ich kann Ihnen versichern dadurch wird nicht mal ein halbes Prozent mehr Kinder geboren und wenn, dann nur vorübergehend. Die Frauen müssen endlich mal von ihrem Versorgungsgedanken abschied nehmen und sich auf die eigenen Beine stellen. Manche scheinen das ja bereits begriffen zu haben.
Auch bei der erst vor eineigen Tagen getroffene Entscheidung des BVG darf ernstlich die Frage gestellt werden ob die Vertreter der Jurisprudenz und der Politik eigentlich immer noch auf den vielzitierten Bäumen sitzen.
Die Aussage von Frau Prof. Meier-Gräwe ist mehr als beschämend für unsere freiheitlich demokratische Grundordnung. Sind wir Männer eigentlich die Deppen der Nation? Hier wird nicht nur mit den Gefühlen der Männer und der Väter gespielt, sondern auch mit den Gefühlen und Ängsten unserer Kinder. Der Staat will mehr Kinder. Aber bitte nicht so! Ich erziehe meine Söhne inzwischen so, dass ich sie vor der Gründung einer Familie und den damit verbundenen „Gefahren“ wie Unterhalt etc. regelrecht warne und ich bin mir sicher, dass zwischenzeitlich nicht nur ich in diesem Lande so denke. Das hat mit „Gerechtigkeit“ doch nichts mehr zu tun. Sie tun den betroffenen Kindern damit wirklich keinen 'Gefallen'.
Und übrigens: Wenn Frau Meier-Gräwe im von Frau Gaschke geführten Interview behauptet, dass diese Frauen interviewt hätte, „die vollkommen frustriert auf Beihilfen verzichteten weil die Behördentermine nicht in ihren Tagesablauf unterzubringen waren“, so ist doch klar warum. Man muss doch nur mal vormittags durch die Fußgängerzonen unserer Städte gehen. Da sehen Sie die ach so „gestressten“ Mütter ihre Kinderwägen von Boutique zu Boutique schieben und belagern die Cafe’s gleich dutzendweiße, ganz zu schweigen von den Freibädern im Sommer.
Eine Abzocke ist das in diesem Lande, dass es einen so langsam wirklich ankotzt, hier zu leben...
Es grüßt Sie
Lehmann G.
@ErichH : In einem gebe ich Ihnen recht: „Das Niveau der Diskussion ist unter aller S..!“ Allerdings liegt das darin, dass hier mehr oder weniger selbstgerecht (um nicht zu sagen: selbstbetroffen) debattiert wird. Viele erzählen hier ihre eigene „Lebensgeschichte“, mal offen und direkt und dies als Prosa sozusagen, dann wieder als Metapher versteckt hinter gewissen subjektiven Begrifflichkeiten. Nur machen Sie da keine Ausnahme von! Vielleicht glauben Sie das, weil Sie davon auszugehen scheinen, dass Ihre Geschichte eine bessere sei - nur weil diese quasi ein Happyend aufzuweisen hätte: Schaut mich an, was ich doch für ein Prachtkerl bin! Eine solche Diskussion ist nicht nur sinnlos, sondern gerade das, was doch ein Teil der Leute hier vermutlich nicht wollen: systemstabilisierend nämlich!
Das System lebt davon, dass es Leute gibt, die gewinnen und solche die verlieren - nämlich das ist Marktwirtschaft; und nicht nur, dass es ungleiche Chancen gäbe, auch bei gleichen Chancen wäre es ein im höchsten Maße verwerfliches System, weil die Kultur längst über dieses Niveau hinausgewachsen ist – jenem Dschungelniveau. Es bedarf heute nicht mehr der Peitsche der Not um die Produktivkräfte (wie es so schön heißt) voranzutreiben. Technische und soziale Kultur (Vernetztheit aller Produktivkräfte) hat den Barbarismus eines Hobbes („Der Mensch ist des Menschen Wolf“) längst obsolet werden lassen. Nur in den Köpfen der Leute spukt dieser Mythos noch gewohnheitsmäßig… Das ist das Problem, und dass das so ist, das zeigen Beiträge, wie der Ihrige gerade!
Noch lebe ich und ob es sich nach meinem Ende um ein Happyend handeln wird darf noch bezweifelt werden.
Im übrigen soll Ihnen nicht wiedersprochen werden. Es wurde von meiner Seite nur der Versuch gemacht, mögliche Perspektiven für den Einzelnen aufzuzeigen. Es sollte weder das System destabilisiert, noch Rechnungen mit toten Mathematikern beglichen werden.
Wenn eine alleinerziehende Mutter von drei Kindern, nicht in der Lage ist regelmäßige Mahlzeiten auf den Tisch zu bringen, wie soll man verfahren?
Sollten wir hauswirtschaftliche Unterstützung und Anleitung geben oder Malthus zitieren (etwa) 'die Bevölkerung wächst schneller als die Nahrung' aus
'An Essay on the Principle of Population'?
Wenn Sie möchten können wir uns gerne noch ein bisschen Austauschen. Es erinnert mich an meine Jugend.
Beantworten Sie mir eine Frage: Wieso gehören ungleiche Chancen zur Marktwirkschaft? Diese These wird oft verkündet.
Über eine Antwort würde ich mich freuen, auch wenn Sie sie von Ihrem hohen Ross vortragen sollten.
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