Frauen und Karriere Die letzte HürdeSeite 2/2
Und trotzdem: Die Karrierechancen nach bestandenem Abschluss machen einiges wett – gerade für Frauen. Die französische Business-School Insead in Fontainebleau, an der lediglich 17 Prozent Frauen studieren, überraschte vor einiger Zeit mit der Mitteilung, dass ihre Absolventinnen die männlichen Kollegen in puncto Einstiegsgehalt überholt hätten. Bei Banken und Versicherungen kamen sie auf durchschnittlich 82353 Euro, Männer hingegen auf 80882 Euro. »Leider trauen sich viele Frauen ein MBA-Studium gar nicht erst zu«, sagt Annegret Zurawski. »Gerade weil ihnen oft das Selbstbewusstsein fehlt, um Beförderung und Gehaltserhöhungen zu verhandeln, wäre der Abschluss ein gutes Argument.« Trotzdem erlebt sie in Bewerbungsphasen immer wieder, dass Interessentinnen abspringen. »Wenn ihnen der beträchtliche Umfang bewusst wird, befürchten viele, der Sache nicht hundertprozentig gewachsen zu sein, und lassen es lieber ganz.« Männer hätten gar nicht erst den Anspruch, überall glatt durchzurauschen. Das wäre sowieso nur schwer machbar: Neben kaufmännischen Grundkenntnissen deckt das Studium alle relevanten Managementinhalte ab, darunter Mikro- und Makroökonomie, Logistik, Marketing; Mathematik und Statistik sind Pflichtfächer.
»Die Unternehmen bemühen sich seit einiger Zeit verstärkt um die Ausgewogenheit der Geschlechter und rekrutieren aktiv weiblichen Nachwuchs«, sagt Birgit Giesen, Geschäftsführerin des Staufenbiel Instituts für Studien- und Berufsplanung. Um den Ausgleich in ihrer Führungsriege voranzutreiben, bieten namhafte Firmen Stipendien und Förderprogramme an. Nestlé beispielsweise sponsert ein Stipendium für Frauen am IMD in Lausanne. Das Beratungsunternehmen Booz Allen Hamilton bezahlt seinen Stipendiatinnen die Gebühren des ersten Fortbildungsjahres und ermöglicht ihnen ein Praktikum im Ausland.
In Amerika wird diese Form der Ermutigung schon länger praktiziert: Die Forté Foundation, eine Vereinigung amerikanischer Business-Schools und Unternehmen, versucht seit einigen Jahren, mehr Frauen für MBA-Programme zu gewinnen: Sie bietet weiblichen Teilnehmern Stipendien für ein Studium an einer der Partnerschulen, stellt ein ständig wachsendes Netzwerk zur Verfügung und vermittelt Kontakte in internationale Firmen. Auf der Website finden Frauen Antworten auf alle relevanten Fragen zum MBA: Welche Schulen bieten spezielle Frauenprogramme an? Wie viel Zeit muss ich investieren? Und wer unterstützt mich bei der Finanzierung? »An einigen Schulen haben wir 13 Prozent mehr Frauen«, sagt Elissa Ellis, die Direktorin der Forté Foundation. »Ein solcher Ansturm ist bislang einmalig«.
Vorbilder und Gleichgesinnte finden Absolventinnen hierzulande auch in Ehemaligenvereinigungen und Netzwerken. An der European University Viadrina in Frankfurt (Oder) tauschen sich Schüler, Lehrer und Ehemalige über eine Internetplattform aus. Sie diskutieren darüber, wie sich Betriebsabläufe optimieren lassen, geben Kontakte weiter und vermitteln Mentoren, die den weiteren Karriereweg begleiten sollen. Was langsam ins Rollen gerät, könnte in wenigen Jahren in den Führungsetagen Tatsachen schaffen, die sich schon heute an den frauenstarken Business-Schools beobachten lassen: dass sich Faktoren wie Geschäftsethik und soziale Verantwortung durchsetzen – und mit ihnen die Frauen.
- Datum 13.05.2007 - 06:24 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 22.02.2007 Nr. 09
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