Der sich immer mehr und bis in schrillste Töne hinein steigernde Streit zwischen Verlegern und Übersetzern um die angemessene Bezahlung literarischer Übersetzungen müsste eigentlich niemanden außer den Betroffenen interessieren, weil es sich dabei (auch) um jenes ganz normale Gerangel handelt, das immer entsteht, wenn es um Knete geht, die der eine haben und der andere nicht hergeben will.

Es ist nun aber bekanntlich so, dass zum Büchermachen, also zum Verlegen schöner Literatur, immer auch eine Portion selbstvergessnen Wahnsinns gehört, und das gilt für das Schreiben von Büchern erst recht. Knete, um bei dem Wort zu bleiben, gibt es da selten. Wer da reich werden will, sollte die Branche wechseln. Die Übersetzer sagen nun allerdings, sie wollten nicht reich werden, sondern lediglich von ihrer anspruchsvollen Tätigkeit leben können. Zu diesem verständlichen, aber nicht immer erfüllbaren Wunsch hat sich dieser Tage Henning Ahrens in der Süddeutschen Zeitung geäußert, und seine Anmerkungen verdienen auch deshalb Beachtung, weil er beides ist: Übersetzer und Schriftsteller (sein neuer Roman Tiertage erscheint in Kürze bei S. Fischer).

Der erste Irrtum, so Ahrens, bestehe darin, dass die Übersetzer dazu neigten, sich für Schriftsteller zu halten. Ihre Arbeit sei aber nur selten schöpferisch im engeren Sinn, eher handele es sich um eine Art höherer Dienstleistung, die zuweilen besser bezahlt werde als die ursprüngliche Leistung des Autors. Der zweite Irrtum bestehe in der Zwangsvorstellung, von dieser Arbeit leben zu müssen, ein Gedanke, der jedem Schriftsteller von seinem ersten Buch an ausgetrieben werde. »Die meisten Autoren und Autorinnen, die ich kenne, haben einen zweiten Job, ob als Behindertenbetreuer oder Schafzüchter. Und nun kommen die Übersetzer daher und zicken wie die Diven. Awfully sorry, aber da stimmt etwas nicht.«

In der Tat. Ahrens legt einen Widerspruch offen, zu dem sich die Übersetzer bekennen sollten: Wenn sie Künstler eigenen Rechts sein wollen, wozu dann etwa gehört, dass man ihren Namen auf dem Umschlag ähnlich groß präsentiert wie den des Autors, dann müssen sie auch die Risiken freier Kreativität tragen und sich nicht gebärden wie aufgeregte Gewerkschaftsvertreter.

In den vergangenen Jahrzehnten ist es den Übersetzern gelungen, das Interesse der Öffentlichkeit für ihre Arbeit zu mobilisieren, und das ist alles in allem ein Gewinn. Das bemerkenswert hohe Niveau unserer Buchproduktion verdankt sich auch der Qualität und Zahl der Übersetzungen. Aber gemessen an der Arbeit des Autors, ist und bleibt die des Übersetzers sekundär. Sie muss anständig bezahlt werden, und was das im Einzelfall bedeutet, sollen die Beteiligten unter sich ausmachen, wie es ja derzeit geschieht. Den gerechten Lohn gibt es nicht, weder in der wirklichen Wirklichkeit noch in der des Literaturbetriebs. Ulrich Greiner