Theater Krieg im FriedenSeite 2/2

Niemand wird behaupten, solch politische Askese schade seiner Kunst. Denn nun nimmt das Theater eine ästhetische Wendung, und mit einem verblüffenden Coup entzieht der Autor seinen freudlosen Figuren das Wort. Kurzum, weil Handke kein Tragiker ist und keiner mehr werden möchte, weil er nicht länger rückwärts in die Geschichte wandern und den Fehler bei Adam und Eva suchen will, sabotiert er das Schicksal und lässt den Erzähler (Veit Schubert) auftreten, jenen »Zuschauer«, der das große Welttheater von Anfang an beobachtet (oder gar erfunden?) hat. Er weist den Unglückshaufen zurecht, all die »Wichtel« und Wichtigtuer, die Daseinsnomaden, Schwerenöter und Leidensträger. Hatte Handke eben noch das große Heidegger-Fass aufgemacht ( »Zeit ist Sein« ), so rollt er es nun wieder in die Ecke, und Peymann folgt ihm darin. Niemand solle sich auf die tragische »Zeit« herausreden, denn auch Tragödien haben einmal ein Ende. Ein jeder möge sich an die eigene Nase fassen und eine neue Spielzeit beginnen, ein anderes Leben. Das Theater war nur eine Katastrophenübung, eine Schule des Sehens. Es probte den Ernstfall, um ihn abzuwenden. Und nun darf, wie Handke sagen würde, der Regen wieder aufwärts fallen.

Zum Thema
Eine, die auszog, die anderen zu finden- Peter Handkes »Kali« ist ein atemberaubendes Epos über Aufbruch, Verlust, Suche und Heimkehr. Von Ursula März »

 
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